TAG Immobilien AG

Die TAG Immobilien AG platzierte erfolgreich eine neue Wandelanleihe. Die Wandelanleihe im Gesamtnennbetrag von 262 Mio. Euro hat eine Laufzeit bis September 2022. Wie die Gesellschaft mitteilte, sind die Wandelschuldverschreibungen in rund 14,6 Mio. Aktien wandelbar oder können auch bar zurückgezahlt werden. Die zu 100 Prozent begebenen Wandelanleihen haben einen Kupon von 0,625 Prozent per anno. Der anfängliche Wandlungspreis beläuft sich auf 17,9331 Euro, was einem Aufpreis von rund 30 Prozent auf den Referenzkurs entspricht. Die Wandelschuldverschreibungen wurden im Rahmen einer Privatplatzierung ausschließlich an institutionelle Anleger vergeben. Die Erlöse aus der Anleihe werden zu allgemeinen Zwecken und zur Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten eingesetzt.

technotrans AG

Die technotrans AG entwickelte sich auch im zweiten Quartal besser als vom Management erwartet. So erzielte die Gesellschaft im ersten Halbjahr ein Umsatzwachstum von 62,3 Prozent auf 103,2 Mio. Euro. Rein organisch erwirtschaftete technotrans ein Umsatzplus von 11,2 Mio. Euro entsprechend einem Anstieg um 17,7 Prozent. Die neu akquirierten Gesellschaften trugen 28,4 Mio. Euro zum Umsatz bei. Im Segment Technology wies das Unternehmen einen Umsatzzuwachs von 76,4 Prozent auf 73,9 Mio. Euro aus. Im Segment Services legte der Umsatz um 35,2 Prozent auf 29,3 Mio. Euro zu.

 

Das EBIT kletterte im ersten Halbjahr um 92,2 Prozent auf 8,4 Mio. Euro. Dies entsprach einer EBIT-Marge von 8,2 Prozent. Das Segment Technology erzielte eine Rendite von 5,1 Prozent, während das Segment Services eine Rendite von 15,9 Prozent erwirtschaftete. Beim Gewinn nach Steuern konnte technotrans das Ergebnis auf 6,1 Mio. Euro nahezu verdoppeln. Angesichts der guten Entwicklung erhöhte der Vorstand die Umsatz- und Ergebnisprognose für das Gesamtjahr. Demnach rechnet das Management jetzt mit einem Umsatz zwischen 203 und 208 Mio. Euro nach zuvor 185 bis 195 Mio. Euro. Das EBIT sieht der Vorstand nun in einer Bandbreite zwischen 16,0 und 17,0 Mio. Euro. Zuvor lautete die Schätzung auf 12,0 bis 14,0 Mio. Euro.

DATAGROUP SE

Die DATAGROUP SE steigerte ihren Umsatz im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 um 25 Prozent auf 55,1 Mio. Euro. Dabei legten die Dienstleistungsumsätze überproportional um 36 Prozent auf 44,8 Mio. Euro zu. Durch den Ausbau des margenstarken Servicegeschäfts erhöhten sich die Ergebniskennzahlen überdurchschnittlich. So stieg das EBITDA um 103 Prozent auf 7,2 Mio. Euro entsprechend einer EBITDA-Marge von 13,0 Prozent. Allerdings waren hierin auch positive Einmaleffekte aus der Übernahme der HanseCom enthalten. Das EBIT kletterte um 170 Prozent auf 5,2 Mio. Euro und der Periodenüberschuss belief sich auf 3,5 Mio. Euro. Trotz einer höheren Aktienanzahl stieg das Ergebnis je Aktie von minus 0,07 auf 0,45 Euro.

In den ersten drei Quartalen legte der Umsatz um 29 Prozent auf 163,1 Mio. Euro zu. Auch das EBITDA konnte auf 18,7 Mio. Euro nahezu verdoppelt werden. Das Halbjahresergebnis sprang von 0,8 auf 8,0 Mio. Euro. In der vergangenen Woche erwarb DATAGROUP zudem die ikb Data GmbH. Das Unternehmen fungiert als Spezialist für IT-Outsourcing und Datensicherheit.

Thema der Woche

Ausgabe 34 | 23.08.2017

Vorsicht Rentenfonds!

Von der sicheren Anlage zum Risikopapier

Der Online-Inhalt des Effecten-Spiegel ist kostenpflichtig. Sie können die gesamte Ausgabe beziehen und sofort freischalten.
2,70 €
inkl. 19%MwSt

Feature

Am 21.06.2017 legte der 4. Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages seinen Abschlussbericht zu den sog. Cum/Ex-Geschäften vor (s. ES 14/2014 und 44/2016). Das Ergebnis: Die „Strip-Affäre beim Fiskus“ ist abgehakt, und weit mehr als 10 Mrd. Euro Steuergelder sind futsch. Der größte deutsche Steuerraub wird von der Bundesregierung vertuscht, viele Täter gehen straffrei aus. 

