Die Zukunft des Mobilfunks beginnt jetzt! Mitte März startete die Bundesnetzagentur endlich die Versteigerung der 5G-Frequenzen. Mittlerweile läuft Bieterrunde 252, und die vier führenden Telekommunikationskonzerne haben zzt. Gebote im Wert von sage und schreibe 5,57 Mrd. Ä abgegeben. Kein Wunder – denn mit 5G beginnt ein digitales Zeitalter, aus dem eine neue industrielle Revolution hervorgehen wird. Es lohnt sich also, zu investieren – auch für Anleger!

5G bedeutet Kommunikation in Echtzeit. Es geht somit um eine Übertragungszeit in Millisekunden oder anders gesagt: um einen Wimpernschlag. Mit dieser neuen Technologie werden Datenmengen in einer noch nie dagewesenen Schnelligkeit und Qualität übertragen. Was wird sich durch 5G verändern? Die Antwort ist leicht: alles! 

Ein Beispiel des Mobilfunkriesen Vodafone: In einem kürzlich durchgeführten Experiment ließ das Unternehmen einen Kranführer seinen Kran aus einer Entfernung von rd. 70 km steuern. Dabei muss man wissen, dass Kranführer in Deutschland händeringend gesucht werden. Zahlreiche Baustellen liegen einfach brach, weil Fachkräfte wie Kranführer schlichtweg fehlen. 5G ist die Lösung. Auch Ärzte müssen bei einer Untersuchung nicht mehr direkt vor Ort sein, sondern können live per Zuschaltung ihre Anweisungen und Diagnosen geben. 

Allerdings hängt Deutschland – wie schon bei anderen Vorreitertechnologien des Mobilfunks – mal wieder weit hinterher. Während in den USA, China, Australien oder den skandinavischen Ländern schon längst am 5G-Netzaufbau gearbeitet wird, läuft hierzulande gerade einmal die Versteigerung der Frequenzen. Eine Spitzenposition in Sachen 5G nimmt Korea ein. Als erstes Land überhaupt brachte Korea im April das erste kommerzielle 5G-Netz an den Start und düpierte damit sowohl die USA als auch China. Bereits 2018 hatte dort das Wettrüsten in Sachen 5G-Netze begonnen. 

In Deutschland kämpfen gerade vier Telekomriesen um die Macht im neuen digitalen Ökosystem. Die Bundesnetzagentur öffnete das Auktionshaus für alte Bekannte wie die Dt. Telekom, Vodafone, Telefonica und den Neueinsteiger 1&1 Drillisch/United Internet. Die Unternehmen liefern sich gerade eine gnadenlose Bieterschlacht. Die derzeitigen Gebote für die Frequenzblöcke liegen bei insgesamt 5,57 Mrd. € und damit deutlich über den Schätzungen der Analysten von 3 bis 5 Mrd. €. Zuletzt wurde zwar nur noch in Trippelschritten geboten, doch ein Ende der Auktion ist noch nicht in Sicht. Entsprechend wächst die Kritik aus der Politik. Denn umso teurer die jeweiligen Frequenzen werden, umso weniger Geld bleibt schließlich für den Netzausbau übrig. Schon bei den vorherigen großen Mobilfunkauktionen sorgten die hohen Kosten der Frequenzen für eine gewaltige Verschuldung der Branche. Der ins Stocken geratene flächendeckende Netzausbau ist bekanntermaßen zum Politikum in Deutschland geworden.

Für United Internet (UI) ist die Teilnahme an der Auktion jedoch der nächste logische Schritt in der Evolution des Konzerns. „Der neue Mobilfunkstandard gilt als Schlüssel zu sämtlichen Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren, Internet of Things oder Industrie 4.0 und wird damit zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor für Deutschland als Wirtschaftsstandort“, heißt es auf Anfrage des ES bei United Internet. Den Prognosen zufolge werden im Jahr 2025 weltweit rund zehnmal so viele Daten wie noch im Jahr 2016 generiert. Damit wird blitzschnell klar, wer in Zukunft auf dem Markt bestehen möchte, muss sich weiterentwickeln oder stirbt aus. Zumal in gut 10 Jahren der Vertrag zwischen UI und Telefonica ausläuft. Letztere geben bekanntlich 30 % ihrer Netzkapazitäten günstig an UI ab. Dies war seinerzeit die Auflage der EU-Kommission, um die Übernahme von E-Plus durch Telefonica in trockene Tücher zu bekommen. Die Vereinbarung dürfte so kaum in die nächste Runde gehen. 

