In der letzten Ausgabe hatte der ES die Dividendenkönige unter den deutschen Small Caps vorgestellt. In den Depots deutscher Anleger sind aber natürlich auch viele ausländische Titel zu finden. Denn gerade ausländische Unternehmen zählen seit Jahrzehnten zu den beständigsten und großzügigsten Dividendenzahlern. Doch auf den deutschen Aktionärskonten geht oft nur ein Bruchteil von den Rekordausschüttungen ein.

Angesichts jahrelanger Nullzinspolitik legen inzwischen neben Investoren vermehrt auch bislang hartnäckige Festgeldsparer ihr Geld in dividenden-starke Aktien an. Dabei lohnt häufig ein Blick über die Landesgrenze (vgl. auch ES 9/2017). Denn im Ausland sitzen etliche Gesell-schaften, die ihren Aktionären seit Jahren hohe Dividenden zahlen. Doch davon kommt nur ein Bruchteil auf dem Konto der deutschen Anleger an, der größte Teil landet beim ausländischen Fiskus. Und das, obwohl Steuerzahler hierzulande seit Anfang 2009 auf sämtliche Veräußerungsgewinne, Dividenden und Zinsen schon eine pauschale Abgeltungssteuer von 25 % zahlen. Zusätzlich gehen dann noch 5,5 % als Solidaritäts-zuschlag ab, außerdem eventuell Kirchen-steuer (s. auch ES 22/2017).  

Die Steuer wird direkt an der Quelle der Einkünfte abgezogen, also in dem Land, in dem die Einkünfte entstehen. D.h., die auf die Dividende anfallende Steuer wird nach Eingang der Zahlung vom depotführenden Kreditinstitut direkt einbehalten und an das zuständige Finanzamt abgeführt. Besitzt der Anleger ausländische Wertpapiere, greift dann noch zusätzlich der Fiskus des jeweiligen Heimatlandes zu. So kommt es zu einer doppelten Steuerbelastung für den Anleger (25 % Abgeltungsteuer in Deutschland und Quellensteuer im Ausland). 

Die Quellensteuer ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich hoch. In der Schweiz liegt sie z.B. bei saftigen 35 %, in den USA, Finnland, Belgien und Schweden jeweils bei 30 % (vgl. Tabelle 2). 

Deutschland hat mit vielen Staaten sog. Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen. Gemäß DBA kann die ausländische Quellensteuer auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet werden, und zwar maximal bis zu einer Höhe von 15 %. Alles, was an Quellen-steuer darüber hinaus-geht, müssen sich die Anleger beim Auslands-fiskus zurück-holen. Das ist mühsam, langwierig und teuer. Daher sind Aktien der Länder vorteilhaft, die entweder gar keine Quellen-steuer erheben (z.B. Großbritannien und Zypern) oder nur bis zu 15 % (z.B. Nieder-lande, Japan oder Russland). 

Aber: 25 % Abgeltungsteuer (plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) müssen immer bezahlt werden, auch wenn der ausländische Steuersatz niedriger ist. Unter dieser Quote kommt hierzulande keiner davon. 

Unser Nachbarland Frank-reich hat Anfang 2018 seine Quellen-steuer auf Ausschüttungen von bisher 30 % auf 12,8 % gesenkt (vgl. Tabelle 2). Das klingt zunächst gut, ist aber in der Praxis noch komplizierter als vorher und macht französische Dividendentitel letztlich unattraktiver. Der Steu-ersatz von 12,8 % gilt nämlich nur für Nicht-Franzosen. Die Wertpapierlagerstellen wissen aber nicht, in welchem Land der Anleger steuerpflichtig ist. Daher ziehen sie weiterhin generell 30 % ab. Davon werden natürlich auch nur die 12,8 % und nicht mehr
15 % auf die deutsche Abgeltungsteuer von 25 % angerechnet. Der Anleger bleibt also zunächst auf den restlichen 17,2 % sitzen. Er muss sich diesen Betrag bei der ausländischen Finanzbehörde selbst zurückholen. Und ausgerechnet in Frankreich ist dieses Verfahren komplizierter als in anderen EU-Staaten. So nehmen die Franzosen den Antrag auf Rückerstattung überhaupt nur an, wenn er über die depotführende Bank eingereicht wird und die deutsche Lager-stelle (Clearstream in Frankfurt) bestätigt, dass die Aktien in einem deutschen Depot verwahrt werden. Dieser Vorgang ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer, denn die Banken lassen sich ihre Dienste stattlich entlohnen (vgl. Tabelle 2). Hat der Anleger dann seine Ansprüche endlich durchgesetzt, dauert es meist Jahre, bis er tatsächlich sein Geld wiedersieht.

