Am 16. Februar präsentierten Statista, Le Temps und die Handelszeitung erstmals die wachstumsstärksten Unternehmen in der Schweiz. Ein Blick auf diese Liste kann auch für deutsche Anleger interessant sein. Der Effecten-Spiegel hat für seine Leser die Sieger unter die Lupe genommen und analysiert, wo sich ein Einstieg lohnt.

Es ist ein Wettbewerb der besonderen Art –ein Wettstreit zwischen den Unternehmen der Schweiz, um herauszufinden, wer die Besten und die Umsatzstärksten von ihnen sind. Alle eigenständigen Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz konnten sich bis November 2016 bewerben. Es mussten testierte Umsatz- und Unternehmenszahlen eingereicht werden, und das Umsatzwachstum musste organisch sein.

Nun stehen sie fest, die 55 Unternehmen mit dem größten Umsatzwachstum zwischen 2012 und 2015 (s. Abb. S. 3). Darunter finden sich so bekannte Namen wie der Medizintechniker Ypsomed (WKN: A0B8VP, akt. Kurs: 193 sfr) auf Rang 47 oder Lindt & Sprüngli (WKN: 870503, akt. Kurs: 5.605 sfr) nur einen Platz dahinter. Der Schokoladenproduzent nimmt für 2015 mit dem höchsten Jahresumsatz von 3,65 Mrd. sfr sogar den Spitzenplatz ein, seine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate seit 2012 liegt bei 11 %. Mit beiden Titeln konnten Anleger in den letzten Jahren viel Geld verdienen. Inzwischen sind sie trotz ihrer Geschäftsstärke aber maßlos überteuert. 

Die meisten Firmen der aktuellen Champions-Liste sind jedoch hierzulande eher unbekannt. Das trifft auch auf die absolute Nummer 1 zu. Der Softwareanbieter Sherpany legte beeindruckende 203,7 % durchschnittliches Wachstum pro Jahr hin. Zwar gehören die börsennotierten Valiant, Julius Bär oder auch Oerlikon zu den Kunden, Sherpany selbst ist aber (noch) nicht an der Börse notiert. Leider trifft das auf die meisten der 55 Preisträger zu, vor allem auf jene, die ganz vorne mit dabei sind – so auch auf den Zweitplatzierten, den Informatik- und Telekomanbieter Xovis. 

Das Ergebnis des Wettbewerbs macht deutlich, dass es gerade auch in der Schweiz viel Potenzial an jungen, wachstumsstarken Firmen gibt, die im Zeitalter der Digitalisierung mit neuen Geschäftsmodellen punkten. So liest sich die Liste der Champions wie das Silicon Valley der Schweiz. Mit 24 Unternehmen kommt fast die Hälfte der Gewinner aus dem IT- und Softwarebereich. In den Top 10 stammen vier aus diesem Umfeld. 

Zu ihnen gehört auch die Crealogix Holding (WKN: 552904, akt. Kurs: 106 sfr). Die Gruppe gehört weltweit zu den Top 100 der Fintech-Unternehmen. Mit einem Umsatzanstieg von 28,4 % auf 63,3 Mio. sfr in 2015 belegte Crealogix Platz 51 der wachstumsstärksten Schweizer Unternehmen. Das Softwarehaus deckt den gesamten digitalen Zahlungsverkehr für Privat- und Geschäftskunden sowie für Vereine ab. Die Gesellschaft unterstützt mit ihren Software-lösungen Banken auf der ganzen Welt. Im Heimatland fungiert sie inzwischen sogar als digitale Schnittstelle zwischen allen Schweizer Banken und deren Kunden. Entsprechend solide präsentiert sich auch die Bilanz von Crea-logix. 

Auch die Pharmabranche gilt seit Jahren als innovativer und wachstumsstarker Sektor. In der Schweiz konnte sich GeNeuro Rang 4 der Champions sichern, obwohl der Wert seit seinem Börsendebüt im April 2016 an der Euronext in Paris eher enttäuschte (WKN: A2AHDP, akt. Kurs: 9,24 Euro). Das Unternehmen entwickelt neue Therapien zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen, darunter Multiple Sklerose (MS). Wichtigster Wirkstoffkandidat ist der monoklonale Antikörper GnbAC1, der sich derzeit in der klinischen Phase IIb befindet. Das verschlingt viel Geld und belastet die Bilanz der Schweizer. Gelingt jedoch der Durchbruch, hätten sie eine Alleinstellung auf einem riesigen Markt mit hohen Gewinnmargen. Denn im Gegensatz zu den bisher gängigen Behandlungsmethoden, bei der quasi die Immun-antwort an den Körper angepasst wird, versucht GeNeuro, die Bestandteile der Krankheit zu blockieren. Zu diesem Zweck bindet GnbAC1 z.B. das überschüssige Protein, welches bei MS vermehrt gebildet wird. Derzeit plant die kleine Biotechfirma zusätzliche Tests, um das Potenzial seines Wirkstoffs bei anderen Autoimmunkrankheiten (wie z.B. Diabetes Typ I) zu prüfen. 

Ein interessantes Geschäftsmodell hat die seit 2005 börsennotierte Dottikon ES Holding AG (WKN: A0D9DF, akt. Kurs: 589 sfr) zu einem der wachstumsstärksten Schweizer Unternehmen gemacht (Rang 43). 1913 als Sprengstofffabrik gegründet, ereignete sich im Werk 1969 eines der größten Explosionsunglücke des Landes. 18 Menschen starben, die Gemeinde Dottikon -wurde völlig verwüstet. Aus der Ursachen-forschung für die Katastrophe entwickelte sich ein neues Geschäftsmodell. Heute ist Dottikon ES ein international tätiges Unternehmen, das sich auf chemische sicherheitskritische Reaktionen spezialisiert hat. Es stellt Veredelungschemikalien, kundenspezifische Wirkstoffe und Zwischenprodukte für die pharmazeutische und die chemische Industrie her. Im Geschäftsjahr 2015/16 legte das Unternehmen beim Gewinn kräftig zu. Eine Großinvestition von 100 Mio. sfr in den eigenen Produktionsstandort soll das Wachstum weiter vorantreiben. Einziger Wermutstropfen: Eine Dividende gehört bisher nicht zur Unternehmensphilosophie.

Ein echter Champion auch für seine Aktionäre ist die auf Rang 45 platzierte Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG (WKN: A1W1VQ, akt. Kurs: 327 sfr). Das Geschäftsjahr 2014/2015 beendete der Bergbahn- und Tourismuskonzern zum wiederholten Male mit einem Rekordergebnis und erhöhte die Dividende um 33 % auf 8 sfr. Allerdings ist die Aktie auch nicht mehr ganz preiswert.

Von 55 Schweizer Champions 2017 sind gerade einmal sechs an der Börse notiert. Sie alle haben interessante Geschäftsmodelle und weiteres Wachs-tums-potenzial. Dennoch müssen Anleger genau abwägen, welcher Titel zu ihrer Anlagestrategie passt.