Sie ist jedem steuerpflichtigen Bürger ein Graus – die Einkommensteuererklärung. Jedes Jahr sind dort penibel sämtliche Einnahmen für den jeweiligen Steuerzeitraum anzugeben. Steuerlich anrechenbare Werbungskosten und geschäftlich gefahrene Kilometer müssen exakt nachgewiesen werden, denn die Finanzbehörde prüft genau. Und wehe dem, der hier nicht alle Ausgaben belegen kann. Anders lief es bei den sog. Cum/Ex-Geschäften, die es seit den 1970er Jahren in Deutschland gibt und mehr und mehr zu „bandenmäßiger Steuerhinterziehung“ in großem Stil wurden. Es geht dabei um Aktientransaktionen rund um den Dividendenstichtag und um Mehrfacherstattungen der Kapitalertragsteuer für institutionelle Investoren. Das sind immerhin 25 % der eingenommenen Dividenden.

Inländische und ausländische Banken waren ebenso darin verwickelt wie private und öffentliche Geldinstitute, Fondsverwalter, Aktienhändler, Wirtschaftsprüfer, Bankenverbände, Steuerberater, Rechtsanwälte und auch Sachverständige. Besonders bitter ist, dass bei diesen Geschäften auch Banken mitgemacht haben, die im selben Zeitraum vom Steuerzahler gestützt oder gerettet wurden.

Hinzu kamen haarsträubende Fehleinschätzungen der Aufsichtsbehörden sowie des Bundesministeriums für Finanzen (BMF). So wurden unter dem Mantel der Scheinlegalität von den Beteiligten riesige Aktienpakete hin und her geschoben, um sich vom Fiskus Steuern erstatten zu lassen – in Einzelfällen gelang das bis zu fünfmal. Ganz genau weiß das allerdings heute niemand mehr. Daher kann auch der tatsächliche Schaden bis heute nicht seriös beziffert werden. 

Selbst der Untersuchungsausschuss kann am Ende seiner Arbeit nur vage Vermutungen über die Schadenshöhe anstellen. Nach seiner Schätzung gingen mindestens 10 Mrd. Euro verloren. Obwohl dies nur die unterste nachzuweisende Grenze darstellt, ist das „der größte Fall von Finanzkriminalität in der Geschichte der Bundesrepublik. ... Das ist mehr als bei der Herstatt-Bank mit einem Schaden von 480 Millionen DM, mehr als in der Flick-Affäre mit einem Steuerausfall von 986 Millionen DM, mehr als bei dem FlowTex-Kreditbetrug mit einem Schaden von ca. 4 Milliarden DM“ (S. 502 des Abschlussberichtes). Da die Gesetzgebung nach ersten Hinweisen auf vielfachen Steuerbetrug trotzdem fast ein ganzes Jahrzehnt brauchte, um den Cum/Ex-Geschäften Einhalt zu gebieten, kommen nach interner Schätzung des BMF zu den 10 Mrd. Euro weitere 5 bis 6 Mrd. Euro Steuerverlust pro Jahr dazu.

„Nie zuvor hat es so viele Ermittlungen gegen so viele Beteiligte in so vielen Unternehmen bei so großem finanziellen Schaden gegeben“, so das Fazit des Ausschusses. Allein im Rahmen seiner Untersuchungen wurden insgesamt 75 Zeugen vernommen. Die stenografischen Protokolle umfassen über 2.100 Seiten. Bei verschiedenen Staatsanwaltschaften sind zudem 29 Ermittlungsverfahren anhängig. In Nordrhein-Westfalen z.B. nannte ein einziger Insider in nur einer Vernehmung zu Cum/Ex schon 50 Namen. 

Zu Beginn seines 811 Seiten umfassenden Abschlussberichtes (ohne Anlagen) bekräftigt der 4. Untersuchungsausschuss aber zunächst, dass sein Interesse „nicht darauf gerichtet sei, den Betroffenen ein Fehlverhalten nachzuweisen“ (vgl. S. 51). Und so finden sich zunächst Hunderte von Seiten mit Beschlussempfehlungen, wie mit den Zeugenaussagen und Unterlagen umzugehen sei – vermutlich, um die Arbeit des Ausschusses möglichst schnell und politisch geräuschlos beenden zu können. Erst auf Seite 319 stößt der interessierte Leser auf die Einschätzung des Gremiums, dass Cum/Ex-Transaktionen schon immer rechtswidrig gewesen seien und es nie eine entsprechende Gesetzeslücke gegeben habe.

