Sommerzeit = Ferienzeit. Viele zieht es in diesen Wochen in den Süden. Am Aktienmarkt können Anleger ihren Blick ebenfalls einmal gen Süden schweifen lassen – Top-Destination Spanien. 

Vergangene Woche gab die Brüsseler Statistikbehörde Eurostat darüber Auskunft, wie es um den Gesundungsprozess in der Eurozone bestellt ist. Und dieser schreitet stetig voran. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhöhte sich in der 19 Staaten umfassenden Eurozone im 2. Quartal um 0,6 %. Im 1. Quartal hatte das Wachstum bei 0,5 % gelegen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Frankreich steuerte ein Plus von 0,5 % bei. Für Deutschland gehen Volkswirte von einem 0,6%igen Wachstum aus, womit man sich hierzulande den Iberern deutlich geschlagen geben muss. Die Nummer 4 im Euroraum drückte mit einem Zuwachs um 0,9 (Q1: 0,8) % nämlich mächtig auf die Tube. Spanien bleibt somit eines der am schnellsten wachsenden Länder im Euroraum. Als Motor fungieren vor allem die steigende Verbraucher-Kauflaune sowie ausgezeichnete Export-Geschäfte. Die Arbeitslosenquote kommt ebenfalls weiter aus dem Tief und erreichte im 2. Quartal 17,2 (Q1: 18,75) %. Damit rangiert sie im Euro-Vergleich hinter Griechenland zwar immer noch an zweithöchster Stelle. Gleichzeitig bedeuten weniger als vier Millionen Erwerbslose den tiefsten Stand in Spanien seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008. Die spanische Regierung geht davon aus, dass die Quote bis zum Jahr 2020 auf 11,1 % sinken wird. Beim BIP traut man sich in diesem Jahr übrigens jetzt ein Plus von 3 % nach bislang anvisierten 2,7 % zu. Im kommenden Jahr dürfte die spanische Wirtschaft dann um 2,6 (vorherige Prognose: 2,5) % wachsen. Wie Wirtschaftsminister Luis de Guindos in diesem Zusammenhang jedoch betont, sind diese Prognosen noch sehr konservativ. „Ich bin überzeugt, dass wir diese Zahlen übertreffen können und unsere Schätzungen nach oben revidieren können“, zeigt er sich optimistisch.

Die Aufwärtsentwicklung in Spanien spiegelt sich auch an der Bolsa Madrid wider. Der spanische Leitindex Ibex 35 verzeichnete im bisherigen Jahresverlauf ein stolzes Plus von 14 %, beim DAX fiel die Ausbeute mit einem Plus von 7 % deutlich magerer aus. 

Eines der Aushängeschilder im Ibex 35 ist die Aktie der weltweit größten Bekleidungskette Inditex. Deren Geschäfte laufen nach wie vor blendend. Im 1. Quartal konnte das Nettoergebnis um 18 % auf 654 Mio. € verbessert werden. Damit lief die Ergebnisentwicklung überproportional zum Umsatz, der um 14 % auf 5,6 Mrd. € expandierte. Inditex lässt den Großteil seiner Kollektionen in Europa fertigen. Dadurch ist man wesentlich flexibler als z.B. Konkurrent H&M, um auf neue Trends oder Wettergegebenheiten reagieren zu können. Inditex forciert nicht nur den Ausbau des Online-Geschäftes (vor allem in Südostasien), auch das Filialnetz wird immer weiter vergrößert. Dabei setzen die Spanier vor allem auf größere Geschäfte in bevorzugten Lagen, u.a. in Madrid, Moskau, Paris oder Zürich. Bis zu 500 neue Läden sollen in diesem Jahr eröffnet werden. Inditex ist in erster Linie für seine Marke Zara bekannt. Daneben gehören auch die exklusivere Modemarke Massimo Dutti sowie Pull & Bear, die vor allem das jüngere Genre anspricht, zum Sortiment. Da Inditex auf dem akt. Niveau kein Schnäppchen mehr ist, sollte man Kusrücksetzer zum Einstieg abwarten. 

Den beiden spanischen Großbanken BBVA und Santander geht es wieder deutlich besser. Beide profitierten im 1. Halbjahr neben der wirtschaftlichen Erholung im eigenen Land von florierenden Geschäften in Latein- und Südamerika. Santander verbuchte beim Gewinn auf der Habenseite 3,6 Mrd. € und damit fast ein Viertel mehr als vor Jahresfrist. Anfang Juni hatte das Institut für einen symbolischen Preis von 1 € die strauchelnde Banco Popular Español übernommen und sich dann im vergangenen Monat rd. 7 Mrd. € durch die Ausgabe neuer Aktien beschafft. Damit kommt die Kernkapitalquote des Instituts auf 10,72 %. Bis 2018 soll sie auf über 11 % steigen. Bei der BBVA ging es beim Überschuss im H1 um rd. 26 % auf 2,31 Mrd. € nach oben. Allein fast 1,1 Mrd. € steuerte Mexiko hierzu bei. Operativ verdiente das Institut 6,41 Mrd. €, was einem Anstieg um 8,6 % entspricht. BBVA und Santander zählen gemessen am Börsenwert zu den wertvollsten Banken innerhalb der Eurozone. Anleger sollten jedoch mit Einbuchungen zunächst noch abwarten.

