Bis vor einigen Jahren waren pflanzliche Alternativen zu Fleisch und Co. nur in ausgewählten Bioläden oder Reformhäusern zu finden. Heute gehören sie in jedem Supermarkt zum Produktsortiment. Seit 2008 verzeichnen vegetarische und vegane Produkte ein jährliches Umsatzplus von 30 % – Anleger können daran mitverdienen. 

Vegan, organic, glutenfrei – Immer mehr Menschen verzichten aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen auf Fleisch oder ganz auf tierische Produkte, achten auf Bio-Siegel oder Fair Trade-Standards. Dem Trend einer bewussten Ernährung müssen auch die Großen der Branche folgen, wollen sie nicht ihre Marktstellung einbüßen. So bietet McDonald‘s bereits seit einigen Jahren einen Veggie-Burger an, erste vegane Produkte finden sich ebenfalls in vielen Stamm-Ländern auf der Speisekarte des Fast-Food-Giganten. Daher kann man sich in Norwegen etwa vegane McNuggets schmecken lassen. In Schweden serviert das Unternehmen den veganen „McFalafel“. Lieferant der Veggie-Patties ist die Nestlé-Tochter Garden Gourmet. Damit spielt auch der Schweizer Lebensmittelgigant im Kampf um Trend-Angebote vorn mit. 

Ebenfalls durch einen Zukauf hat Danone den Eintritt in den Veggie-Markt vollzogen. 2016 erwarb das Unternehmen WhiteWave Foods, die Muttergesellschaft der veganen Marken Alpro, Silk, So Delicious und Vega. Anfang dieses Jahres kündigte Danone zudem Pläne an, milchfreie Alternativen seiner führenden Marken Activia und Actimel zu entwickeln. Den bekannten „Fruchtzwerg“ gibt es darüber hinaus in Bio-Qualität ebenso wie ein Fruchtmus mit kontrolliert angebautem Getreide. 

Die neuen Produkte sind nach Angaben des Unternehmens eine Antwort auf die weltweit wachsende Nachfrage der Verbraucher nach milchfreien und ökologischen Alternativen. Allein mit spezialisierter Nahrung (Bio, vegan, Kleinkindernahrung) generiert das Unternehmen mittlerweile 29 % seines Umsatzes. In das Jahr 2019 ist Danone zwar nur moderat gestartet, das Eigenkapital von 16,34 Mrd. € (per 31. Dezember 2018) dürfte dabei allerdings als stabiles Polster dienen. Den kleinen Kursknick nutzen spekulative Investoren daher, um sich ein paar Stücke in den Einkaufskorb zu legen. 

2017 hatte der Internet-Gigant Amazon mit der US-Firma Whole Foods gleich eine ganze Lebensmittelkette unter sein Dach genommen, die sich auf organische und alternative Produkte fokussiert hat. Kaufpreis: 14 Mrd. $. Whole Foods ist einer der größten Einzelhändler für biologische bzw. frische Lebensmittel. Er setzt seit 1980 eigene Lebensmittelstandards fest, die über die üblichen US-Regulierungen hinausgehen. Neben dem Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe hat sich Whole Foods vor allem einen Namen in
Sachen Tierwohl gemacht. Seit einiger Zeit kann man auch in Deutschland auf amazon.de erste Produkte unter dem Label „Whole Foods Market“ kaufen bzw. vorbestellen: Kürbiskerne, Cashews, Quinoa, Basmatireis, Kokosraspeln, Popcorn-Mais, Sonnenblumenkerne, usw. 

Derweil werden erneut Gerüchte lauter, dass Amazon auch in Europa Supermarktketten übernehmen könnte. Hierzulande beschränkt sich die stationäre Präsenz des Onlinehändlers bislang auf Pop-up-Stores zu Marketingzwecken. Mit Whole Foods und dem Lieferdienst Amazon Fresh nimmt es der Onlinehändler mit der Lebensmittelbranche auf und zeigt damit, welches Potenzial hier schlummert. Wer sich mit dem horrenden Aktienkurs von Amazon (akt. Kurs: 1.823,28 $) nicht den Magen verderben will, schlägt bei ausgewählten Optionsscheinen zu. 

Einer der größten Distributoren des Amazon Whole Foods-Angebots ist die Lebensmittelkette United Natural Foods. Offiziell laufen die Verträge mit dem Online-Giganten noch bis 2025. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in den 1970er Jahren und hat sich seither zu einem der weltweit größten Anbieter von organischen, biologischen, veganen und sogar koscheren Produkten entwickelt. Dazu trug auch die 2,9 Mrd. $ schwere Übernahme des Lebensmittelhändlers Supervalue im vergangenen Jahr bei – geschätzter Jahresumsatz rd. 15 Mrd. $. Doch der Konzern durchläuft seit einigen Jahren eine Seitwärtsbewegung, aus der er sich bislang nicht befreien konnte. Restrukturierungs- und Integrationskosten drückten United Natural Foods zudem in den ersten 6 Monaten des lfd. Geschäftsjahres mit –361,02 Mio. $ in die roten Zahlen. Allerdings konnten sich die Erlöse mit 9,02 (4,99) Mrd. $ fast verdoppeln. Mit einem Eigenkapital von 1,48 Mrd. $ (per. 26. Januar) dürfte die Durststrecke dennoch ohne große Schäden überstanden werden. Darüber hinaus macht die aktuelle Bewertung das Unternehmen zu einem heißen Übernahmekandidaten.

