Manz AG

Die Manz AG passt ihre Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2019 auf Basis der Zahlen für die ersten 9 Monate und der aktualisierten Planung für die restlichen Monate an. Bisher war das Management von einem Umsatz leicht unter dem Vorjahresniveau und einer EBITDA-Marge im mittleren einstelligen Prozentbereich ausgegangen. Die EBIT-Marge sahen die Verantwortlichen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Nach der Neueinschätzung erwartet der Vorstand nun bei einem leicht rückläufigen Umsatz eine EBITDA-Marge im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Beim EBIT erwartet der Vorstand jetzt einen negativen Wert im oberen einstelligen Millionenbereich.(ES - 11.11.2019 - 16:00 Uhr)

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PVA TePla AG

Die PVA TePla AG steigerte den Umsatz in den ersten drei Quartalen 2019 um 38 Prozent auf 96,2 Mio. Euro. Sehr erfreulich entwickelte sich der Bereich Semiconductor Systems mit einem Plus von rund 50 Prozent auf 62,6 Mio. Euro. Aber auch der Bereich Industrial Systems verzeichnete ein Wachstum von 22 Prozent auf 33,6 Mio. Euro. Das EBITDA verbesserte sich sogar um 40 Prozent auf 11,9 Mio. Euro. Der Auftragseingang erhöhte sich in den ersten drei Quartalen um knapp 9 Prozent auf 110,9 Mio. Euro. Davon entfielen 70,8 Mio. Euro auf den Bereich Semiconductor Systems und 40,0 Mio. Euro auf das Segment Industrial Systems. Durch den positiven Auftragseingang kletterte der Auftragsbestand um 12 Prozent auf 185,7 Mio. Euro. Angesichts der bisherigen Entwicklung und den bestehenden Aussichten erhöht der Vorstand die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2019 von 125 auf 130 Mio. Euro. Das EBITDA sieht das Management nun im Bereich von 16,0 Mio. Euro nach zuvor 15,0 Mio. Euro. Auch in 2020 erwartet der Vorstand ein substanzielles Umsatz- und Ergebniswachstum.(ES - 8.11.2019 - 17:00 Uhr)

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DEUTZ AG

Die DEUTZ AG verbuchte in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2019 einen Auftragseingang von 1,32 Mrd. Euro. Gegenüber dem starken Vorjahr bedeutete dies einen Rückgang um 15,1 Prozent. Ein verändertes Bestellverhalten und eine konjunkturelle Abkühlung wirkten sich dämpfend aus. Im dritten Quartal sank der Auftragseingang um 20,0 Prozent auf 361,9 Mio. Euro. Mit knapp 156.000 Motoren lag der Absatz in etwa auf dem Vorjahresniveau. Der Umsatz verbesserte sich jedoch um 6,4 Prozent auf 1,38 Mrd. Euro. Wachstumstreiber waren die Bereiche Material Handling, die Landtechnik und das Servicegeschäft. Regional betrachtet entwickelten sich besonders die Regionen Asien/Pazifik und Amerika sehr erfreulich. Das EBIT vor Sondereffekten legte sogar um 50,8 Prozent auf 69,2 Mio. Euro zu. Inklusive des Veräußerungsgewinns für ein kleines Teilgrundstück in Höhe von 9,3 Mio. Euro belief sich das ausgewiesene EBIT auf 78,5 Mio. Euro, was gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um 71,0 Prozent bedeutete. Dadurch erhöhte sich auch die EBIT-Marge von 3,5 auf 5,7 Prozent. Im Finanzergebnis musste jedoch eine Wertminderung auf ein ausgereichtes Darlehen über 9,4 Mio. Euro verkraftet werden. Trotzdem stieg das Konzernergebnis um 53,7 Prozent auf 54,7 Mio. Euro. Das Ergebnis je Aktie erhöhte sich entsprechend von 0,29 auf 0,45 Euro. Auf Basis dieser Zahlen hat der Vorstand seine Prognose für das Gesamtjahr bekräftigt. Demnach erwartet er eine Umsatzsteigerung auf mindestens 1,8 Mrd. Euro und eine EBIT-Marge vor Sondereffekten zwischen 4 und 5 Prozent.(ES - 7.11.2019 - 10:00 Uhr)