Erst ganz frisch an der Börse Madrid ist die Aktie des fusionierten Windturbinenherstellers Siemens Gamesa. Der Zusammenschluss zur weltweiten Branchen-Nummer 1, an der Siemens einen 59%igen Anteil besitzt, war Anfang April wirksam geworden. Jetzt legte der neu geformte Konzern erstmals Quartalszahlen vor. Demnach sank der Umsatz im 3. Quartal auf Pro-Forma-Basis um 7 % auf 2,69 Mrd. €. Das bereinigte Ebit entwickelte sich um 21 % auf 211 Mio. € rückläufig. Nach Abzug von Steuern blieben bereinigt noch 135 Mio. € hängen. Analysten hatten sich ein besseres Abschneiden versprochen. Verantwortlich für die Abwärtsentwicklung war vor allem der Einbruch auf dem indischen Markt. Dort wird die Auftragsvergabe aktuell umgestellt und ein Auktionssystem eingeführt. Unterdessen will Siemens Gamesa die aus dem Zusammengehen anvisierten Synergieeffekte schneller realisieren als zunächst angedacht. Die in Aussicht gestellten 230 Mio. € p.a. will man bereits im dritten Jahr und nicht wie bislang geplant im vierten Jahr nach der Fusion heben. Zudem seien diese 230 Mio. € das „Minimalziel“. Auf der am 15. November stattfindenden Investorenkonferenz will Siemens Gamesa weitere Einzelheiten erläutern. Diese sollten Anleger auf jeden Fall abwarten, bevor sie sich in ein Investment stürzen. Ohnehin ist die Aktie nur etwas für spekulationserprobte Anleger.

Auf der deutschen Lieblingsinsel Mallorca ist die Hotelgruppe Meliá Hotel beheimatet. Von dort aus steuert man seine Geschäfte in aller Welt: Mehr als 370 Hotels mit über 97.000 Zimmern in über 40 Ländern zählen zum Bettenimperium der Spanier. Als einzige spanische Hotelgruppe bietet das familiengeführte Unternehmen Kost und Logis in China, den Arabischen Emiraten und den USA an. Meliá setzt vor allem auf die Expansion im Superior- und Luxussegment. Im 1. Halbjahr konnte ein Nettogewinn von 60,4 Mio. € eingebucht werden und damit 34 % mehr als im Vorjahr mit 45,2 Mio. €. Das Ebitda (ohne Kapitalerträge aus Immobilienverkäufen) legte um 9,2 % auf 147,2 Mio. € zu. Die Umsätze expandierten um 7 % auf 914,5 Mio. €. Der sog. RevPar (Erlös pro Zimmer) kam dank durchgesetzter Preisanhebungen um 7,7 % voran. Bei der im vergangenen Jahr in den Ibex 35-Index zurückgekehrten Meliá-Aktie können spekulative Anleger einchecken.

Eine Verbindung wert ist ebenfalls Index-Schwergewicht Telefónica. U.a. dank niedrigerer Zinsen und geringerer Steuern konnte der Telekomkonzern seinen Nettogewinn im 2. Quartal um 18 % auf 821 Mio. € anheben. Auf der Erlösseite kam man um rd. 2 % auf rd. 13 Mrd. € voran. Wechselkurseffekte und Zu- bzw. Verkäufe ausgeklammert erreichte das Plus 3,1 %. Insbesondere das Lateinamerika-Geschäft trug zum Wachstum bei. Selbst in Brasilien lief es ungeachtet der dortigen politischen Krise gut für die Spanier. Wie viele andere internationale Telekomunternehmen lockt auch Telefónica mit einer attraktiven Dividendenrendite, bei den Spaniern sind es über 4 % (vgl. S.20). Allerdings ist die Gesellschaft hochverschuldet.

Spekulative Anleger, die mit nur einem Investment gleich mehrere spanische Aktien abfangen möchten, sollten sich einmal den db-xtrackers Spanish Equity UCITS ETF (ISIN: LU0994505336/WKN: DBX0K8) näher anschauen. Dieser ETF investiert in spanische Aktien, die im Ibex 35 enthalten sind, darunter Banco Santander, BBVA, Iberdrola, Telefónica, Inditex, Amadeus und Repsol. Es handelt sich um einen ausschüttenden ETF, der auf Xetra gehandelt wird (akt. Kurs: 23,90 €, weitere Informationen unter: https://etf.deutscheam.com/de-DE/audience-selection/).

Auf spanische Staatsanleihen setzt der IShares Spain Govt Bond UCITS ETF von BlackRock (ISIN: IE00B428Z604/WKN: A1JXZK), der auf Xetra akt. bei 161,92 € notiert und ebenfalls ausschüttet (weitere Informationen unter: https://www.blackrock.com/de/privatanleger/).

Neben Sommer, Sonne, Sand und Meer können es sich Anleger auch mit ausgewählten spanischen Aktien bzw. ETFs gutgehen lassen.