Postbank HV

Es mutet schon einigermaßen fragwürdig an, wenn der Vorstandschef eines Unternehmens auf der Squeeze-Out-Hauptversammlung über ein aktuell laufendes Programm "Fit für die Börse 2.0" berichtet. Genau unter diesem Motto allerdings bereitet sich die Postbank - mit 14 Millionen Kunden einer der größten Finanzdienstleister in Deutschland - aktuell auf die Zukunft ohne die langjährige Konzernmutter Deutsche Bank vor.

Nach der angestrebten Trennung von der Deutschen Bank will die Postbank noch stärker mit digitalen Diensten und Privatkrediten im Markt punkten. Bereits heute liegt der Anteil virtuell getätigter Überweisungen bei 90 Prozent. Dennoch sieht der Vorstandschef hier noch weiteres Ausbaupotential. Neben dem Privatkundenbereich will die in Bonn ansässige Bank auch das Geschäft mit Mittelstandskunden stärker ins Visier nehmen.

Um die Bank "fit zu machen für den angestrebten Börsengang im kommenden Jahr" wie es Postbank-Chef Strauß formulierte, ist aber zunächst einmal der Zwangsrauswurf der noch verbliebenen Streubesitzaktionäre erforderlich. Diese halten noch rund 3,2 Prozent des ausstehenden Kapitals und sollen nun nach dem Willen der Großaktionärin Deutsche Bank zum Kurs von 35,05 Euro aus dem Unternehmen herausgedrängt werden.

Wie üblich bei solchen Squeeze-Out-Hauptversammlungen an der ES für Sie teilgenommen hat, standen die operativen Entwicklungen weniger im Fokus. „Die Postbank-Aktionäre werden nochmals ausgequetscht“, brachte es Dr. Oliver Krauss, der die Effecten-Spiegel AG in der Generaldebatte vertreten hat auf den Punkt und erntete dafür deutlichen Beifall. Bekanntermaßen klagt der ES bis heute gegen den Preis, den die Deutsche Bank im Zuge ihres Postbank-Einstiegs an die damalige Großaktionärin Deutsche Post AG gezahlt hat. Ein Übernahmeangebot zu gleichlautenden Konditionen an die übrigen Anteilseigner war seinerzeit jedoch unterblieben.  

Breiten Raum in der Debatte nahmen erwartungsgemäß Bewertungsthemen und Fragen zu den Planungsrechnungen ein. Hierbei konnte die Mehrzahl der Redner nicht nachvollziehen dass der Vorstand die Postbank in 2015 als bessere Bank als 2008 darstellt, der jetzt gebotene Abfindungspreis aber deutlich unter dem damals von der Deutschen Bank gezahlten Kaufpreis liegen soll. Völlig nebulös blieb überdies, wie die vom Vorstand angegebenen Synergieen von rund 500 Mio. Euro aus der Integration in den Deutsche Bank Konzern in die vorgelegten Planungsrechnungen eingeflossen sind. Bemerkenswert ist dabei, dass unter Herausrechnung dieses Wertes für mehrere Jahre ein negatives Ergebnis zu Buche schlagen wird. Zudem liegen die jetzigen Planzahlen deutlich unter den Prognosen aus dem Gutachten zum Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag im Jahr 2012.

Der bekannte kritische Aktionär Karl-Walter Freitag aus Köln bezeichnete den vorgesehenen Squeeze-Out vor dem Hintergrund des für 2016 geplanten erneuten Börsengang der Bank als eine "aktienrechtliche Hohlnuss". „Der Squeeze-out dient nur den Interessen der Deutschen Bank und nicht der Aktionäre“ brachte er es plakativ auf den Punkt und erntete dafür viel Beifall aus dem mit gut 300 Aktionären nicht mal zur Hälfte gefüllten Auditorium im Ruhrcongress in Bochum.

Auch Vorschläge aus dem Aktionariat den Aktionären alternativ Aktien der Deutschen Bank zum Tausch anzubieten, oder aber beim geplanten IPO in 2016 besondere Konditionen zu gewähren, wurden von der Verwaltung kühl abgebügelt mit den Hinweis dass im Aktiengesetz beim Squeeze-Out eine Barabfindung vorgesehen ist.