Es macht also absolut Sinn, dass United Internet seine DNA fortschreibt. „Wir sind für dieses neue Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte bestens aufgestellt. Denn wir bringen alles mit, was es braucht: einen großen Kundenstamm – mehr als 9 Mio. Mobilfunk- und 4,5 Mio. Festnetzkunden – Deutschlands zweitgrößtes Glasfasernetz, starke Marken und ausreichend Liquidität“, erklärt Lisa Pleiß von UI. Ein eigenes Netz zu betreiben, bietet letztendlich drei wesentliche Vorteile für den Konzern: Unabhängigkeit vom Zugang zu den Netzen der etablierten Anbieter, bessere Differenzierung der Produkte sowie die Erschließung neuer Geschäftsfelder. Gleichzeitig würden externe Kosten in Form von Netzmieten gespart, die besser in ein eigenes Netz investiert werden könnten. Allein im Jahr 2017 wurden insgesamt 1,4 Mrd. € Vorleistungskosten für die Nutzung von Fremdnetzen gezahlt. Eines ist jedoch auch ganz klar: „Der Aufbau eines neuen Mobilfunknetzes wird Jahre dauern.“ Das liegt vor allem daran, dass die Frequenzen, die derzeit versteigert werden, zum Teil erst ab 2021 überhaupt nutzbar sind. „Eine Vorgabe der Bundesnetzagentur ist es, dass – je nach ersteigertem Frequenzbereich – bis 2023 bzw. 2025 25 % der Haushalte abgedeckt sein müssen.“ Die Einhaltung dieses strengen Zeitplans wird zu Lasten der gewohnt hohen Dividende gehen. Wie in der aktuellen Einladung zur HV am 23. Mai zu lesen ist, sollen im Falle einer erfolgreichen Ersteigerung von Frequenzblöcken nur noch 0,05 € je Aktie ausgeschüttet werden. Ohne die Ersteigerung würde den Anteilseignern eine Dividende in Höhe von 0,90 € winken. Spekulativ verbinden sich Anleger dennoch mit United Internet. Zum einen ist ein Großteil der finanziellen Last aus der 5G-Auktion im Kurs eingepreist, zum anderen könnte der Newcomer den Markt kräftig aufwirbeln. 

Auch für Vodafone ist es eine Selbstverständlichkeit, bei 5G mitzumischen. Vodafone-Pressesprecher Tobias Krzossa sieht durch 5G insbesondere die Anwendungen in der Industrie vor einem großem Umschwung. Daher arbeitet das britische Unternehmen bei industriellen Anwendungen schon heute mit zahlreichen Partnern wie etwa Continental oder Ford zusammen. Wichtig ist dabei das Zusammenspiel der einzelnen Technologien. Schon heute vernetzt Vodafone 80 Mio. Gegenstände miteinander, sodass z.B. in der Industrie die Wartung aus der Ferne betrieben werden kann oder ein Gerät selbstständig merkt, dass es demnächst gewartet werden muss. Doch viele Technologien werden erst mit dem Bestehen von 5G erwachsen. Es könnte ein ganzes Feuerwerk an neuen Geschäftsideen geben. So hätte sich vor 20 Jahren auch niemand träumen lassen, dass heute fast jeder Mensch ein Mobiltelefon nutzt. Ähnliche Innovationen dürfte auch 5G mit sich bringen. 

Da Vodafone sich allerdings darüber im Klaren ist, dass der Ausbau noch Jahre dauern wird, setzt das Unternehmen zunächst auf LTE (4G) und baut dieses Netz weiter in Deutschland aus. Allein für 2019 hat Vodafone daher 4.000 Bauprojekte im Zusammenhang mit LTE geplant. Das LTE-Netz soll jedoch später auch in ein 5G-Netz integriert werden. Gleichzeitig nahm Vodafone Deutschland vier neue sogenannte 5G-Supercore-Rechenzentren in Betrieb, bestehende Rechenzentren werden modernisiert. Die Strategie von Vodafone ist zwar schlüssig. Anleger wählen sich jedoch ggf. erst nach den vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 am 14. Mai ein.