Bei den Cum/Ex-Geschäften handle es sich um gezielt verschleierte Steuerhinterziehung im Zusammenwirken von Banken, Wirtschaftskanzleien und Investoren. Die Akteure „ließen sich die vermeintliche Recht-
mäßigkeit ihres Geschäftsmodells von Wissenschaftlern und Steuerberatern bestätigen, umgingen interne Kontrollsysteme der Banken und verschleierten ihr kriminelles Verhalten durch aufwändige Handelstransaktionen vor dem Fiskus“ (S. 352). Zwischen 2007 und 2009 war z.B. die baden-württembergische Landesbank als Leerkäuferin an Cum/Ex-Geschäften beteiligt. Im Auftrag der Steuerabteilung des Instituts erstellte die KPMG ein Gutachten, das die vermeintliche Rechtmäßigkeit bestätigte. 

Darüber hinaus wurden fingierte wissenschaftliche Aufsätze im Markt lanciert, um die Rechtsauffassung durch die Literatur zu stützen. Zwei renommierte Steuerrechtler gaben zu, gegen Honorarsätze von 500 bis 600 Euro pro Stunde hier tätig gewesen zu sein. Die Banken hatten zudem einen eigenen Maulwurf ins Bundesfinanzministerium geschleust. Arnold Ramackers, eigentlich Richter am Finanzgericht Düsseldorf, hatte sich von 2008 bis 2009 beurlauben lassen, um selbständig für den Bankenverband zu arbeiten. Von den Banken fürstlich bezahlt, war er gleichzeitig aber auch als Berater für das BMF tätig. 

Obwohl der Staat also unter den Augen der BaFin und der Steuerbehörden systematisch und gezielt über Jahrzehnte ausgeplündert wurde, kommt der Ausschuss zu dem überraschenden Schluss, dass in den Behörden „sachgerecht und pflichtgemäß gearbeitet wurde“ und nichts zu beanstanden sei. Er geht sogar noch weiter und stellt sich selbst in Frage: „Dieser Untersuchungsausschuss war nicht erforderlich. Alle Vorwürfe sind widerlegt, mit denen seine Einsetzung begründet wurde“ (S. 368). Und auf Seite 454 schiebt er die Verantwortung weiter: „Den Cum/Ex-Sumpf ... trocken zu legen, ist nun die Aufgabe der Staatsanwaltschaften.“

Unter den Augen einer ignoranten Bankenaufsicht und durch das massive Versagen von Ministerien und Behörden konnten skrupellose Akteure der Finanzbranche die deutsche Staatskasse über Jahrzehnte ungehemmt ausplündern. Das System aber wird nicht angezweifelt, der größte deutsche Steuerraub damit sanktioniert. Dem Wohle des Volkes!

Um die Jahrtausendwende sprudelten in Deutschland die Gewinne der Unternehmen. Vor allem jene mit sehr hohen Erträgen kauften sich daher oftmals Firmenhüllen, die nichts weiter als Verlust enthielten, um Steuern zu sparen. Seit 2008 ist dies nicht mehr möglich. Selbst bei Erwerb eines Minderheitsanteils von 25 % geht der Verlustvortrag verloren. Diese Regel hat das Bundesverfassungsgericht nun gekippt. Der Gesetzgeber muss bis 31. Dezember 2018 rückwirkend eine Neuregelung treffen. 

Ähnlich zur Einkommensteuer bei natürlichen Personen unterliegen bei juristischen Personen (z.B. Kapitalgesellschaften, wie AG und GmbH) mit Sitz im Inland sämtliche Einkünfte der Körperschaftsteuer. Der Steuersatz liegt bei 15 % (25 % bis 2008). Allerdings können Unternehmen ihre Verluste in gewissen Grenzen mit den Gewinnen verrechnen. Es besteht sogar die Möglichkeit, die Verluste in kommende Veranlagungszeiträume vorzutragen, um sie dann mit zukünftigen Gewinnen steuerwirksam zu verrechnen. Da ein festgestellter Verlustvortrag zeitlich unbegrenzt ist, stellt er ein echtes Asset dar, wie z.B. bei der Immobiliengesellschaft WCM, die jetzt vom Gewerbeimmobilieninvestor TLG übernommen wird. Der Verlust wirkt praktisch wie eine Steuergutschrift auf zukünftige Gewinne. 