Dass die freien Aktionäre gegen ihren Willen aus dem Unternehmen gedrängt worden sind, zeigt eindrucksvoll das Abstimmungsergebnis. Auch wenn die Zustimmungsquote beim Squeeze-Out-Beschluss bei 99,60 Prozent lag, hat sich eine qualifizierte Mehrheit des Streubesitzes klar gegen den Zwangsrausschmiss gewandt. Bei rund 1,105 Millionen vertretenen Streubesitzaktien gab es 847.827 Gegenstimmen was einer Quote von 76,7 Prozent entspricht. Ohne die Stimmen der Deutschen Bank wäre lediglich der Wirtschaftsprüfer gewählt worden.

Die Höhe der Barabfindung dürfte noch Gegenstand einer gerichtlichen Überprüfung im Rahmen eines Spruchstellenverfahrens werden. Zum in 2012 abgeschlossenen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag ist ein solches bereits anhängig. Eine Prognose wann es hier endgültige Klarheit gibt ist nicht möglich. Sehr wahrscheinlich ist allerdings, dass die Postbank-Aktie bis dahin schon lange wieder an die Börse zurückgekehrt sein wird.

Ob die Anleger dem Wunsch des Postbank-Vorstandes wirklich folgen werden bleibt abzuwarten. Dieser schloss seine Rede mit den Worten „Wir als Vorstand der Postbank und ich persönlich hoffen, dass wir Sie auch nach dem angestrebten Börsengang wieder als Aktionäre begrüßen dürfen.“ Die Erfahrungen aus dem Umgang des Deutsche Bank-Konzerns mit der Postbank und ihren Minderheitsaktionären mahnt zur Vorsicht. "Eine Bank fürs Leben" wie der Markenclaim der Postbank aussagt, wäre gut beraten die eigene Werbebotschaft mit Leben zu füllen und einen entsprechenden Umgang mit ihren Anteilseignern zu pflegen. Dann wäre die Bank wirklich "Fit für die Börse 2.0".


Nabaltec legt vor

Die Nabaltec AG berichtet bei Vorlage der Halbjahreszahlen von einer weiterhin "guten Entwicklung" des Geschäfts. Operativ profitierten die Schwandorfer dabei von einer unverändert hohen und stabilien Nachfrage nach den halogenfreien Flammhemmern im wichtigen Unternehmensbereich "Funktionale Füllstoffe".

Beim Umsatz legte Nabaltec um 6,6 Prozent auf 77,8 (73,0) Mio. Euro zu, sowohl im ersten wie auch im zweiten Quartal war ordentliches Wachstum zu verzeichnen. Die positive Umsatzentwicklung schlägt sich auch in der Ergebnisrechnung nieder. Das EBITDA verbesserte sich um 22,8 Prozent auf 14,0 (11,4) Mio. Euro. Bei einem um 36,4 Prozent auf 9,0 (6,6) Mio. Euro verbesserten EBIT kletterte die EBIT-Marge auf 11,5 (9,1) Prozent. Das Ergebnis je Nabaltec-Aktie liegt nach sechs Monaten bei 0,54 Euro nach 0,39 Euro im ersten Halbjahr 2014.

Ausgehend von der guten Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr und den anhaltend guten Aussichten hat Nabaltec bei Zahlenvorlage auch die für 2015 ausgegebene Ertragsprognose angehoben. So geht der Vorstand nunmehr davon aus, in 2015 eine EBIT-Marge von rund 10 Prozent zu erreichen und damit die bisher angestrebte Zielmarke von 8,9 Prozent übertreffen zu können. Beim Umsatz wird weiterhin mit einem Anstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich gerechnet.

EBITDA leicht besser

Die familiengeführte Industrieholding Greiffenberger AG hat heute ihre Zahlen für das erste Halbjahr 2015 vorgelegt. So lagen die Umsatzerlöse in der Unternehmensgruppe bei 74,4 Mio. EUR. Damit ist es nach Vorstandsangabe mit einer deutlichen Aufholbewegung und einem Umsatzplus von 4,9 Prozent im zweiten Quartal gelungen, den Umsatzrückstand des ersten Quartals weitgehend auszugleichen. Nach den ersten drei Monaten lag Greiffenberger noch über 8 Prozent hinter dem Vorjahresvergleichszahlen. Per Ende Juni 2015 hat sich dieser Rückstand nun auf 1,7 deutlich verringert.