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Thema der Woche

Ausgabe_45_2019 | 06.11.2019

Das Comeback

Trendwende in der Chipbranche

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Feature

Die Medizin feierte die sog. Genschere „CRISPR/Cas 9“ als den Durchbruch in der Forschung, der alles verändern kann. Durch diese neue Methodik werden Nahrungsmittelpflanzen optimiert, und Mediziner hoffen, bislang unheilbare Krankheiten besiegen zu können. Weltweit forschen Pharma- und Biotechkonzerne an CRISPR/Cas 9 – nicht ganz ohne Risiko. Aktionäre schauen sich die DNA der einzelnen Akteure daher genau an.
Hinter dem kryptischen Zungenbrecher CRISPR/Cas 9 (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) stecken 30 Jahre Forschung, die in einem revolutionären Ergebnis mündeten. Die Funktionsweise der im Volksmund genannten Genschere ist zwar noch immer nicht völlig verstanden und somit auch nicht risikofrei, doch schon heute können die Erkenntnisse die gesamte Medizin und das Leben verändern. Verständlicherweise sind die Gefahren unter ethischen Bedenken groß, doch gleichzeitig gibt es schwer erkrankten Menschen wieder Hoffnung in ihrem Überlebenskampf.
Was sich so einfach anhört, die DNA (Desoxyribonukleinsäure) an einer bestimmten Stelle auszuschneiden, ist ein hochkomplexer molekularbiologischer Prozess. An dieser Schnittstelle können die Forscher Gene ausschalten oder sogar neue Abschnitte einfügen. Alle Genome (Erbgut) – ob menschlicher oder pflanzlicher Natur – lassen sich durch dieses Verfahren deutlich schneller und vor allem deutlich einfacher verändern. Diese Methode wird auch als Genom-Editing oder molekulares Skalpell bezeichnet. Stark vereinfacht funktioniert das Verfahren so: Das System besteht aus einer molekularen „Sonde“ (CRISPR) und einer „Schere“ (Cas 9-Protein). Die Sonde soll die genaue Zielstruktur für eine Mutation im Genom finden, und die Schere durchtrennt daraufhin den DNA-Doppelstrang.
Eher zufällig entdeckte die französische Biologin Emmanuelle Charpentier im Jahr 2012 das Potenzial von CRISPR, als sie scharlachauslösende Bakterien untersuchte. Ursprünglich stammt dieser Prozess jedoch aus der Natur. So nutzen Bakterien ihn als eine Art Immunsystem, mit dem sie feindliche Viren erkennen und abwehren können.
Zahlreiche etablierte Pharmakonzerne, aber auch Start-ups, investieren hohe Summen in die Forschung von CRISPR/Cas 9. Die Hoffnung, Erkrankungen zu heilen oder Erbkrankheiten sogar völlig zu besiegen, sind groß. Beispielsweise gibt es in der Krebsforschung einen Ansatz, entartete Zellen einfach herauszuschneiden. Saatgut-Konzerne arbeiten daran, mit der Genschere Pflanzen zu optimieren. Diese Pflanzen können durch die Veränderung des Genoms ertragreicher, nährstoffreicher und resistenter sein.