Nach Expertenschätzungen belaufen sich die aktuellen bundesweiten Verlustvorträge bei den Ertragsteuern auf über 600 Mrd. Euro, was natürlich ein erhebliches Risiko für die Haushalte von Bund und Ländern darstellt. Um die Jahrtausendwende lagen die Beträge noch höher. Daher wurden vermehrt Unternehmen gekauft, die nur noch auf dem Papier existierten, aber hohe Verlustvorträge in den Büchern hatten. Diese Verluste konnten dann mit eigenen Gewinnen verrechnet werden, und Steuern wurden gespart. Viele Unternehmen entwickelten daraus ein eigenes Steuersparmodell, der Handel mit leeren Firmenhüllen (sog. Mantelkäufe) blühte. Da dem Gesetzgeber so gigantische Steuersummen verloren gingen, versuchte er, dem einen Riegel vorzuschieben. Im Zuge der Unternehmenssteuerreform des Jahres 2008 wurde in das Körperschaftsteuergesetz (KStG) mit dem § 8c Absatz 1 Satz 1 eine Ausnahmeregelung eingefügt. Sie sah vor, dass der Verlustvortrag des Unternehmens verfällt, wenn innerhalb von fünf Jahren mehr als die Hälfte der Anteile wechselt (sog. schädlicher Beteiligungserwerb). Bei einer Anteilsübertragung zwischen 25 und 50 % entfällt der Verlustvortrag anteilig, auch wenn sich im Unternehmen sonst nichts ändert. 

Das bis dato beliebte Geschäft mit Unternehmensmänteln trocknete daraufhin hierzulande fast vollständig aus. Allerdings wurde damit auch der operativ sinnvolle Verkauf von Aktienpaketen torpediert. So konnte manch geplantes Sanierungskonzept vom Erwerber nicht mehr gestemmt werden, weitreichende Fusionen wurden abgeblasen. Und Start-ups hatten es schwer, überhaupt Gesellschafter zu finden, da diese die Anfangsverluste steuerlich nicht nutzen durften. Gerade nach der Finanzkrise wurde der Mantelkauf-Paragraf zum Bumerang und erhöhte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland erheblich. Die geplante Übernahme und Umstrukturierung von Opel durch den US-Autobauer General Motors wurde z.B. deutlich erschwert. Sie fiel für die Mitarbeiter noch viel härter aus als geplant, weil der amerikanische Konzern die Verluste von Opel in Deutschland steuerlich nicht abschreiben konnte.

Im Ergebnis hatte der Gesetzgeber also eine abstrakte Missbrauchsgefahr zum Anlass genommen, um eine Regelung zu schaffen, die weder verfassungsrechtlich noch wirtschaftlich tragfähig war. Neun Jahre nach ihrem Inkrafttreten sahen das nun auch die Bundesverfassungsrichter so und urteilten, dass die Ausnahmeregel des § 8c Absatz 1 Satz 1 KStG gegen das Grundgesetz verstößt. Zwar hätten einzelne Unternehmen die Verlustvorträge zu ihrem eigenen Vorteil als Steuersparmodell missbraucht und damit einen legalen Handel betrieben, doch diese Ausnahme dürfe nicht generell bei allen Anteilsverkäufen unterstellt werden. Für den Kauf einer Beteiligung an einer Verlustgesellschaft könne es nämlich vielfältige Gründe geben, argumentierte das BVerfG. Es sei auch nicht ersichtlich, warum bei einem Minderheitenwechsel generell von einer Änderung der wirtschaftlichen Identität der Verlustgesellschaft ausgegangen wird. Beim Erwerb von 25 bis 50 % habe der Käufer meist nur eine Sperrminorität in der Gesellschafterversammlung. Im Gegensatz zum Mehrheitsgesellschafter könne er nur bedingt Einfluss auf die unternehmerischen Geschicke der Gesellschaft nehmen und folglich die Verluste nicht durch entsprechende unternehmerische Entscheidungen zu seinen eigenen Zwecken nutzen. 

