Es ist jetzt knapp drei Jahre her, dass der ES in seiner auf die Chancen, aber auch auf die Risiken sog. Exchange Traded Funds (ETF) hinwies. Das sind börsengehandelte Indexfonds, die seit dem Jahr 2000 auch in Deutschland auf dem Markt sind. Allein auf Xetra sind heute mehr als 1000 ETFs gelistet. 

Bildeten die ETFs ursprünglich nur die großen Aktienindizes ab, kamen im Laufe der Zeit Länder-, Regionen- und Branchenindizes hinzu. Heute gibt es neben den klassischen Indexfonds auch ETFs auf Aktien, Anleihen, Devisen, Renten und Rohstoffe. Und fast täglich kommen neue ETFs dazu. Inzwischen bastelt jede kleine Depotbank und Sparkasse ein solches Produkt für ihre Kunden zusammen, sodass die Facetten dieser Anlageklasse so vielschichtig wie undurchsichtig sind. Jeder noch so kleine Markt wird mit einem ETF abgedeckt. Beim Produktangebot herrscht selbst für Experten ein unüberschaubarer Wildwuchs. 

Viele Kleinanleger wissen schon lange nicht mehr, was sie da eigentlich kaufen und wie hoch das Risiko ist. Viele von ihnen haben noch den klassischen ETF vor Augen, der den ihn zugrundeliegenden Wertpapierkorb 1:1 abbildet. Das ist vor allem bei Rohstoffen oder Märkten mit großen Währungsschwankungen durchaus auch sinnvoll, ebenso für Regionen, die dem Anleger sonst schwer zugänglich sind. Doch meist investiert der Anleger über seine Bank oder den Fonds gar nicht in diese klassische Form, sondern in eine Vielzahl von synthetischen ETFs, ohne diese genau zu kennen. 

Bei diesen Konstruktionen wird eben nicht in den eigentlichen Basiswert investiert, den er abbildet. Statt auf die konkreten Wertpapiere setzt der ETF lediglich auf die Kurszusagen eines Kontrahenten, der meist eine Investmentbank ist. Swap-(Tausch-)Geschäft heißt das Zauberwort. Bezieht sich der ETF bspw. auf den DAX, investiert er das Geld der Anleger womöglich in den Nikkei-Index. Über die Swap-Vereinbarung tauscht dann der Fonds die Nikkei-Performance gegen die Performance des Referenzindex, in diesem Fall des DAX. Der Anteil synthetischer Produkte liegt aktuell bei geschätzten 35 bis 40 %. Diese sind oftmals noch gehebelt, was das Verlustrisiko für das eingesetzte Kapital zusätzlich erhöht. Die gehebelten Produkte erreichen nach Experten weltweit ein Volumen von jährlich 1 Bill. Dollar. 

Inzwischen ist der ETF-Markt ähnlich aufgebläht wie die Hedge-Funds vor Ausbruch der Finanzkrise. In jenem Segment sammelten sich damals ca. 2,5 Bill. Dollar. Ende 2016 lag das weltweit gehandelte ETF-Volumen lt. Statista bei 3,422 Bill. Dollar. Alleine in Europa wurden ETFs mit einem Volumen von 515,4 Mrd. Euro gehandelt. Der größte weltweite Anbieter von ETFs ist BlackRock mit einem Marktanteil von 37,7 %, gefolgt von Vanguard mit 18,9 %. 

„Die ETFs sind die erfolgreichsten Finanzprodukte der vergangenen zehn Jahre. .... In Phasen von Marktturbulenzen können sie zum Problem werden, weil sehr viel Kapital in gleicher Art investiert wird“, sagt Teodoro Cocca, Professor für Asset Management an der Johannes Kepler Universität in Linz. „Das fördert ein Herdenverhalten, das massiv in die eine oder andere Richtung ausschlagen kann. Daher können ETFs systemgefährdend sein.“ Würde also das Geld ebenso schnell den Markt verlassen wollen, wie es durch die Zentralbanken hineingepumpt wurde, hätte das verheerende Folgen. Wenn alle zum selben Zeitpunkt aus ETFs raus wollen, finden sich einfach keine Käufer mehr, weil die Investorenherde die gleiche Exit-Strategie verfolgt. Die Märkte würden austrocknen, die Liquidität verpuffen. Fonds und Millionen von Privatanlegern, die darüber investiert sind, würden in kürzester Zeit ihr Kapital verlieren. 

Zudem finden sich bei fast allen Anbietern wieder jede Menge ETFs, die vollgepackt sind mit toxischem Müll, sprich hochriskanten und nicht liquiden Vermögenswerten. Kritiker warnen deshalb davor, dass vor allem Renten-ETFs gefährlich seien, weil sie eine Illusion von Liquidität und Sicherheit verbreiten, obwohl die im Fonds befindlichen Assets eben nicht uneingeschränkt handelbar sind. Kleinanleger sollten sich daher nicht sorglos auf die ETF-Spielwiese begeben.