Postive Effekte ergaben sich auf der Ergebnisseite durch die bereits im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachte Flexibilisierung der Kostenstrukturen, Kapazitäten und Mengengerüste. Zudem ist es gelungen, durch gezielte Optimierungen beim Working-Capital auch die vorgehaltenen Bestände und damit die erforderliche Kapitalbindung spürbar zu reduzieren. Hierdurch konnte trotz einer um 4,8 Mio. Euro unter dem Vorjahr liegenden Gesamtleistung das EBITDA leich auf 4,3 (4,0) Mio. Euro gesteigert werden. Das EBIT lag mit 0,7 Mio. Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Bei einem leicht auf minus 0,6 (minus 0,8) Mio. Euro verbesserten Periodenergebnis verbesserte sich das Ergebnis je Greiffenberger-Anteilsschein auf minus 0,11 (minus 0,16) Euro.

Für das Gesamtjahr 2015 geht der Vorstand nunmehr auf Basis des ersten Halbjahres von einem Wachstum bei Umsatz, EBITDA und EBIT verglichen mit dem Vorjahr aus. Die Umsatzerlöse sieht der Vorstand dabei in einer Bandbreite von 153 bis 158 Mio. EUR gegenüber 152,2 Mio. EUR im Vorjahr.  Das EBITDA soll auf einen Wert zwischen 10 und 11,5 Mio. EUR steigen und damit den 2014er Wert von 9,4 Mio. Euro übertreffen. Beim EBIT liegt die geplante Zielgröße zwischen 3 und 4,5 Mio. EUR, nach 2,4 Mio. EUR im Vorjahr.

Täglicher Börsenbericht

DAX dreht wieder ins Minus

Am letzten Börsentag der Woche übernahmen am deutschen Aktienmarkt nach einer kurzzeitigen Erholung die Bären wieder das Ruder. Anfänglich hatten noch die überwiegend guten Wirtschaftsdaten aus den USA Unterstützung geboten.

Pfeiffer Vacuum profitierte von einer Kaufempfehlung.

Positive Analystenkommentare schoben zweitweise auch Siemens und ProSiebenSat.1 an.

Bei K+S kochten einmal mehr Übernahmespekulationen hoch.

Salzgitter befand sich im Aufwärtstrend.

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Zapfenstreich in Griechenland

„Jetzt ist Zapfenstreich“, heißt es, wenn etwas für beendet erklärt wird. Danach ist es gemeinhin auch „zappenduster“. An dieser Stelle muss die griechische Übersetzung wohl versagt haben, sonst hätte Athen nicht versucht, noch weitere Spielchen zu spielen. Wie düster es für die Griechen aber jetzt werden wird, scheint nicht allen klar zu sein. Stolz auf ihr „Oxi“ (Nein) beim Referendum tanzte Hellas’ Bevölkerung am vergangenen Sonntag in den Straßen und freute sich vertragsbrüchig zu sein. Da spielte es auch keine Rolle, dass Finanzminister Varoufakis seinen Helm nahm und den Rücktritt erklärte, obwohl er diesen doch bei einem „Nai“ (Ja) angekündigt hatte. In der griechischen Wahrheit hat eben auch die Lüge einen festen Platz. Oder treibt ihn doch nur die Sorge um die eigene körperliche Unversehrtheit? Schließlich hatte Varoufakis kurz zuvor angekündigt, sich lieber „den rechten Arm abhacken“ zu lassen, bevor er sich mit den internationalen Gläubigern (in seiner Wortwahl: Terroristen) einigen würde. Auch wenn es zur Verabschiedung des griechischen Ministers das hohe militärische Zeremoniell des Großen Zapfenstreichs nicht geben wird, wäre der Befehl des griechischen Volkes an den Motorradfahrer angebracht: „Helm ab zum Gebet!“

Effecten-Spiegel-Hauptversammlung

Zur jährlichen Hauptversammlung der Effecten-Spiegel AG am 27. Mai kamen knapp über 300 Aktionäre in die Düsseldorfer Stadthalle.