Zudem verstoße die bisherige Gesetzeslage gegen das Prinzip der Gleichbehandlung, die im Grundgesetz verankert ist. Denn wenn ein Gesellschafter einen Minderheitsanteil von 25 bis 50 % verkauft, werden die übrigen Gesellschafter steuerlich benachteiligt, weil die gesamte Firma ihre Verluste nicht mehr vollständig abschreiben kann. Das Prinzip, Unternehmen nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu besteuern, sei damit durchbrochen, so die Richter in der am 12. Mai veröffentlichten Begründung ihrer Entscheidung. (Az: 2 BvL 6/11)

Die von 2008 bis Ende 2015 gültige Vorschrift muss deshalb korrigiert werden. Dem Gesetzgeber wurde eine Frist zur Neuregelung bis zum 31.12.2018 zugebilligt. Offen bleibt jedoch, was mit späteren Veranlagungszeiträumen ist. Seit der Gesetzesmodifizierung im Jahr 2016 können die Verluste beim Anteilsverkauf nämlich dann weiter genutzt werden, wenn die Firma vom Käufer weitergeführt wird. Ob diese letzte Änderung dem Verfassungsgericht genügt, ließen die Richter offen und schrieben, diese Erweiterung hätten sie nicht geprüft. Offen bleibt auch, wie die Fälle steuerlich zu bewerten sind, in denen die Mehrheit an einer Firma verkauft wird.

Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts geht in die richtige Richtung, da er die pauschale Unterstellung von Steuermissbrauch bei der Nutzung von Verlustvorträgen korrigiert. Allerdings bleiben viele Fragen zur Rechtslage offen, mit deren Klärung vor der Bundestagswahl nicht mehr zu rechnen ist. Anleger können dennoch davon ausgehen, dass die Anteilsverkäufe und Firmenübernahmen dadurch nochmals angeheizt werden.

Die diesjährige Hauptversammlungssaison geht langsam ihrem Ende entgegen.  Weltweit wurden von den Unternehmen Rekordsummen an ihre Anteilseigner als Dividenden ausgeschüttet. Doch viele Anleger sind verwundert, wie wenig Geld letztendlich auf ihrem Konto ankommt, vor allem wenn sie ausländische Aktien im Depot halten. 

Trotz immer wieder angekündigter Vereinfachung des Steuersystems haben es deutsche Steuerzahler nicht leicht. Legen sie dann auch noch ihr Geld in ausländischen Aktien an, werden sie oft doppelt zur Kasse gebeten. Und das, obwohl Anfang 2009 die Abgeltungssteuer eingeführt wurde. Seitdem werden Veräußerungsgewinne, Dividenden und Zinsen in Deutschland mit einer pauschalen Abgeltungssteuer von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag und seit 2015 verpflichtend auch mit Kirchensteuer belegt (s. auch ES-Ausgabe 36/2014). Diese Steuer wird direkt an der Quelle der Einkünfte abgezogen, also in dem Land, in dem die Einkünfte entstehen. In Deutschland wird daher vom depotführenden Kreditinstitut die auf die Dividende anfallende Steuer nach Eingang der Zahlung direkt einbehalten und an das zuständige Finanzamt abgeführt. Besitzt der Anleger ausländische Wertpapiere, greift dann noch zusätzlich der Fiskus des jeweiligen Heimatlandes zu. So kommt es zu einer doppelten Steuerbelastung für den Anleger (Quellensteuer im Ausland und Abgeltungssteuer im Inland). Die Quellensteuer ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich hoch. In der Schweiz liegt sie z.B. bei saftigen 35 %, in den USA und Schweden jeweils bei 30 % und in Kanada bei 25 % (s. Tabelle auf Seite 21). 

Und ebenso wie die hiesige Abgeltungssteuer wird die ausländische Quellensteuer in voller Höhe direkt im jeweiligen Heimatland vom Ertrag von den Kreditinstituten abgezogen und an den Fiskus überwiesen. Damit Anleger nicht zweimal zur Kasse gebeten werden, hat Deutschland mit vielen Staaten sog. Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen. Gemäß DBA kann die ausländische Quellensteuer auf die deutsche Abgeltungssteuer angerechnet werden, und zwar maximal bis zu einer Höhe von 15 %. Das Bundeszentralamt für Steuern in Bonn veröffentlicht jährlich zum 01. Januar auf ihrer Internetseite www.bzst.de eine Übersicht über den aktuellen Stand dieser Abkommen und die jeweilige Höhe der Anrechnung. Die Liste vom 01.01.2017 führt 95 Länder, mit denen die Bundesrepublik Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen hat oder noch verhandelt. Doch diese Liste ist für den Laien nicht nur völlig unübersichtlich, sondern sie ist auch mit Vorsicht zu genießen, da sie unterjährig nicht angepasst wird. Noch unverständlicher ist das als „erläuternde Hilfestellung“ empfohlene BMF-Schreiben vom 18.01.2017. Hier tatsächlich Hilfe zu suchen, ist schlichtweg sinnlos und vergeudete Zeit. 

