In Deutschland hat die Aktie nicht nur als Anlageform großen Nachholbedarf, sondern auch als Finanzierungsinstrument für die Unternehmen. Die Zahl der Neuemissionen liegt deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2008. Und im Vergleich zu Dividenden spielen Aktienrückkäufe (Buybacks) hierzulande ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Dabei können sie für Unternehmen und Anleger gleichermaßen von Interesse sein.

Viele deutsche Unternehmen verfügen über eine solide Bilanz mit rekordhohen Bargeldbeständen. Angesichts ebenso rekordverdächtig niedriger Zinsen fassen viele von ihnen Firmenübernahmen und zunehmend auch Aktienrückkäufe (Buybacks) ins Auge. Gleichzeitig sind die Aktienmärkte auf Rekordniveau, was auch eigene Firmenanteile wertvoller macht, wenn sie z.B. als Teil der Finanzierung eingesetzt werden sollen. Zudem sind Aktienrückkäufe neben Dividenden eine gute Möglichkeit, Geld an die Aktionäre zurückzugeben. Der Gewinn des Unternehmens wird auf weniger Anteilseigner verteilt, das Angebot der eigenen Aktien im Markt verknappt. Gleichzeitig ändert sich dadurch die Aktionärsstruktur, feindliche Übernahmen können erschwert werden. Naturgemäß sind Buybacks nur begrenzt einsetzbar und nicht bei jedem (vor allem kleineren) Unternehmen sinnvoll. Der Kapitalmarkt aber assoziiert damit häufig eine positive Unternehmensentwicklung bei gleichzeitiger Unterbewertung des jeweiligen Papiers. Das kann den Aktienkurs beflügeln. 

Der amerikanische Aktienmarkt wird seit Jahren durch signifikante Aktienrückkäufe befeuert. Das erklärt auch, weshalb er in der Vergangenheit trotz stagnierender Unternehmensgewinne weiter nach oben gelaufen ist und die europäischen Aktienmärkte weit hinter sich gelassen hat. Im 3. Quartal 2016 investierten 119 Unternehmen im S&P 500 sogar mehr Geld in Buybacks als sie im Ergebnis erwirtschafteten. In den Jahren 2014 und 2015 haben US-Unternehmen eigene Papiere im Wert von rund 1 Billion US-Dollar zurückgekauft. Damit haben Aktienrückkäufe in den Vereinigten Staaten inzwischen die Dividenden als wichtigste Form von Ausschüttungen längst überholt. 

In Europa setzte der aktive Gebrauch von Buybacks dagegen erst viel später ein. In Deutschland waren sie überhaupt erst seit Verabschiedung des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) im Jahre 1998 als Ausschüttungsinstrument deutscher Gesellschaften erlaubt. Ein Jahr später schütteten die im DAX gelisteten 30 Aktiengesellschaften ein Gesamtvolumen von ca. 1,4 Mrd. Euro in Form von Rückkäufen eigener Anteile an ihre Aktionäre aus. Bis 2008 vervielfachte sich das jährliche Rückkaufvolumen auf ca. 17 Mrd. Euro, wurde dann aber durch die Finanzkrise abrupt abgebremst und fiel 2009 auf 0,7 Mrd. Euro zurück. Demgegenüber stieg der Anteil der Dividendenzahlungen Jahr für Jahr weiter an. In den Jahren 2009 bis 2011 wurden in Deutschland schließlich 90 % des ausgeschütteten Kapitals in Dividenden gezahlt, nur etwa 10 % in Form von Aktienrückkäufen. 2015 lag dieser Anteil bei 15 %.

Obwohl Aktienrückkäufe also in den letzten Jahren wieder zunehmen, machen sie bei europäischen Unternehmen nur einen Bruchteil des Werts der Rückkäufe von US-Unternehmen aus. Dabei verfügen fast alle börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften über einen sog. Vorratsbeschluss der Hauptversammlung, der ihnen die Möglichkeit für den Erwerb eigener Anteile einräumt. Die Unpopularität von Aktienrückkäufen in Deutschland ist mit den schlechten gesetzlichen Rahmenbedingungen zu erklären. Während in Amerika Erträge aus Dividenden mit 40 % besteuert werden, müssen bei realisierten Kursgewinnen lediglich 20 % abgeführt werden. In Deutschland dagegen werden seit der Einführung der Abgeltungssteuer Anfang 2009 beide Ertragsarten gleich behandelt. Zudem können realisierte Verluste aus Aktiengeschäften nur mit anderen Gewinnen aus Kapitalvermögen im gleichen Zeitraum verrechnet werden. 

Zu der steuerlichen Diskriminierung kommen die gesetzlichen Durchführungsbestimmungen für die rückkaufenden Gesellschaften, die innerhalb der EU einer starken Regulierung unterworfen sind.

Für Anleger sind Aktienrückkäufe dennoch attraktiv. Wer nicht nur an einzelnen Unternehmen mit Rückkaufprogrammen partizipieren möchte, kann inzwischen auch in einige wenige ETFs investieren. Der seit dem 01.12.2014 auf Xetra gehandelte PowerShares Global Buyback Achievers UCITS (A114UD) bildet Unternehmen aus unterschiedlichen Sektoren ab, die in den vergangenen zwölf Monaten mindestens fünf Prozent ihrer Aktien zurückgekauft haben. Der ETF investiert direkt in alle Aktien des NASDAQ Global Buyback Achievers Net Total Return Index. Mit gut 60 % sind US-Titel vor japanischen Werten mit knapp 15 % gewichtet. Zum 31.03.2017 gehörten z.B. Lukoil ADRs und Generel Electric mit jeweils 5,5 % Gewichtung zu den Top 10, ebenso wie Canadian Pacific Railway mit 4,51 % oder Suzuki Motor mit 4,29 %. 

Der Amundi S&P 500 Buyback UCITS ETF (WKN: A14MC4) bietet Zugang zu 100 Aktien mit den höchsten Aktienrückkaufquoten aus dem Universum des S&P 500-Index. Im Unterschied zum Power Shares bildet dieser ETF aber den Index synthetisch über sog. Total Return Swaps ab (vgl. ES 26/2014) und schüttet nicht aus. Das europäische Pendant, aber mit Ausschüttung, ist der seit September 2015 auf Xetra gelistete Amundi MSCI Europe Buyback UCITS ETF (WKN: A14V4W). Er bildet die Wertentwicklung der im MSCI Europe enthaltenen Aktien ab, die in den letzten 12 Monaten ein Aktienrückkaufprogramm durchgeführt haben. Alle Titel sind gleichgewichtet, und im direkten Vergleich zum Stoxx Europe 600 liegt er bei der Wertentwicklung stets etwas besser (vgl. Abb.). 

Aktienrückkäufe sind in den USA eine weit verbreitete Form der Gewinnausschüttung und sollten auch in Europa an Bedeutung gewinnen, da sie trotz schlechterer Rahmenbedingungen den Anlegern attraktive Alternativen bieten. Bei einigen Unternehmen bleibt jedoch die Dividende immer noch die bessere Ausschüttungsvariante.