Eigentlich sah es ganz gut aus: Mit Rekordständen der großen Index-Barometer im Rücken hätten sich die weltweiten Aktienmärkte in die wohlverdiente Sommerpause verabschieden und es etwas ruhiger angehen können. Doch erstens kommt es anders...

Konnten Dow Jones, S&P 500 & Co. Anfang des Monats noch neue Rekorde einfahren, hing der Haussegen an den weltweiten Aktienmärkten danach etwas schief. Verursacht wurde die schlechte Stimmung durch den überraschenden Abbruch der Beziehungen mehrerer Golfstaaten zu Katar. Diese Entscheidung traf die weltweiten Börsen auf dem völlig falschen Fuß. Anleger stellten vorsichtshalber Gewinne sicher. Letzte Woche folgte dann der mit großer Anspannung erwartete „Super-Donnerstag“: EZB-Sitzung, Großbritannien-Wahl und die Aussage von Ex-FBI-Chef Comey im US-Kongress. Während die Entscheidung der EZB, die Zinsen unverändert bei 0 % zu lassen und ihre Anleihekäufe noch bis mindestens Ende dieses Jahres fortzusetzen, allgemein erwartet worden war und daher kein negatives Überraschungspotenzial bot, hatte die Comey-Anhörung schon mehr Explosionsgefahr. Doch die Anleger gingen einfach darüber hinweg. Auch die Wahlschlappe von Premierministerin Theresa May ließ die Märkte kalt. 

Nachdem nahezu die Hälfte des 2017er Börsenjahres hinter uns liegt, werfen wir einen ersten Blick zurück auf die Entwicklung unserer diesjährigen ausländischen Aktienfavoriten. 

Die rote Laterne geht ganz klar an die in New York gehandelte Aktie der kanadischen Lululemon Athletica. Zum Zeitpunkt unserer Empfehlung Anfang des Jahres lief es glänzend für den auf hochpreisige Fitness- und Yoga-Bekleidung spezialisierten Modehersteller: Nach einem starken Weihnachtsgeschäft wurde die Q4-Prognosespanne sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis je Aktie nach oben eingeengt. Letztendlich schaffte es Lululemon mit 0,99 $ zwar, das untere Ende der bis 1,01 $ reichenden Gewinnspanne zu erreichen. Analysten hatten sich dennoch etwas mehr erhofft. Was aber viel schwerer ins Gewicht fiel, war die für das 1. Quartal in Aussicht gestellte Geschäftsabschwächung. Enttäuschte Anleger verabschiedeten sich in Scharen von dem Papier, was Ende März einen regelrechten Ausverkauf der Lululemon-Aktie auslöste und ihr den größten Tagesverlust seit über acht Jahren einbrockte. Ende Mai endete die Talfahrt dann mit einem 52-Wochentief von rd. 47 $. Am 1. Juni legte Lululemon das Zahlenwerk für das Auftaktquartal vor und konnte damit wieder positiv überraschen. Geprägt war das Ergebnis im Berichtszeitraum von Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit der Neuausrichtung der Teenager-Marke Ivivva. Diese soll nun ins E-Commerce-Geschäft verlagert werden. Daher werden u.a. rd. 40 der 55 Ladenlokale geschlossen. Die ao Belastungen aus diesen Maßnahmen bezifferte Lululemon auf 50 bis 60 Mio. $, von denen rd. 18 Mio. $ bereits im Q1 verbucht wurden. 

Die jüngsten Entwicklungen um Katar waren nicht gerade zuträglich für die Ölpreisentwicklung. Dies schlug entsprechend auf die Kurse der Ölkonzerne Royal Dutch Shell und Eni durch. Royal Dutch teilte bereits mit, man erlebe keine operativen Störungen in Katar infolge der aktuellen Situation. Sowohl die Aktie von Royal Dutch als auch das Papier von Eni winkt mit hohen Dividendenrenditen, bei Royal Dutch sind es rd. 7 %, bei Eni annähernd 6 %. 

Dank seines Raffinerie- und Tankstellengeschäftes kann Royal Dutch Shell auch niedrigere Ölpreise gut abfedern und nach höheren Gewinnen bohren. Damit sollte auch die Dividende weiter sprudeln. In Rotterdam läuft übrigens derzeit ein Pilotprogramm in Sachen Tankservice. Der Kunde muss nicht mehr zur Tankstelle fahren, vielmehr wird der Treibstoff via Elektroauto gebracht und das entsprechende Fahrzeug betankt. Abgewickelt wird das Ganze über eine eigens dafür entwickelte App. Kommt dieser neue Service an, soll er neben den Niederlanden zunächst auch in Belgien und Luxemburg angeboten werden.  

Jacobs Engineering gilt als einer der Profiteure der von US-Präsident Trump ausgerufenen Parole, Amerika wieder groß zu machen. Der Konzern zählt zu den weltweit führenden Anbietern technischer Serviceleistungen, u.a. in den Bereichen Bauwesen, Energie, Chemie und Pharma. Die im Wahlkampf angekündigten Milliardeninvestitionen in die marode Infrastruktur der USA schoben den Kurs der Jacobs-Aktie zunächst noch an. Und obwohl sich das Unternehmen inzwischen erste Aufträge sichern konnte, etwa von der US-Army über 130 Mio. $, läuft der Kurs nach unten. Auch das mit dem saudischen Öl-Konzern Aramco vereinbarte Joint Venture verhallte nahezu ungehört. Die Zahlen zum 2. Geschäftsquartal gaben ebenfalls keinen Anlass zur Beanstandung: Der um Restrukturierungskosten bereinigte Nettogewinn konnte trotz eines auf 2,3 (2,78) Mrd. $ abgeschwächten Umsatzes auf 95 (91) Mio. $ verbessert werden. Außerdem wurden Aktien im Volumen von 51 Mio. $ zurückgekauft, 18 Mio. $ flossen in die Dividendenausschüttung. Die Gesamtjahresprognose lautet auf einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 3,00 und 3,30 (Vj.: 3,08) $. 

(Sport-)Bekleidungsaktien sind in den USA derzeit nicht gerade en vogue. Diesem Trend musste sich auch die Modekette Gap unterwerfen. Dabei läuft es bei dem Bekleidungskonzern im Gegensatz zu machem Konkurrenten auf der Ertragsseite rund: Im Auftaktquartal des lfd. Geschäftsjahres 2017/18 konnte der Umsatz ungeachtet negativer Wechselkurseffekte mit 3,44 Mrd. $ auf dem Niveau des Vorjahres gehalten werden. Der Nettogewinn kletterte dank des eingeschlagenen Sparkurses um 12,6 % auf 143 Mio. $. Einige Analysten fanden trotzdem ein Haar in der Suppe und bemängelten die hohe Abhängigkeit des Konzerns von seiner umsatzstärksten Marke Old Navy, die im Q1 ein 5%iges Erlösplus auf 1,43 Mrd. $ beisteuerte. Im Gesamtjahr will Gap seinen Gewinn je Aktie auf 1,95 bis 2,05 (Vj.: 1,69) $ verbessern.