Maßstab für den deutschen Steuerzahler bei der Anrechnung ausländischer Quellensteuer ist allerdings immer der Abgeltungssteuersatz von 25 %. Liegt die ausländische Quellensteuer bei Dividenden im Bereich zwischen 0 % bis 15 %, wird diese in voller Höhe auf die Abgeltungssteuer angerechnet. Damit die deutsche Abgeltungssteuerquote von 25 % (plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) erreicht wird, schlägt das Finanzamt in jedem Fall den fehlenden Differenzbetrag drauf, sodass immer mindestens der inländische Steuersatz von 25 % bezahlt wird. Drunter kommt also keiner weg. 

In Luxemburg, Russland, den Niederlanden, der Türkei und Südafrika gibt es für deutsche Anleger keine Probleme mit der Quellensteuer, sie beträgt in diesen Ländern exakt die anrechenbaren 15 %. Problematisch wird es jedoch dann, wenn die ausländische Quellensteuer über 15 % liegt. Österreich z.B. erhebt derzeit auf Ausschüttungen 27,5 % Quellensteuer. Die Bank zieht daher von dem Dividendenertrag die vollen 27,5 % ab und überweist sie an die österreichische Finanzbehörde. Der Anleger bekommt dann lediglich den kümmerlichen Rest der Dividende auf dem heimischen Konto gutgeschrieben. Nach dem DBA ist für Bundesbürger die Höhe der im Ausland zu zahlenden Steuer bei Dividenden auf max. 15 % beschränkt. Also werden dem Aktienbesitzer 15 % von den gezahlten 27,5 % der österreichischen Quellensteuer auf seine Abgeltungssteuer in Deutschland angerechnet. Auf den restlichen 12,5 % bleibt er zunächst sitzen, hat allerdings Anspruch auf Erstattung. Er kann sich diesen Betrag also bei der ausländischen Finanzbehörde wiederholen. Allerdings ist damit ein so erheblicher bürokratischer und zeitlicher Aufwand verbunden, dass viele Privatanleger darauf verzichten.

Da jedes Land seine eigene Steuergesetzgebung hat, muss eine Rückerstattung der zu viel gezahlten Quellensteuer bei der Steuerbehörde des jeweiligen Landes beantragt werden. Dieser Betrag wird dann bei der jährlichen Einkommensteuererklärung steuerlich voll auf die inländische Abgeltungssteuer angerechnet. Aber selbst innerhalb der EU gibt es keine einheitlichen Antragsverfahren. Auch sind die Verjährungsfristen für die entsprechenden Ansprüche unterschiedlich lang. Zwar stellt das Bundeszentralamt für Steuern auf seiner Internetseite unter der Rubrik „Steuern International/Freistellung und Erstattung“ Informationen und Antragsformulare für jedes Land zur Verfügung, oft aber nur in Englisch. Und selbst die deutschen Erläuterungen sind so kompliziert und umfangreich (für das spanische Formular z.B. 22 Seiten), dass sie den Anleger eher verwirren. Zudem nehmen einige Länder, wie bspw. Frankreich, den Antrag auf Rückerstattung nur an, wenn er über die depotführenden Banken eingereicht wird. Und diese verlangen dann wieder einmal eine pauschale Dienstleistungsgebühr. Sie liegt im Durchschnitt bei 100 Euro. Hat der Anleger dann seine Ansprüche endlich durchgesetzt, dauert es meist Jahre, bis er tatsächlich sein Geld wieder sieht. Vor allem die spanischen und italienischen Steuerbehörden strapazieren die Geduld der Anleger und sind für ihre Bürokratie geradezu berüchtigt. 

Einige Privatbanken und Sparkassen (z.B. die Sparkasse Köln/Bonn) bieten inzwischen jedoch von sich aus als Service für ihre Kunden an, automatisch die Erklärungen an die Finanzbehörden weiterzuleiten. Allerdings trifft dies oft nur für US-Aktien zu. Da der Kunde bei Depoteröffnung eine Kopie seines Personalausweises vorlegt und damit den Nachweis erbringt, dass er als deutscher Staatsbürger gemeldet ist, müssen keine zusätzlichen Steuerformulare für die Erstattung der Quellensteuer mehr ausgefüllt werden. Die Banken ziehen dann von vornherein nur 15 % Quellensteuer auf diese Werte ab.  Bei der Comdirect und der DAB Bank genügt eine Vollmacht zur Quellensteuerrückerstattung. Mit dem „Quellensteuer-Service“ der dwpbank können Kunden per Knopfdruck die schon ausgefüllten länderspezifischen Anträge unter Beachtung aller Fristen abrufen.

