Deutsche Bank HV

Auch die vom Aufsichtsratschef Achleitner noch am Vorabend der Hauptversammlung auf den Weg gebrachten Personalrochaden und geänderten Zuständigkeiten im Vorstand der Deutschen Bank haben die Aktionäre nicht besänftigen können. In der mehrstündigen Generaldebatte haben viele Anteilseigner die Gelegenheit ergriffen, hart mit dem Führungsduo Jain/Fitschen abzurechnen.

Hierbei haben sich die Aktionäre vor allem auf Co-CEO Anshu Jain, der das in der Wahrnehmung umstrittene Investmentbanking vertritt, eingeschossen. Diese Sparte hatte der Bank zwar in der Vergangenheit fette Gewinne beschert, zuletzt aber vor allem für viele Skandale, rechtliche Auseinandersetzungen und Strafzahlungen in Milliardenhöhe gesorgt. Sicherlich kann man Jain nicht für alle Fehlentwicklungen der Ära-Ackermann mit verantwortlich machen, wer allerdings im Sommer 20 Jahre bei der Deutschen Bank in führenden Positionen tätig ist, kann seine Hände aber auch nicht "in Unschuld waschen".

Sehr pointiert brachten es die Aktionärsschützer auf den Punkt, die gemünzt auf Fitschen und AR-Chef Achleitner feststellten: "Wenn man den Bock zum Gärtner macht, darf man sich nicht wundern, wenn er einem den Garten kahl frisst und es die anderen Schafe in der Bank gleich tun". Oder aber "die Aktionäre haben Zweifel an Ihrer Eignung!" Vorstände müssten sich schützend vor die Interessen der Gesellschaft stellen - und "nicht vor die Entgeltinteressen ihrer Buddies".

Leider hat der von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz gestellte Antrag auf Einsetzung eines unabhängigen Sonderprüfers zur Durchleuchtung aller Rechtsstreitigkeiten der Bank nicht die nötige Mehrheit erhalten. Nun wollen es die Aktionärsschützer auf dem gerichtlichen Weg versuchen. Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der rechtlichen Auseinandersetzungen verglichen mit dem Vorjahr weiter zweistellig auf inzwischen über 6.000 Verfahren zugenommen hat, erscheint dies auch dringend geboten. Der frühere deutsche Branchenprimus vermittelt zunehmend den Eindruck, nicht nur eine "Skandalbank aus Leidenschaft" zu sein, wie der ES unlängst schrieb, sondern sich auch zunehmend in eine Prozessgesellschaft mit angeschlossener Bankfiliale zu verwandeln.

Wenig Verständnis erntete die Verwaltung auch für den aktuellen Stand des Konzernumbaus und die "Strategie 2020". Hieran hat der Vorstand jetzt seit gut einem Jahr gearbeitet. Nach der Vorstellung der Eckpunkte vor einigen Wochen müssen sich aber nunmehr alle weitere drei Monate gedulden, bis die genauen Details (z.B. welche Filialen geschlossen werden sollen usw.) bekannt gegegben werden. Das in Bezug auf die Strategie auch noch erheblicher Erklärungsbedarf besteht, zeigt die Einschätzung von Fondsmanager Ingo Speich von der genossenschaftlichen Union Investment.  Dieser befürchtet,  dass die neue "Strategie 2020" nichts weiter bedeuter als weitere fünf ertragsschwache Jahre.

Nach wie vor agieren die beiden Chefs ungeschickt und schaffen es nicht, den Anteilseignern und der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass der vor drei Jahren angekündigte Kulturwandel auch wirklich mit Leben gefüllt wird. Kaum werden einmal personelle Konsequenzen gezogen, folgen neue Rückschläge, wie der unlängst laut gewordene Verdacht, dass die Bank in Moskau an geldwäscheverdächtigen Transaktionen beteiligt gewesen sein soll.