Nachdem Telefonica Deutschland in den vergangenen Jahren bereits die Zusammenlegung der Netze von O2 und E-Plus stemmen musste, steht mit der Einführung von 5G die nächste Mammutaufgabe bevor. Schon bei LTE musste sich der Konzern seiner Konkurrenz geschlagen geben. Um hier den Anschluss nicht ganz zu verpassen, muss Telefonica Deutschland im lfd. Jahr noch einmal viel Geld in die Hand nehmen. Nach gut 6.700 Sendestationen im vergangenen Jahr sollen dieses Jahr 10.000 weitere mit LTE aufgerüstet werden. Ähnlich wie bei United Internet könnte damit die Dividende zur Disposition stehen. Für das vergangene Jahr hat allerdings das Unternehmen noch eine Anhebung auf 0,27 € je Aktie vorgeschlagen. Das macht bei 2,97 Mrd. Aktien einen Ausschüttungsbetrag von 803 Mio. € (Hauptversammlung: 21. Mai). Diese Summe liege allerdings deutlich über den im Gesamtjahr 2018 erwirtschafteten freien Mitteln von 733 Mio. €, so Analysten. Der Download von Telefonica Deutschland wird daher abgebrochen. Die Risiken überwiegen derzeit.

Selbstverständlich möchte auch der Platzhirsch auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt, Dt. Telekom, mitfunken. Das Unternehmen hat sich nicht weniger auf die Agenda gesetzt, als „die leistungsfähigste Digital-Infrastruktur für Deutschland“ zu schaffen. „...Die Frequenzen, die versteigert werden, sind eine wichtige Grundlage für den Aufbau von 5G-Netzen in städtischen Gebieten und für industrielle Anwendungen. Mit der Teilnahme an der Auktion verfolgen wir unser Ziel weiter, die beste Mobilfunkversorgung für Verbraucher und für die Industrie herzustellen. In Zukunft wird die Vernetzung von Maschinen, das Internet der Dinge, erheblich an Bedeutung gewinnen...“, so Wolfgang Kopf, Leiter Zentralbereich Politik und Regulierung der Dt. Telekom.

Doch die Kunden aus der Industrie bereiten gerade ihre eigene Revolution vor. Denn zahlreiche Industrieriesen signalisierten bereits, ihr eigenes 5G-Netz auf die Beine stellen zu wollen. Die Unternehmen möchten autark werden. Der Hintergrund ist vor allem die Sicherheit, Zuverlässigkeit und vor allem Verfügbarkeit. Unter den Anwärtern sollen DAX-Schwergewichte wie Daimler, Volkswagen, Siemens oder BASF sein. Auch nicht börsennotierte Industrieriesen wie Bosch stehen schon bereit. „Für regionale und lokale Nutzungen werden ebenfalls Frequenzen bereitgestellt werden. Das Antragsverfahren für lokale Zuteilungen soll in der zweiten Jahreshälfte 2019 beginnen“, erklärt uns Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur. Wer die derzeitigen Antragssteller konkret sind, ließ er sich jedoch nicht entlocken. 

Sicherlich werden die Industriekonzerne nicht zu Netzbetreibern avancieren, allerdings drohen der Dt. Telekom und den Mitbewerbern Milliardenausfälle. Entsprechend verärgert zeigt sich auch Dt. Telekom-Vorstandschef Tim Höttges. Er hält die lokale und regionale Bereitstellung von Frequenzen sogar für rechtswidrig: „Deutschland ist das erste Land, das ein Viertel der Frequenzen für private 5G-Netze reserviert“, so der Manager. Da außerdem Berichten zufolge der Widerstand der US-Kartellwächter bei der geplanten Fusion von T-Mobile US mit dem Rivalen Sprint stärker ausfällt als gedacht, sollten Anleger die Telekom-Aktie zunächst in die Warteschleife hängen.

Zweifelsfrei beginnt mit 5G ein neues digitales Zeitalter. Doch für die Mobilfunkanbieter bedeutet dies zunächst einmal gigantische Investitionen. Der Zeitplan für den Infrastrukturausbau ist schließlich straff. Daher dürften somit die Zulieferer für den Netzausbau und die Nutzung der neuen Technologien zu den Gewinnern gehören. Wer dies ist, lesen Sie in der kommenden Ausgabe.

 

 

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