Anleger sollten ihre depotführende Bank unbedingt auf die ausländische Quellensteuer ansprechen und abklären, ob und für welche Länder eine automatische Steuererstattung angeboten wird. Bei Banken, die diesen Service nicht anbieten, sollten Anleger darauf bestehen, dass auf ihrer Wertpapierabrechnung jeweils die Höhe der ins Ausland abgeführten Quellensteuer ausgewiesen ist und auch der Betrag, der davon steuerlich anrechenbar ist. Bei größeren Depots lohnt es sich, professionelle Hilfe eines fachkundigen Steuerberaters in Anspruch zu nehmen.

Unsere Aktienoptionsscheinfavoriten haben sich hervorragend entwickelt und weisen über 100 % Kurszuwachs aus. Doch von schönen Buchwerten kann man sich nichts kaufen. Es ist an der Zeit, einen Optionsschein-Check durchzuführen und Gewinne zu kassieren. Ist die Börsenparty erst einmal vorbei, drückt die Katerstimmung bei Optionsscheinen besonders aufs Depot. 

Jetzt gilt es, bei einigen Aktien-Call-Optionsscheinen die Hochphase zu nutzen und Gewinne einzustreichen und in andere aussichtsreichere Optionen zu investieren. Dass dabei neben der Chance auch immer ein Risiko mitschwingt, zeigen auch einige von uns vorgestellte Scheine. 

Generell ist es so, dass ein Optionsschein  zum Kauf eines Basiswertes, wie z.B. einer Aktie, eines Index oder eines Rohstoffes, zu einem bei der Ausgabe des Scheines festgelegten Preis innerhalb einer gewissen Laufzeit (amerikanisches Ausübungsrecht) oder am Laufzeitende (europäisches Ausübungsrecht) berechtigt. Der Käufer eines Call-Optionsscheins setzt auf höhere Kurse als der Basiswert. Steigt die Notierung des Basiswertes tatsächlich an, kann die Anlage mit einem Call höhere Gewinne erzielen als bei der direkten Anlage in den Basiswert. Grund dafür ist die Hebelwirkung. Im umgekehrten Fall kann es bei einem Rückgang des Basiswertes jedoch auch zu überproportionalen Kursverlusten kommen, vor allem dann, wenn das Laufzeitende naht. Je länger die Laufzeit eines OS, desto höher der Zeitwert und somit der OS-Preis. Schließlich sind die Chancen, dass sich ein Wert positiv entwickelt, bei einer längeren Laufzeit größer. Im Umkehrschluss heißt das, dass sich der Zeitwert reduziert, je kürzer die Restlaufzeit wird. Im schlimmsten Fall ist der Verlust aber auf die Höhe der gezahlten Optionsprämie (Kaufkurs des Optionsscheins) begrenzt, da man den Schein dann nahezu wertlos zu 0,1 Euro-Cent verfallen lassen kann.

Davon ist der Allianz/DZ-Call-OS bei einem Basiswert von 150,00 € mit seinem satten Kursplus von 133 % weit entfernt. Betrachtet man das Verfallsdatum im Dezember 2017 sind hier Gewinnmitnahmen angezeigt. Die beiden anderen Allianz-Calls, emittiert von BNP und Societe Generale, setzen auf einen deutlich höheren Basiswert. Mit Blick auf das Laufzeitende erst im kommenden Jahr bieten sich hier noch spekulative Chancen auf höhere OS-Kurse.

Ähnlich sieht es bei den Amazon-Call-OS von DZ Bank und UBS aus. Der von der UBS emittierte OS hat seinen Verfallstag im Dezember 2017 und bietet ein schönes Plus von 84 % innerhalb von knapp 3 Monaten, das man sich jetzt einstreicht. Hingegen läuft der OS der DZ noch ein gutes Jahr und man bleibt noch weiter am Ball.

Beim Apple/HSBC-Call-OS sagt man mit einem Gewinn von 58 % goodbye und investiert in die Vorwochenfavoriten, die Apple-Optionsscheine von BNP und Vontobel.

Der Boeing-Call-OS von der Citibank flog ein hohes Kursplus von 117 % ein. Auch dieser Schein geht Ende des Jahres in seinen Hangar zurück. Deshalb jetzt Gewinne sichern! Bei dem Boeing/HSBC-C-OS wartet man auf den nächsten Steigflug.

So richtig die Post ging auch bei dem Dt. Post/UniCredit-C-OS mit einem Zuwachs um 117 % innerhalb von 7 Monaten ab. Hier geht man auf Nummer sicher und lässt sich die Gewinne zuschicken.

Auch bei dem Facebook/UBS-C-OS drückt man den „Gefällt mir“-Button und nimmt im Hinblick auf das Verfallsdatum Ende 2017 Gewinne von 83 % mit. Mit dem Facebook/UBS-C-OS, (Laufzeitende März 2018) bleibt man vorläufig befreundet.