Mindestens ebenfalls in die Kategorie ungeschickt ist auch einzuordnen, dass Co-Chef Jain seine diesjährige Vorstandsrede erneut in Englisch gehalten hat, im Saal war nur die deutsche Simultanübersetzung zu hören. Noch im vergangenen Jahr gelobte er Besserung in Bezug auf seine deutschen Sprachkenntnisse. Die auch dieses Mal noch in deutscher Sprache gehaltene Begrüßung zeigt aber nur den Ansatz erster Fortschritte. Gerade in einer solch schwierigen Lage für die Bank sollte man jedoch dringend auf die Befindlichkeiten von Anteilseignern, Mitarbeitern und Öffentlichkeit achten. Und wenn man als Unternehmen schon "Deutsche" als Bestandteil im Namen führt, sollten die Führungskräfte auch in dieser Sprache kommunizieren können. Es erscheint undenkbar und auch ein ganzes Stück respektlos, dass ein Vorstandssprecher von Instituten wie der Bank of America oder der Royal Bank of Scotland auf den dortigen Aktionärsversammlungen seine Rede auf Deutsch halten würde. Offenbar scheint es aber bei der Verbesserung der Sprachkenntnisse von Jain ähnliche Verzögerungen wie beim Kulturwandel zu geben, was nichts Gutes für die nächstjährige Rede erwarten lässt.

Die Zahlen für das abgelaufene Jahr traten angesichts der anderen Punkte in diesem Jahr klar in den Hintergrund. Immerhin ist der Jahresstart 2015, bereinigt um Aufwendungen für Rechtskosten, ordentlich ausgefallen. Wenn die Mühlsteine dieser Lasten einmal beseitigt sind, sollte die Bank auch wieder in der Lage sein, Geld zu verdienen. Im geänderten und viel stärker regulierten Marktumfeld wird man jedoch nicht auch nur ansatzweise zu den Renditen vor der Finanzkrise in 2007 zurückkehren können.

Langjährige Besucher von Hauptversammlungen deutscher Großbanken ziehen das Fazit, dass die Deutsche Bank mit Blick auf das Empörungs- und Unzufriedenheitsniveau der Anteilseigner nicht mehr allzuweit von der noch immer teilweise in Staatsbesitz befindlichen Commerzbank AG entfernt ist. Insoweit haben die Vorstände mit Entlastungsraten von lediglich 61 Prozent auch eine schallende Ohrfeige ihrer Anteilseigner erhalten. In der Vergangenheit lagen die Quoten bei deutlich über 90 und meist auch über 98 Prozent. Der Aufsichtsrat ist mit knapp 90 Prozent vergleichsweise gut weg gekommen, trägt dieser doch auch eine erhebliche Mitverantwortung für die jetzige Lage.

Südzucker enttäuscht

Wenig Erfreuliches hat die Südzucker AG ihren Anteilseignern über das Geschäftsjahr 2014/2015 (28.02.) zu berichten. Schon die Quartalsveröffentlichungen in 2014 und die Ergebnisse der Tochter CropEnergies AG haben darauf hingedeutet, dass insbesondere die Ergebnisentwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr alles andere als überbordend ausgefallen sein dürfte.

Diese Vorahnung bestätigen jetzt auch die heute im Rahmen der Bilanz-PK vorgelegten endgültigen Zahlen. Belastend auf das Geschäft wirkten sich neben den stark gefallenen Preisen für den Quotenzucker auch der starke Rückgang der Bioethanolpreise bei der Tochtergesellschaft CropEnergies AG aus. Diese Rückgänge konnten auch nicht durch den leicht gesteigerten Absatz von Nichtquotenzucker sowie das Spezialitätengeschäft und die Fruchtsaftkonzentrate kompensiert werden.

Die Umsatzerlöse haben sich im Berichtszeitraum auf 6,8 (7,5) Mrd. Euro reduziert. Deutlich stärker ist das operative Ergebnis durch die beschriebenen Effekte unter Druck geraten und hat sich auf 181 nach 622 Mio. Euro mehr als gedrittelt. Unter dem Strich weist Südzucker ein Konzernergebnis von 74 nach zuvor 387 Mio. Euro, dies entspricht 0,10 nach zuvor 1,37 Euro je Aktie. Für enttäuschte Gesichter dürfte auch der auf 0,25 Euro halbierte Dividendenvorschlag sorgen.

Auch für das jetzt laufende Geschäftsjahr 2015/16 rechnet der Vorstand mit anhaltendem Ergebnisdruck aus den weiterhin schwachen Zucker- und Bioethanolpreisen. Daher erwartet das Management einen weiter auf 6,0 bis 6,3 Mrd. Euro rückläufigen Konzernumsatz bei einem deutlichen Rückgang des operativen Konzernergebnisses auf 50 bis 150 Mio. Euro. Vor diesem Hintergrund erscheint uns die Aufrechterhaltung der Mittelfristprognose für das operative Konzernergebnis in Höhe von rund 550 Mio. Euro durchaus mutig.

