Dass der DAX fest in den Händen ausländischer Investoren ist, weiß man schon lange. Inzwischen ist ihr Anteil im DAX sogar auf 55 % gestiegen. Eine aktuelle Studie bringt nun jedoch Überraschendes zutage: Auch der German Mittelstand gehört längst ausländischen Anlegern. Sie sind sowohl in MDAX, SDAX als auch TecDAX die Mehrheitsaktionäre. Ausländische Investoren lieben Made in Germany. 

Bisher galt: Je größer ein Unternehmen, desto internationaler seine Aktionärsstruktur. Gemessen am Anteil der gehaltenen Aktien ist der DAX zu rund 55 % in ausländischem Besitz, so das Ergebnis einer Studie der -Unternehmensberatung Ernst & Young (EY). Bei der Deutschen Börse oder Linde liegt der Ausländeranteil sogar bei 85 % bzw. 84 %. Zunehmend geraten aber auch Unternehmen der zweiten und dritten Reihe in das Visier inter-nationaler Investoren. Dabei treten vermehrt Käufer in Erscheinung, die bei den DAX-Konzernen zu spät dran sind und nun nach Alternativen suchen. So hat z.B. der chinesische- Hausgerätehersteller Midea jüngst den deutschen Robotik-spezialisten Kuka übernommen. 

Wem also gehört der börsennotierte Mittelstand? Dieser Frage geht die soeben vorgelegte Studie der cometis AG auf den Grund. Der „deutsche börsennotierte Mittelstand“ wird dabei durch alle Unternehmen re-präsentiert, die in den drei deutschen In-dizes MDAX, SDAX und TecDAX vertreten sind. Stichtag für die Auswertung der Daten war der 30.09.2016. Allerdings wurden nur aktive Investoren berücksichtigt. Klassische Passivanleger, wie z.B. BlackRock, die über ETF, Zertifikate oder andere Instrumente -investieren, sind somit nicht erfasst, ob-
wohl deren Passivanteile beträchtlich sind.

Zum Stichtag im Jahr 2016 hielten demnach aktive Investoren aus Deutschland gerade mal 19 % des institutionell gehaltenen Streubesitzes aller MDAX-Unternehmen (vgl. Abb.). Das heißt im Umkehrschluss: 81 % aller Aktien deutscher MDAX-Firmen sind in ausländischer Hand. Das ist deutlich mehr als im DAX. Die nordamerikanischen Investoren sind mit 31 % am German Mittelstand beteiligt, die britischen und irischen Investoren mit 22 %. In den anderen beiden Indizes sieht es nicht viel anders aus. 72 % der Small-Caps des SDAX sind im ausländischen Besitz, bei den Unternehmen des TecDAX sind es 71 % (vgl. Abb.)

Größter Einzelinvestor über alle drei mittelständischen deutschen Indizes hinweg ist die Norges Bank. Über sie ist der norwegische Staat mit ca. 5,4 Mrd. Euro im deutschen Mittelstand investiert. Der größte Anteil entfällt dabei mit ca. 3,9 Mrd. Euro auf den MDAX. Das kleine Norwegen ist auch die Nummer Eins im SDAX. Im TecDAX wird es allerdings von der Deutschen Asset Management (DWS) und den Allianz Global Investors von der Spitze verdrängt.

Die DWS gehörte zwischen dem 30.09.2015 und dem 30.09.2016 in allen drei Indizes zu den Top 10-Käufern und stieg damit zum zweitgrößten Investor über alle Indizes auf. Asiatische Investoren kauften sich überwiegend im TecDAX ein. Innerhalb eines Jahres haben sie so im deutschen Technologiesektor ihre Investitionen nahezu verdoppelt. Insgesamt liegt ihr Anteil im TecDAX damit aber gerade erst bei 1 %. Zunehmend treten die Chinesen als Käufer in Erscheinung (vgl. Randnotizen ES 49/16). Sie haben sich alleine im vergangenen Jahr an 309 deutschen Unternehmen vornehmlich aus dem Mittelstand beteiligt oder diese übernommen. Das waren mehr als in den vorangegangenen vier Jahren zusammen. 

Die großen internationalen Index-Fonds dagegen zogen etwa 1,7 Mrd. Euro über alle drei Indizes hinweg ab. Dafür aber gewinnen die wertorientierten Fonds als Investoren zunehmend an Bedeutung. Im MDAX sind
33 % der Aktionäre Value-Anleger und 31 % wachstumsorientierte Investoren. 

Hedge Fonds dagegen stehen mehr auf SDAX und TecDAX. Ihr investiertes Vermögen erhöhte sich zwischen den letzten beiden Stichtagen um 48 % bzw. 53 %. Dadurch stieg die Marktkapitalisierung der Technologieunternehmen im SDAX um 338 %. Erneuerbare Energien waren in der Betrachtungsperiode übrigens am unbeliebtesten, und zwar über alle drei Indizes hinweg. Ihre Marktkapitalisierung sank um 54 %. 

Das Interesse der ausländischen Investoren am deutschen Know-how ist ungebrochen. Das betrifft sowohl Unternehmen, die wie Grammer als Innenausstatter für Autos und Lkw (liefert z.B. Sitze und Armlehnen) in Nischen sehr erfolgreich sind, als auch jene, die wie Infineon führend im Technologiesektor sind. Die Anleger aus dem Ausland streichen mit ihren Engagements zudem fette Gewinne ein. Die Deutsche Börse rechnet damit, dass im lfd. Jahr alleine 35 Mrd. Euro an Dividenden von den DAX-Unternehmen ausgeschüttet werden. Dazu kommen ca. 8,5 Mrd. Euro an Ausschüttungen von den MDAX-Firmen, 1,3 Mrd. Euro aus dem SDAX und 1,8 Mrd. Euro aus dem TecDAX. Zwischen 30 und 35 Mrd. Euro an Dividende werden damit schätzungsweise ins Ausland überwiesen. Geld, das deutsche Aktionäre kassieren könnten.

Kleinanleger sollten dem Gespür ausländischer Investoren folgen, denn gerade im deutschen Mittelstand finden sich wahre Unternehmensperlen. In MDAX, SDAX und TecDAX lassen sich mit einem überschaubaren Kapitaleinsatz noch hohe Renditen erzielen.