Wie jedes Jahr berichtete Einzelvorstand Marlis Weidtmann ausführlich über die Entwicklung des vorangegangenen Geschäftsjahres. Dabei wurden neben der strategischen Ausrichtung die größten Gewinner-Aktien (Fielmann, Canadian National Railway, Symrise, Allianz und Lonza Group) sowie die Verlustbringer (SMA Solar, RWE, K+S, Bilfinger und Vossloh) im Bestand der Vermögensverwaltung 2014 erläutert. Insgesamt machten per saldo deutsche Titel 67,34 % des Portfolios aus, 25 % waren amerikanische Investments, weitere 5,2 % wurden von Werten aus anderen europäischen Ländern abgebildet und 2,5 % entfielen auf Edelmetalle. Die Gesellschaft hält unverändert 384.885 eigene Aktien. Ferner stellte Frau Weidtmann die Neuinvestments vor und gab einen Überblick über die derzeitigen Gerichtsverfahren sowie die Rückstellungen der Gesellschaft. 

Der Vorstand legte zudem dar, dass mit der zunehmenden Veränderung der Medienlandschaft seit 2009 auch die eigene Verlagsstruktur neu konzipiert und gestrafft wurde. Im Berichtsjahr stand die Entwicklung einer eigenen digitalen Plattform im Mittelpunkt, die im Februar 2015 an den Start ging. Mit der Präsentation zum Vorstandsbericht erhielten die Versammlungsteilnehmer eine anschauliche Vorstellung vom Format des digitalen Effecten-Spiegel. 

Im Anschluss an ihren Bericht stand Vorstand Marlis Weidtmann den Aktionären fünf Stunden lang Rede und Antwort. Die Generaldebatte, die wie in den Vorjahren auch zum Austausch von Erfahrungen und Hinweisen zwischen Aktionären und Verwaltung genutzt wurde, erhielt dadurch den Charakter einer konstruktiven Podiumsdiskussion. 

Großes Lob fand bei den Aktionären das mutige und engagierte Vorgehen des Managements gegen die Deutsche Bank und der damit zusammenhängende juristische Erfolg vor dem Bundesgerichtshof. Weitere Schwerpunktthemen der Diskussion waren zudem die Anlagestrategie und die anlegerfreundliche Dividendenpolitik sowie die Aktionärsstruktur und die Liquiditätsquote. 

Bei der anschließenden Abstimmung zur Tagesordnung folgte die HV in allen Punkten den Vorschlägen der Verwaltung mit überwältigender Mehrheit.

Effecten-Spiegel zahlt 10. Jahr in Folge Dividende

Die Effecten-Spiegel AG schließt das anspruchsvolle und schwankungsbreite Börsenjahr 2014 erneut mit einem positiven Ergebnis ab. Der Jahresüberschuss beträgt 2,402 Mio. €, der Bilanzgewinn kommt auf 2,870 Mio. €. Zum Erstellungsstichtag der Bilanz ergaben sich aus stillen Lasten und Reserven bei den Finanzanlagen kumuliert stille Reserven in Höhe von 7,043 Mio. €. Die Gewinnrücklage beträgt unverändert 7,608 Mio. €. Das Eigenkapital kommt per Saldo auf 70,952 Mio. €. Damit stellt sich die Eigenkapitalquote auf 96,2 %. 

 

Die Effecten-Spiegel AG konnte mit ihrer erfolgreichen Geschäftspolitik allen finanzpolitischen Krisen der letzten Jahre trotzen und wird zum 10. Mal in Folge eine Dividende an ihre Aktionäre ausschütten. Die Verwaltung schlägt der Hauptversammlung am 27. Mai daher die Zahlung einer Dividende auf Vorjahresniveau in Höhe von 0,75 Euro je Stamm- und Vorzugsaktie vor. Die traditionell hohe Dividendenrendite kommt bei den Stämmen auf 4,42 % und bei den Vorzügen auf 4,60 %.

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