Die Rückerstattung der zu viel gezahlten Quellensteuer muss immer bei der Steuerbehörde des jeweiligen Landes beantragt werden. Aber selbst innerhalb der EU gibt es noch immer kein einheitliches Antragsverfahren. Auch gelten je nach Land unterschiedliche Verjährungs-fristen von zwei bis vier Jahren ab Dividendenzahltag. Das Bundeszentralamt für Steuern hat auf seiner Internetseite www.bzst.de unter „Steuern International“ die entsprechenden Formulare und Anschriften aller ausländischen Finanzbehörden zusammengestellt. 


Die Formulare sind jedoch zumeist in der Landessprache oder in Englisch auszufüllen. Auch die wenigen deutschen Erläuterungen sind kaum verständlich und noch dazu unübersichtlich. Das Schweizer Formular lässt sich zwar leicht ausfüllen, allerdings braucht man dafür das Zusatzprogramm „Snapform Viewer“. Nach dem Ausfüllen muss dann zunächst das Formular an das eigene deutsche -Finanz-amt geschickt werden. Dieses muss mit amtlichem Siegel bestätigen, dass der Anleger in Deutschland als Steuerzahler registriert ist. Erst dann kann das Erstattungsformular zusammen mit dem Dividendenbeleg und dem „Tax Voucher“ der Depot-bank an die Schweizer Finanzbehörde verschickt werden. Beim Tax Voucher kassieren einige Banken richtig ab (vgl. Tabelle 1). Erfolgt die Erstattung dann in Regionalwährung, verlangen manche Banken nochmals für den notwendigen Währungs-tausch in Euro eine Gebühr. 

Um diesen Aufwand zu umgehen, sollten Anleger versuchen, über ihre Depotbank einen Antrag auf Voraber-mäßigung zu beschaffen. Dabei wird den Steuerbehörden des jeweiligen Landes vor der Dividenden-auszahlung bescheinigt, dass ein in Deutsch-land ansässiger Investor die Dividende erhält und die Aktien im Inland verwahrt werden. Da der Kunde bei Depoteröffnung ohnehin eine Kopie seines Personalausweises vorlegen muss, um nachzuweisen, dass er als deutscher Staatsbürger gemeldet ist, kann theoretisch jede depotführende Bank diese Bescheinigung ausstellen. Doch wie so oft klaffen auch hier Theorie und Praxis weit auseinander. Viele Institute bieten den Service gar nicht an, andere verlangen dafür extra Gebühren. Und bei manchen Depotstellen muss man dafür eine komplexe DBA-Voll-macht ausfüllen. Die meisten deutschen Banken sind aber inzwischen zumindest bei der US-Steuerbehörde IRS als sog. „Qualified Interme-diary“ registriert und damit berechtigt, für deutsche Anleger auf US-Titel von vornherein nur 15 % Quellensteuer an den amerikanischen Fiskus abzuführen.

Wichtig: Die am Jahres-ende zu viel gezahlte Quellensteuer wird in der Jahressteuerbescheinigung ausgewiesen und kann über die Steuererklärung mit den Erträgen bei einer anderen Bank verrechnet werden. Ist das jedoch nicht möglich, verfällt die Verrechnungsmöglichkeit, denn eine Übertragung ins Folgejahr ist ausgeschlossen.

Anleger sollten ihre depotführende Bank unbedingt auf die ausländische  Quellensteuer ansprechen und abklären, ob und für welche Länder eine Vorabbefreiung oder eine automatische Steuererstattung angeboten wird und wie hoch die Gebühren sind.

 

 

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