In Europa wird der Einsatz dieser Methode jedoch stark diskutiert und unterliegt strengen Aufsichtspflichten. Im Juli 2018 entschied etwa der Europäische Gerichtshof, dass CRISPR unter die europäischen Richtlinien der Gentechnik fällt. Somit müssen alle Pflanzen als gentechnisch veränderte Organismen gekennzeichnet werden. Dies ist einer der Gründe, warum mehrheitlich die Unternehmen, die an Genom-Editing forschen, in den USA ansässig sind. Hier zählen Intellia Therapeutics und Editas Medicine zu den bekanntesten Adressen. Der größte Forschungserfolg gelang jedoch bislang der Schweizer CRISPR Therapeutics. Das Biotech-Unternehmen gab im Februar bekannt, erstmals einen Menschen mit der Genschere behandelt zu haben. Konkret wurde die erbliche Erkrankung des roten Blutfarbstoffs Beta-Thalassämie behandelt. Patienten, die darunter leiden, besitzen zu wenige rote Blutkörperchen und benötigen oft Bluttransfusionen. CRISPR Therapeutics kooperiert dabei übrigens mit dem US-Pharma-Unternehmen Vertex.
Doch auch hierzulande wird auf dem Gebiet geforscht. So zählt Merck KGaA zu einem der erfolgreichsten Pioniere. „Wir sind ein führender Anbieter von Technologien wie CRISPR/Cas 9, mit denen gezielt Gene verändert werden können ... Mit CRISPR/Cas 9 ergeben sich neue Möglichkeiten in der gentechnischen Forschung. Diese können große Fortschritte bei der Behandlung schwerer Krankheiten oder bei der sogenannten „grünen Gentechnik“, also der Anwendung
genomverändernder Verfahren bei der
Pflanzenzüchtung, ermöglichen“, erklärt Merck-Pressesprecher Dr. Gangolf Schrimpf gegenüber dem ES. Die Darmstädter halten weltweit 13 CRISPR-Patente. „Wir sind Dienstleister für andere Pharmaunternehmen. Es gab mal eine Aussage von uns, dass man davon ausgehen könne, dass neun von zehn Unternehmen, die an Gentherapien arbeiten, unsere Kunden seien.“ Eines davon ist das US-Biotechnologieunternehmen bluebird bio. Der DAX-Konzern ist sich dabei seiner ethischen Verantwortung voll bewusst. „Unsere Richtlinie für die Technologie zur Genomeditierung (Genome Editing Technology Principle) gibt unseren Mitarbeitern einen verbindlichen ethischen und operativen Rahmen vor.“ Auch auf anderen Gebieten arbeitet Merck KGaA überaus erfolgreich. Unter den deutschen Pharmaaktien ist das Papier damit ein Top Pick.
Bei den deutschen Unternehmen mischen außerdem Qiagen und Bayer in Sachen CRISPR mit. Die Leverkusener arbeiten in einer Forschungsallianz mit den US-Unternehmen CRISPR Therapeutics und Pairwise Plants im Agrarbereich zusammen. Doch bekanntermaßen steckt Bayer im Monsanto-Klage-Debakel fest, sodass die Aktie sicherlich derzeit nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen ist.
Kaum ein anderes Verfahren hat das Potenzial, die Medizin und Landwirtschaft derart zu verändern. Anleger müssen sich allerdings ganz genau die DNA der einzelnen Unternehmen anschauen. Denn die Umsätze sind niedrig, wenn überhaupt welche gemacht werden. Dem stehen dann aber zumeist hohe Forschungsaufwendungen gegenüber. Wie bei allen Biotech-Unternehmen hängt die Entwicklung des Aktienkurses stark von den Ergebnissen klinischer Tests ab. Fallen diese gut aus, ist in der Regel mit einer überdurchschnittlichen Rendite zu rechnen.
CRISPR/Cas 9 entschlüsselt die DNA von Kursgewinnen.