VTG rollt weiter

Der Waggonvermieter und Schienenlogistiker VTG hat heute die Zahlen für das erste Quartal 2015 vorgelegt. Erstmals sind darin auch die Aktivitäten der zum Jahresbeginn übernommenen schweizerischen AAE enthalten. So verbesserte sich der Konzernumsatz in den ersten drei Monaten um 26,1 Prozent auf 251,7 (199,6) Mio. Euro. Noch stärker kletterte das EBITDA mit plus 90,0 Prozent auf 83,6 nach zuvor 44,0 Mio. Euro. Neben der erstmaligen Einbeziehung von AAE hat sich auch das bisherige VTG-Geschäft gut entwickelt und verbesserte Ergebnisbeiträge geliefert.

Verglichen mit dem Vorjahr konnte die Waggonflotte durch den AAE-Kauf deutlich ausgeweitet werden. Diese legte von zuvor über 50.000 auf nunmehr mehr als 80.000 Wagen zu. Durch die Übernahme ist VTG inzwischen der mit Abstand größte private Waggonvermieter in Europa. Trotz der deutlichen Kapazitätsausweitung konnte der Auslastungsgrad mit 90,9 Prozent sogar leicht über dem vergleichbaren Vorjahreswert von 90,1 Prozent gehalten werden.

Das um Sonderaufwendungen und Sondererträge bereinigte Periodenergebnis liegt mit knapp 7,5 Mio. Euro um 122,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Das bereinigte Ergebnis je Aktie beläuft sich auf 0,16 nach zuvor 0,17 Euro. Grund für das annähernd konstante EpS sind die Effekte der Finanzierung der AAE Übernahme, durch die sich die Aktienzahl um gut 7,4 Mio. Aktien oder rund 34 Prozent erhöht hat.

Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr wurde vom Management anlässlich der Vorlage der Quartalszahlen nochmals bestätigt. So wird mit einem Konzernumsatz zwischen 1,0 und 1,1 Mrd. Euro und einem EBITDA zwischen 325 und 350 Mio. Euro gerechnet. Besonderer Ergebnistreiber soll dabei der durch die AAE Einbeziehung deutlich ausgeweitete Geschäftsbereich Waggonvermietung sein.

Im Nachgang zur Hauptversammlung der VTG am 29. Mai 2015 in Hamburg soll an die Anteilseigner eine Dividende in Höhe von 0,45 Euro ausgeschüttet werden.

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Ausgabe 21 | 20.05.2015

Viele Köche verderben den Brei

– bei Bilfinger reichte einer

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DAX setzt Erholung fort

Warten auf IFO-Geschäftsklimaindex

Der deutsche Leitindex hat zu Beginn des Handelstages seinen Aufwärtskurs zwar beibehalten, die Marktteilnehmer warten aber mit Spannung auf Informationen zum IFO-Geschäftsklimaindex.

Bei der Dt. Bank hat es auf der gestrigen HV kräftig gerumst. Die Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen sind von den Aktionären abgestraft worden. Beide Manager wurden nur mit 61 % entlastet.

Der Bad-Armaturenherteller Joyou hat einen Insolvenzantrag gestellt. Die Aktie rauschte gen Süden.

Beiersdorf-Papiere sind nach einer Hochstufung durch Lang & Schwarz bei den Anlegern gefragt.

Der Luxusgüterkonzern Richemont wird nach dem Gewinneinbruch im abgelaufenen Geschäftsjahr von den Börsianern abgestraft. Obwohl der Umsatz um 4 % auf 10,4 Mrd. € zunahm, schmolz der Gewinn um 35 % auf 1,33 Mrd. € ab. Die Dividende steigt auf 1,60 (1,40) sfr.

Swatch-Aktien geraten in den Sog und geben ebenfalls ab.

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Effecten-Spiegel zahlt 10. Jahr in Folge Dividende

Die Effecten-Spiegel AG schließt das anspruchsvolle und schwankungsbreite Börsenjahr 2014 erneut mit einem positiven Ergebnis ab. Der Jahresüberschuss beträgt 2,402 Mio. €, der Bilanzgewinn kommt auf 2,870 Mio. €. Zum Erstellungsstichtag der Bilanz ergaben sich aus stillen Lasten und Reserven bei den Finanzanlagen kumuliert stille Reserven in Höhe von 7,043 Mio. €. Die Gewinnrücklage beträgt unverändert 7,608 Mio. €. Das Eigenkapital kommt per Saldo auf 70,952 Mio. €. Damit stellt sich die Eigenkapitalquote auf 96,2 %. 

