Der Terminkalender für das bevorstehende Jahr 2017 ist schon jetzt prall gefüllt: Am 20. Januar wird der neue US-Präsident Donald Trump in sein Amt eingeführt. Am 15. März wird das niederländische Parlament neu gewählt, im Mai neue Präsidenten in Frankreich und im Iran. Italien steht im Frühjahr womöglich vor Neuwahlen, eventuell auch Spanien. Im September wählen die Deutschen schließlich einen neuen Bundestag. Wahljahre sind gute Börsenjahre, 2017 wird ein gutes Jahr!

Seit dem Votum der Wahlmänner vom 19. Dezember ist es offiziell, auch wenn das genaue Ergebnis erst am 06. Januar im US-Kongress verkündet werden soll: Donald Trump wird neuer amerikanischer Präsident. Viel wurde im Vorfeld über Trumps Absichten spekuliert. Viele seiner Ankündigungen waren politisch brisant, viele populistisch und viele reine Luftnummern. Sicher aber scheint, dass er ein groß angelegtes In-frastrukturprogramm auflegen wird. Das kommt z.B. dem stark veralteten Verkehrssektor zugute. 

Umfragen zufolge setzen die Wähler vor allem darauf, dass Trump das Land wie einen großen Konzern führen wird – gewinnorientiert, weniger reguliert und mit massiven Steuererleichterungen für die Unternehmen. Dafür spricht auch die Zusammensetzung seines Kabinetts, das sich aus Wirtschaftsbossen, Finanzinvestoren und Militärs rekrutieren wird. Konjunkturexperten schätzen, dass die US-Wirtschaft 2017 um 2,25 % wachsen wird. Die seit der Wahl angezogenen Kurse des Stahl- und Bausektors stützen diese These. Allein schon die Aussicht auf höhere Gewinne führt zu mehr Investitionen, mehr Risikofreude und befeuert so die Konjunktur und die Aktienkurse.

Schon jetzt zeichnet sich an der Wall Street ein seltenes Signal ab, das „bullish outside year“. Dafür müssen Hoch und Tief eines Jahres außerhalb der Spannbreite des Vorjahres liegen und über dem Hoch des Vorjahres schließen. Genau das war 2016 beim US-Leitindex S&P 500 der Fall. Er ging mit 2.243,48 Punkten aus dem Handel und damit deutlich über 2.135 Punkten. Diese äußerst selten auftretende Konstellation gilt unter Charttechnikern als extrem bullisches Signal. Seit 1928 gab es den Fall nur zweimal, in den Jahren 1935 und 1982. In den Jahren danach stieg der Index um 28 bzw. 17 %.

In Europa stehen in diesem Jahr gleich mehrere Wahlen an. Auch wenn es sich bei den Niederlanden und Tschechien eher um kleinere Volkswirtschaften handelt, sind diese Länder wichtige und gleichberechtigte Partner innerhalb der EU. Daher blickt gerade Deutschland gespannt auf die Parlamentswahlen seiner Nachbarn, schließlich braucht es verlässliche Partner bei den EU-Verhandlungen mit den Briten. Regierungschefin Theresa May wird wahrscheinlich Ende März in Brüssel offiziell den Antrag zum EU-Austritt einreichen. Die dann beginnenden mehrjährigen Verhandlungen werden die Börsen mehr belasten als der Brexit selbst. Die Abwertung des Pfund sowie die lockere Geldpolitik der EZB werden konjunkturelle Einbrüche aber auch weiterhin abfedern.

Und dann sind da noch die Wahlen in den beiden europäischen Schwergewichten Frankreich und Deutschland. In beiden Ländern wird es in diesem Jahr sowohl ein neues Parlament als auch einen neuen Präsidenten geben. In Frankreich ist die politische Ausrichtung spätestens am 7. Mai bekannt, in Deutschland erst Ende September. Während der französische Präsident Hollande die Konsequenzen aus seinem Scheitern zieht und nicht mehr antritt, will Bundeskanzlerin Merkel weitermachen. Das treibt die Gemüter hoch. Die größere Gefahr geht dennoch von Frankreich aus. Mit einer rechtsnationalen Le Pen als Präsidentin würde sich die EU zerlegen. Spätestens jedoch in der Stichwahl werden sich die beiden bürgerlichen Parteien auf einen ihrer Kandidaten einigen, um den Élysée-Palast nicht räumen zu müssen. In jedem Fall muss der neue Hausherr den Reformstau lösen.

Der Iran hat sich gerade erst aus einem 40 Jahre andauernden gigantischen Investitionsstau befreit und dürstet nun nach westlichen Industriegütern. So konnten sich bereits u.a. Airbus, Siemens und General Electric große staatliche Aufträge sichern. Die Wahlen im Iran werden entscheiden, ob es über 2017 hinaus zu einer weiteren Annäherung mit dem Westen kommt. Die Chancen stehen jedenfalls gut, denn die Menschen haben viel zu lange unter dem Wirtschaftsboykott gelitten. Europa wird dann der große Profiteur sein, setzt es doch auf seine traditionell guten Wirtschaftsbeziehungen zum Iran.

Aus der Industrie kommen dann auch positive Signale, insbesondere aus dem Maschinenbau, der Automobilbranche oder auch der Halbleiterindustrie. Der Euro ist günstig, und die Weltkonjunktur zieht an. Allein in den vergangenen drei Monaten gewann der US-Dollar gegenüber der Gemeinschaftswährung mehr als 6 %. Dadurch wurden europäische Produkte für Ausländer billiger – und diese kauften kräftig ein. „Die Geschäfte sind so gut gelaufen wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr“, kommentiert Chris Williamson, Chefvolkswirt des Analysehauses Markit. 

Zum Ende des Jahres stieg neben der Papier- und Verpackungsindustrie auch der Einzelhandel wieder in die Riege der zehn stärksten Branchen auf. Damit zeigt sich vor allem Europas Exportwirtschaft optimistischer. Rückenwind erhält sie auch von der verbesserten Lage in den Schwellenländern. Von der Zinsseite der EZB ist ebenfalls kein Gegenwind zu befürchten, und sie hat ihr Anleihenkaufprogramm gerade bis Dezember 2017 verlängert. Für Deutschland prognostiziert das IWF für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von soliden 1,4 %. 

Auch wenn das Jahr 2017 im Moment noch einem politischen Minenfeld gleicht, sind die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Aktienjahr gut. Mehr Investitionen und Risikofreude befeuern die Konjunktur und treiben die Börsenkurse. Anleger nutzen daher das Wahljahr 2017.