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Weltweit wird die Bevölkerung immer älter. Der demografische Wandel zählt zweifelsohne zu den Megatrends der nächsten Jahrzehnte und wird zahlreiche Branchen wie etwa Handel oder Gesundheit grundlegend verändern. Gerade die sogenannte Silver Society bietet somit für Aktionäre vielfältige Anlagemöglichkeiten.
Besonders der höhere Lebensstandard und die immer bessere medizinische Versorgung lassen die Lebenserwartung der Menschen weltweit steigen und steigen. So hat sich die statistische Lebensdauer zwischen 1990 und 2019 von 64,2 auf 72,6 Jahre erhöht. Bis 2050 soll sie weiter auf 77,1 Jahre zulegen. Im Jahr 1950 lag die Lebenserwartung gerade einmal bei 48 Jahren. Damit befinden wir uns in der größten demografischen Veränderungsphase in der Menschheitsgeschichte überhaupt. In Deutschland wird davon ausgegangen, dass die Einwohnerzahl von derzeit über 82 Mio. bis zum Jahr 2050 zwar auf 75 Mio. sinkt, allerdings zugleich mehr als die Hälfte der Menschen hierzulande 50 Jahre oder älter sein werden. Die Vereinten Nationen gehen in ihrem Bevölkerungsbericht 2019 sogar davon aus, dass 2050 jeder sechste Mensch auf der Erde älter als 65 Jahre sein wird. Heute ist es jeder elfte. Schon im vergangenen Jahr gab es global gesehen erstmals mehr Menschen über 65 als Kinder unter 5 Jahren. Allein die Zahl der 80-Jährigen wird sich der UN zufolge bis 2050 auf etwa 426 Mio. verdreifachen.
Allerdings ändert sich dabei auch das Bild von Alter komplett. Die Wahrnehmung, sprich das subjektive Alter, ist heute schon eine völlig andere als noch vor einigen Jahren bzw. Jahrzehnten, als Menschen schon mit 60 Jahren als gebrechlich galten. Befragungen zufolge liegt schon heute das gefühlte Alter rd. 10 Jahre unter dem biologischen. Die Ruheständler von Morgen sind hip, engagiert, kritisch, fit, lebensfroh und vor allem konsumfreudig. Heute ist niemand mehr überrascht, wenn die Silver Society im trendigen Sportschuh von Nike über die Straße läuft. Deshalb steht diese Zielgruppe schon heute im Fokus der Marketingstrategen und verdrängt mehr und mehr die bislang wichtigste Zielgruppe der 14- bis 39-Jährigen.
Aber nicht nur das Konsumverhalten ändert sich, sondern auch die Mobilität. Denn gerade mit Blick auf den Wohlstand möchten die Best Ager unabhängig und mobil sein und dabei am liebsten noch die ganze Welt sehen. Schiffsreisen boomen seit Jahren und bescheren der Tourismusbranche erfreuliche Umsätze. So meldete z.B. TUI für das 3. Quartal (per 30.06.) einen Umsatzanstieg für das Segment Kreuzfahrten um 15,1 % auf 256,3 Mio. € – Tendenz weiter steigend.
Das Thema Gesundheit wird ebenfalls unwillkürlich infolge einer steigenden Lebenserwartung in den Mittelpunkt rücken. Profitieren werden Unternehmen, die das alltägliche Leben einfacher machen. Fielmann gehört als günstiger Brillenhändler und Hörgerätespezialist ganz klar auf die Kaufliste, ebenso wie EssilorLuxottica als weltweit größter Brillenhersteller. Aber auch Varta elektrisiert. Denn der traditionsreiche deutsche Batteriehersteller ist der globale Marktführer bei sogenannten Microbatteries, die wiederum bei Hörgeräten eingesetzt werden.
Bei den Pharmakonzernen findet heute schon ein „Wettforschen“ im Bereich der altersbedingten Erkrankungen statt. Während es in der Alzheimerforschung immer wieder zu Rückschlägen kommt, wurden gerade in der Bekämpfung von Krebs bahnbrechende Fortschritte erzielt. Pharmakonzerne, die hier innovationsstark sind, besitzen mit ihren Präparaten Blockbusterpotenzial. Experten sehen Gesundheit im Übrigen als das Statussymbol der Zukunft. Doch trotz aller medizinischen Errungenschaften wird Pflege ein bewegtes Thema der Zukunft sein. Bis 2030 soll die Zahl der Pflegebedürftigen immerhin um fast 50 % auf 3,4 Mio. Menschen
steigen. Pflegeeinrichtungen wie Addus Homecare oder Amedisys sollten daher noch stärker wachsen. Doch auch wer nicht unbedingt die Hilfe von anderen benötigt, muss im Alter angenehm und komfortabel wohnen können. LEG Immobilien hat dieses Potenzial schon längst erkannt. So baut der Immobilienriese seine Services für Best Ager und Senioren weiter aus. „In einem aktuellen Pilotprojekt vermittelt NRWs größtes Wohnungsunternehmen pflegebedürftigen Mietern in Dortmund häusliche Betreuungsleistungen zu Sonderkonditionen. Zusammen mit dem Kooperationspartner Home Instead, einem führenden häuslichen Betreuungsdienst, sorgt die LEG so dafür, dass auch immobilere Menschen in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben können.“ Nach der erfolgreichen Testphase soll das Angebot weiter ausgebaut werden. Und ein Blick auf die Statistik zeigt, die Nachfrage dürfte hoch sein.
Der demografische Wandel stellt nicht nur eine Herausforderung für die Wirtschaft und die Gesellschaft dar. Vor allem die Gesundheits-, Sozial- und Pensionssysteme der einzelnen Länder stehen vor einer Mammutaufgabe, wenn Menschen länger im Ruhestand sind. Bereits heute fürchten viele Menschen die Altersarmut – nicht grundlos wie die genannten Zahlen zeigen.
Kaum ein anderer Megatrend betrifft so viele Branchen gleichzeitig wie die alternde Gesellschaft. Die Aktienauswahl der Tabelle zeigt diese spannende Thematik deutlich auf. Im Übrigen sind und bleiben Aktien erste Wahl zum Vermögensaufbau im Alter!