 

Die Effecten-Spiegel AG konnte mit ihrer erfolgreichen Geschäftspolitik allen finanzpolitischen Krisen der letzten Jahre trotzen und wird zum 10. Mal in Folge eine Dividende an ihre Aktionäre ausschütten. Die Verwaltung schlägt der Hauptversammlung am 27. Mai daher die Zahlung einer Dividende auf Vorjahresniveau in Höhe von 0,75 Euro je Stamm- und Vorzugsaktie vor. Die traditionell hohe Dividendenrendite kommt bei den Stämmen auf 4,42 % und bei den Vorzügen auf 4,60 %.

Der König ist tot, es lebe der König

Was niemand in dem wochenlangen Machtkampf zwischen Piech und Winterkorn zu denken wagte, hatte der ES in der letzten Woche schon ausgesprochen: Die Distanz zu Winterkorn könnte diesmal für König Piech tödlich enden. Es war nicht das erste Mal, dass Patriarch Piech einen seiner früheren Zöglinge durch eine fast beiläufige Bemerkung plötzlich selbst zum Opferaltar führte. Nur dieses Mal war der Aufsichtsrat nicht bereit, dem zu folgen. Als der Aufsichtsratschef dann – wie bisher immer – trotzdem seinen Kopf durchsetzen wollte, distanzierte sich diesmal das Gremium offen von ihm und erklärte, dass das Vertrauen zu Piech zerstört sei. Um nun nicht selbst vom Hof gejagt zu werden, erklärte Ferdinand Piech von sich aus seinen Rücktritt und legte zusammen mit seiner Frau Ursula mit sofortiger Wirkung sämtliche Ämter in dem 12 Marken-Konzern nieder. Die Börse reagierte getreu nach dem Motto: Der König ist tot, es lebe der König. Die VW-Aktie stieg zeitweise um knapp 6 % und feierte damit den Verbleib von Martin Winterkorn an der Spitze von Deutschlands größtem Autokonzern – eine zusätzliche Schmach für den 78-jährigen Firmenpatriarchen und Porsche-Enkel. Doch Piech wäre nicht Piech, wenn er sich jetzt schmollend zurückziehen und seinen milliardenschweren Anteil an der Porsche SE einfach an die Familie weiterreichen würde. Daher könnte sich der Machtpoker nun auf eine andere Ebene verlagern. In jedem Fall aber stellt der offizielle Rückzug von Ferdinand Piech aus dem VW-Imperium eine historische Zäsur dar, die eine von Piech geprägte Ära beendet. Der König ist tot, es lebe der König!

Deutsche Bank macht Tabula rasa...

... und ihre Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen ziehen dabei ein positives Fazit für die vergangenen drei Jahre: „Diese Ergebnisse zeigen auf einen Blick, dass die Deutsche Bank heute deutlich stärker ist als zu Beginn des Weges 2012.“ Dabei verweist das Führungsduo auf den Überschuss für das 1. Quartal 2015 von 559 Mio. €. Der Gewinn hat sich allerdings im Vergleich zum Vorjahr halbiert. Dafür wurden die Vergleichszahlungen im sog. Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze auf starke 2,5 Mrd. € erhöht und die Rückstellungen für weitere drohende Strafen nur für das 1. Quartal um starke 1,5 Mrd. € aufgestockt. Um welche Altlasten es sich dabei genau handelt, gab die Bank nicht bekannt. Aber es gibt ja genug Affären und gerichtliche Auseinandersetzungen, die dafür in Frage kommen (mdl. Verhandlungstermin der Effecten-Spiegel AG ./. Dt. Bank am 29.04.). Ein Musterbeispiel für „Langfristigkeit pur“ ist nach Vorstandsangaben der Kauf der Deutschen Postbank, die – noch nicht ganz übernommen – nun wieder an die Börse gebracht werden soll. Wenn Jain und Fitschen nun ankündigen: „Wir starten in die nächste Phase unserer Strategie“, dann könnte man dies schon fast als Drohung verstehen. Zumindest sollten Anleger auf der Hut sein.

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