Der Effecten-Spiegel hatte immer wieder auf die Knifflichkeiten des deutschen Steuer- rechts hingewiesen (z.B. S. 2/3 „Doppelbe- steuerung“ in ES 22/17, S. 2/3 „Bestands- schutz fällt“ in ES 37/17). Eine kürzlich eingegangene Leseranfrage machte auf eine weitere Steuerfalle aufmerksam. Es geht da- bei um die FiFo-Falle.

FiFo (First in – First out) ist eine aus dem Rechnungswesen und der Warenwirtschaft bekannte Methode zur Ermittlung der An- schaffungs- und Herstellungskosten. Dabei wird unterstellt, dass zuerst produzierte oder erworbene Produkte als erstes wieder ver- braucht oder verkauft werden. Es wird dem- nach versucht, die ältesten gelagerten Be- stände als erstes zu verbrauchen.

Was vielen jedoch nicht bewusst ist: Bereits seit dem 01.01.2005 wird diese Methode auch bei der Ermittlung des steuerpflichti- gen Veräußerungsgewinns bei Wertpapieren herangezogen. Bei Teilkäufen einzelner Akti-

en wird so die Reihenfolge bestimmt, welche Aktien beim Verkauf zuerst steuerlich heran- gezogen und berücksichtigt werden. Doch erst mit der Einführung der Abgeltungsteuer am 01.01.2009 kann dies für den Anleger zur Steuerfalle werden. Aktien, die bis zum 31.12.2008 gekauft wurden, unterliegen dem Bestandsschutz (s. ES 37/17). D.h. priva- te Veräußerungsgewinne aus diesen Aktien sind grundsätzlich steuerfrei.

Viele Anleger bauen eine Aktienposition je- doch nicht auf einmal auf, sondern schritt- weise. Nach der Anfangsposition werden bei zwischenzeitlichen Kursrücksetzern immer mal wieder Stücke nachgekauft und ins De- pot gelegt. Hierbei wird jeder Teilkauf sepa- rat mit dem jeweiligen Kaufdatum einge- bucht. So kann es sein, dass sich im Depot alte, bestandsgeschütze Wertpapiere neben neuen, zu versteuernden Aktien mit dersel- ben Kennnummer befinden. Wurden dann aus diesem Pool im Laufe der Jahre schon Aktien verkauft, kam hier die FiFo-Regel (zu- erst gekauft, zuerst verkauft) zur Anwen- dung.

Sind im Laufe der Zeit mehrfach Aktien ver- kauft und dann wieder nachgekauft worden, kann es passieren, dass nur noch wenige oder sogar überhaupt keine Bestandsschutz- aktien mehr im Depot sind. Der Anleger muss dann feststellen, dass der Fiskus plötz- lich vom Gewinn seiner Aktien Abgeltung- steuer einzieht, obwohl er die ersten Stücke weit vor 2009 gekauft hatte.

Anleger, die noch alte Wertpapierbestände haben, die sie vor 2009 gekauft haben, soll- ten diese in einem separaten Depot verwal- ten. So können sie abgeltungsteuerpflichtige von abgeltungsteuerfreien Wertpapieren sauber trennen. Eine Entscheidung des Bun- desfinanzministeriums erlaubt hierfür sogar die schlichte Eröffnung eines Unterdepots. Für den Anleger ist dies eine komfortable Lö- sung. Neben der besseren Übersicht sind auch die Gebühren für ein Unterdepot gerin- ger als für ein völlig neues.

Der ES übernimmt für diese Informationen keine Gewähr, sie stellen keine steuerliche Beratung dar.