Der BMW-Call-OS von Societe Generale konnte leider nicht wie gewünscht Fahrt aufnehmen. Wer an eine Aufholjagd von BMW glaubt, der kann lieber auf die BMW-Call-OS von Cobk. (DE000-CD76R52) mit einem Basispreis von 88,00 € (LZ 19.12.2018/BV 0,1) umsteigen, der akt. bei 0,88 € notiert und ein Delta von 0,50 sowie eine Implizite Vola von 25,4 % ausweist. Agio: 11,3 %. Agio pa: 6,9 %. Hebel: 9,89. Effektiver Hebel 4,99. Eine andere Option ist der BMW-Call von der UBS (CH0320856955) mit Bezugskurs 90,00 € (LZ 10.12.2018/BV: 0,10), dieser notiert bei 0,77 € und weist ein Delta von 0,50 bei einer impliziten Vola von 24,8 % aus. Aufgeld: 12,3 %. Agio pa: 7,7 % bei einem Hebel von 11,30 u. effektiver Hebel 5,59 %. 

Auch der Daimler/HSBC-Call-OS erscheint antriebslos. Die Call-Optionsscheinen von Societe Generale (DE000SG32NF9)und Unicredit (DE000HU9QSK4) dürften deutlich mehr Fahrt aufnehmen. Dem SocGen-Call liegt ein Bezugkurs von 70 € (akt. Kurs 69,06, BV: 0,1) zugrunde. Delta: 0,49, implizite Vola: 24,6, Agio 10,6, Agio pa: 6,6 %, Hebel 10,79, effektiver Hebel: 5,30. Der Unicredit-C-OS ist mit einem Bezugskurs von 73,00 € (BV: 0,1) ausgestattet. Delta: 0,40, implizite Vola: 24,5, Aufgeld 13,4, Agio pa: 8,2 %, Hebel 13,03, effektiver Hebel: 5,27. 

Selbst wenn die Aktienmärkte noch bis in den Sommer richtig Gas geben und der DAX über die 13.000-Punkte-Hürde springt, sollte man kurz vor dem Gipfel nicht auf die letzten Prozentpunkte wetten. Lieber jetzt Gewinne mitnehmen und in neue, attraktivere Optionsscheine investieren. 

Stand: 16.05.2017

Redaktionelles

Blick in den „Rueck-Spiegel“

Gemeinsam mit über 200 Aktionären und Gästen blickte Einzelvorstand Marlis Weidtmann am vergangenen Freitag auf der Hauptversammlung der Effecten-Spiegel AG in der Düsseldorfer Stadthalle in den „Rueck-Spiegel“ für das Geschäftsjahr 2016.

Wie der Vorstand ausführte, hat sich die Effecten-Spiegel AG angesichts der Marktsituation und der Risiken 2016 geradezu exzellent geschlagen und wie gewohnt geliefert. Die Gesellschaft schloss das Geschäftsjahr 2016 erneut mit einem erfreulichen Ergebnis über Vorjahresniveau ab. Der Jahresüberschuss lag per Ultimo bei 3,24 Mio. € zu 3,15 Mio. € im Vorjahr, der Bilanzgewinn mit 3,81 Mio. € sogar um 12,6 % über Vorjahresniveau. Das Verlagsgeschäft konnte sich mit Umsatzerlösen von 2,87 Mio. € in etwa auf dem Niveau des Vorjahres stabilisieren und lieferte nach Abzug aller Kosten unterm Strich ebenfalls einen zum Vorjahr verbesserten positiven Ergebnisbeitrag. Im „Rueck-Spiegel“ zeigt sich die Effecten-Spiegel AG als hoch kapitalisierte Gesellschaft, deren strategisches Ziel darin besteht, jedes Jahr eine stabile bzw. steigende Dividende zu erwirtschaften – bei gleichzeitiger Absicherung des Vermögensbestandes. Diese strategische Anlagepolitik wurde von den Aktionären bei der Beschlussfassung über die Ergebnisverwendung zur Ausschüttung von 0,80 € je Stamm- und Vorzugsaktie für das Geschäftsjahr 2016 mit 100 % Zustimmung unterstrichen. Vorstand und Aufsichtsrat wurden für ihre Arbeit, die „für Kontinuität, Seriösität und Berechenbarkeit steht“, mit jeweils 99,41 % entlastet. Diese Einschätzung wird auch durch die Ankündigung der Verwaltung bestätigt, das Aktienrückkaufprogramm im lfd. Jahr wieder aufzunehmen.

Thema der Woche