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In der Welt von gestern kaufte man Bundesanleihen, kassierte regelmäßig Zinsen und bekam zur Fälligkeit sein eingezahltes Geld zurück. In der Welt von heute funktioniert das nicht mehr.  Sämtliche Staatsanleihen weisen eine negative Rendite auf. Wer langfristig kein Geld verlieren und einen Wertzuwachs erzielen will, muss heute Aktien kaufen.

Beim Tag der Offenen Tür der Bundesregierung wurde Bundesfinanzminister Olaf Scholz von einem jungen Besucher gefragt, wie er denn in Zeiten niedriger Zinsen sein Geld am besten anlegen solle. Der junge Mann erhielt zur Antwort: „Also nicht so wie ich. Ich packe es nämlich nur aufs Sparbuch.“ Diese Auskunft gleicht einem Offenbarungseid und zeigt, was in Deutschland wirklich schiefläuft. Der oberste Kassenwart des Landes, der das Vermögen einer ganzen Nation verwaltet, weiß nicht, wie man bei Negativzinsen sein Kapital werterhaltend, geschweige denn wertsteigernd anlegt. Als Sparschwein-Liebhaber war Olaf Scholz vor gut einem Jahr sogar noch davon überzeugt, dass die Niedrigzinspolitik bald ihrem Ende zugehen werde. In einem internen Schreiben von März 2018 hieß es, die Bundesregierung stelle sich in der „Finanzplanung bis zum Jahr 2022 auf eine notwendige Normalisierung des Kapitalmarktumfelds ein“. Unter Fachleuten gilt ein Zinsniveau zwischen 3 und 4 % als normal. Was für eine Fehleinschätzung!

Tatsache ist: Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihren Leitzins seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 %. Der Einlagensatz ist sogar negativ. Deshalb erheben inzwischen viele Geldinstitute für Sparguthaben sogar einen Strafzins. In seiner Rede auf dem EZB-Forum am 18. Juni im portugiesischen Sintra machte Mario Draghi noch einmal klar, dass ein Ende der lockeren Geldpolitik auch jetzt noch lange nicht in Sicht ist. Im Gegenteil, die EZB werde notfalls einen „zusätzlichen Stimulus“ aus dem Werkzeugkoffer holen, um das Wirtschaftswachstum zu stützen und sich dem Inflationsziel von 2 % anzunähern. Tatsächlich aber liegt die Teuerung seit 2013 Jahr für Jahr weit unter dieser Schwelle. Damit könnten also die Zinsen noch weiter in den negativen Bereich abgesenkt und neue Anleihenkäufe gestartet werden. Noch bemerkenswerter aber ist, dass der scheidende EZB-Präsident Draghi immer mehr ein „symmetrisches“ Inflationsziel favorisiert. Dies bedeutet, dass die Teuerung nach Jahren unter 2 % in Zukunft auch eine längere Zeit darüber liegen könnte, da sie ja zunächst einmal einiges aufzuholen hat. Damit wird faktisch mit jedem weiteren Schwächejahr auch eine höhere Inflation in der Folgezeit toleriert. Erst dann würde das Inflationsziel als erreicht gelten und die Zunahme des Preiswachstums als nachhaltig genug. Im Klartext: In den vergangenen zehn Jahren lag die Konsumentenpreisinflation bei durchschnittlichen 1,34 % und damit 0,66 Prozentpunkte unter dem Inflationsziel von 2 %. Bei symmetrischer Betrachtung hätte man also aus den letzten zehn Jahren ingesamt 6,6 % für das Erreichen des ursprünglichen Inflationsziels als Guthaben angehäuft, die zunächst aufgeholt werden müssten, bevor die EZB wieder gegensteuert. 

Mit diesem Ansatz könnten die Währungshüter also noch mehr billiges Geld in die Märkte pumpen und selbst bei steigender Inflation den Leitzins bei Null oder sogar darunter halten. Eine solche Kombination aus immer niedrigeren Zinsen und steigender Inflation würde dann die Staatsverschuldung der EU-Länder zügig herabsetzen und ebenso zügig die Sparbuchanhänger wie Olaf Scholz enteignen. Derzeit horten die Bundesbürger knapp 2,5 Bill. Euro auf unverzinsten Konten. Bei einer Inflationsrate von 4 % würden sie jährlich 100 Mrd. Euro davon verlieren. 

Spätestens wenn die EZB tatsächlich ein symmetrisches Inflationsziel formuliert, müssen Sparer ihr Geld umschichten – und zwar in Aktien. Je länger der Zustand des billigen Geldes anhält, um so mehr rücken Aktien wieder als strategisches Langfristinvestment in den Fokus. Dies gilt vor allem im Vergleich zu Staatsanleihen, mit denen man schon heute langfristig Verluste einfährt. Die im April 2030 fällige Bundesanleihe z.B. verspricht aktuell einen sicheren Verlust von –1,53 % p.a. (Stand 02.09.19). Die Ausverkaufsstimmung am Anleihenmarkt bewirkt lediglich kurzfristig noch Kursgewinne. Doch die gibt es bei Aktien auch. Bei längerfristiger Betrachtung müssen Anleger auch keine Angst vor Kursschwankungen oder heftigen Einbrüchen an den Aktienmärkten haben. In der gesamten Börsengeschichte gab es nur einen einzigen Zeitraum, in dem die Aktienkurse länger als 15 Jahre brauchten, um sich von einem Crash zu erholen, und zwar nach dem großen Zusammenbruch von 1929. Ansonsten ließ sich z.B. im amerikanischen Dow Jones seit 1896 durchgängig ein Wertzuwachs von 8 % pro Jahr erzielen. 

Der DAX kann zwar mit dieser Performance nicht ganz mithalten, dafür aber gibt es hier jedes Jahr satte Dividendeneinnahmen. Würde man diese beim DAX reinvestieren, ergäbe sich sogar eine jährliche Rendite von 11,1 % (vgl. ES 38/18). Allein für 2019 werden die DAX-Konzerne die Rekordsumme von rund 35 Mrd. Euro an ihre Anteilseigner ausschütten, was einer durchschnittlichen Dividendenrendite von rund 3 % entspricht. Selbst in Zeiten, als es bei zehnjährigen Bundesanleihen tatsächlich noch Zinserträge gab, konnten diese mit den Dividendenrenditen von Aktien nicht mithalten. Während 2008 die deutschen Blue Chips mit ihren Ausschüttungen auf eine Rendite von 5,3 % kamen, schafften es die zehnjährigen Staatspapiere nur auf 4,6 %. Seit dem Jahr 2013 liegen die zehnjährigen Bundesanleihen durchgängig unter 1 %, die Dividendenrendite der DAX-Titel dagegen zwischen 2,3 und 3,4 %.

Je länger der Zustand der niedrigen Zinsen anhält, desto größer wird nicht nur der Spread zwischen Dividendenrenditen und Anleihenzinsen, sondern auch die Gefahr von Fehlinvestitionen. Das gilt auch für den Immobiliensektor. Der Anlagenotstand führt dazu, dass die Immobilienpreise immer weiter explodieren und sich über Mieteinnahmen nicht mehr refinanzieren lassen. Andererseits sind Bau- und Finanzierungskredite so billig geworden, dass selbst die teuersten Objekte verhökert werden können. Das trifft auch für Unternehmenskäufe zu. Für Firmen in Wachstumsbranchen werden horrende Preise gezahlt, unabhängig davon, ob sie profitabel sind oder nicht. Versicherungen, Pensionskassen oder andere große Investoren kaufen alles, was irgendwie Rendite verspricht, darunter auch intransparente Anlagen. Und je mehr solcher Anlageobjekte mit Tiefstzinskrediten erworben werden, umso abhängiger machen sich die Investoren von der Droge des billigen Geldes. In einer solchen Situation könnte eine Zinswende einen Crash am Immobilienmarkt und eine Pleitewelle bei den Unternehmen auslösen. 

Die jüngsten Signale der Notenbanken deuten darauf hin, dass die Niedrigzinspolitik noch lange anhalten wird. Damit lösen Aktien die Anleihen endgültig als langfristige strategische Geldanlage mit sicherer Rendite ab. In der Welt von heute kauft man Aktien, kassiert regelmäßig Dividende und bekommt nach vielen Jahren sein Geld mit einem Kursgewinn zurück. Anleihen waren gestern, heute sind Aktien!

 

 

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Redaktionelles

Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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