Veggie ist Trend. Da verwundert es kaum, dass Anfang Mai ein Anbieter von Fleischersatzprodukten einen der besten Börsengänge der vergangenen Jahre hingelegt hat. Beyond Meat stellt vegane Produkte her. Genutzt werden dafür vor allem Erbsenproteine. Verkauft werden die Produkte u.a. über die Supermarktkette Whole Foods. 

Die ursprünglich zum Preis von 25 $ ausgegebenen Anteilsscheine haben ihren Kurs innerhalb von nur zwei Tagen verdreifachen können (Akt. Kurs: 79,67 $). Auch wenn inzwischen ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist, reißen sich Anleger nach wie vor um die Aktien des Fleischersatz-Herstellers. Dabei liegt die Bewertung von Beyond Meat jenseits der Vernunft. Das dürfte auch an namhaften Investoren wie Microsoft-Gründer Bill Gates oder Schauspieler Leonardo Di Caprio liegen. Doch bislang scheint die Völlerei kein Ende zu nehmen. Jüngst gab der deutsche Discounter Lidl bekannt, Ende Mai den Veggie-Burger von Beyond Meat in ausgewählten Märkten ins Sortiment aufzunehmen – wenn auch zunächst einmal nur als kurzzeitige Aktion. „Wir beobachten Foodtrends und Innovationen sehr genau und freuen uns, dass wir unseren Kunden als erster Lebensmittelhändler in Deutschland den beliebten Beyond Meat Burger anbieten können“, sagte Jan Bock, Geschäftsleiter für Einkauf bei Lidl Deutschland. Dem Börsenwert von mittlerweile rund 4,6 Mrd. $ stehen lediglich 88 Mio. $ Umsatz und ein operativer Verlust von –19 Mio. $ gegenüber. Dementsprechend sollten Anleger hier erst einmal verzichten und auf eine Normalisierung des Kurses warten.

Ein ehemaliger Investor von Beyond Meat geht aktuell eigene Wege. Der weltgrößte Fleischproduzent, Tyson Foods, startet ab diesem Sommer sein eigenes Angebot fleischloser Burger und Co. CEO Noel White sagte hierzu, dass das Angebot zunächst in begrenzter Zahl produziert wird. Erst im Oktober/November wird mit einem breiten Angebot gerechnet.

Zwar haben sich die Zahlen der Vegetarier und Veganer in den USA in den letzten Jahren stabil gehalten, doch immer mehr US-Bürger binden Fleischersatz-Produkte in ihre Ernährung ein. Derzeit weist der US-Markt für Fleischersatzprodukte ein Volumen von 1,44 Mrd. $ auf. Bis 2023 soll dieser auf bis zu 2,5 Mrd. $ anwachsen. Ein Riesenpotenzial, das sich Tyson nicht entgehen lässt und Anleger ebenso wenig. 

General Mills gehört mit einem Umsatz von 15,7 Mrd. $ in 2018 zu den 500 umsatzstärksten Konzernen der USA und ist der weltweit sechstgrößte Lebensmittelhersteller. Der Konzern hatte zuletzt seine Marken um den Bio-Lebensmittel-Hersteller Annie‘s Homegrown erweitert. Im Portfolio befinden sich u.a. „natürliche“ und biologische Pastas und Snacks. Darüber hinaus investierte das Unternehmen Ende 2018 40 Mio. $ in die vegane Milchmarke Kite Hill. Das in den USA ansässige Unternehmen stellt u.a. Joghurts auf Mandelmilchbasis und pflanzlichen Frischkäse her und vertreibt die Produkte mittlerweile über verschiedene Einzelhandelsketten, z.B. Whole Foods oder Kroger. Insgesamt finden sich die Produkte in über 100 Ländern auf sechs Kontinenten. In den ersten 9 Monaten des lfd. Geschäftsjahres erzielte das Unternehmen mit seinem breit gefächerten Lebensmittel-Angebot Umsätze von 12,7 Mrd. $ und damit gut 7,2 % mehr. Unter dem Strich ging der Gewinn allerdings auf 1,18 (1,78) Mrd. $ zurück. Im Vorjahr hatten sich jedoch steuerliche Sonderfaktoren positiv ausgewirkt. General Mills ist auch weiterhin ein schmackhaftes Investment. 

Hierzulande eher unbekannt dürfte die Hain Celestial Group sein. Das Unternehmen ist führend im Bereich biologischer und alternativer Lebensmittel und verkauft Biomarken wie Plainville Farms, Tilda und Ella‘s Kitchen Babynahrung. Auch Hain Celestial setzt bei seiner Produktvermarktung auf die Amazon-Plattformen. Etwa 40 % der Lebensmittel von Hain Celestial sind „bio“ und 99 % gentechnikfrei. Mit der Übernahme des Vegan-Spezialisten Mona Group weitet das amerikanische Unternehmen seine Geschäfte seit 2015 auch in Europa aus. Die Mona Group bietet insbesondere vegane Joghurts, Tofu und Nachspeisen in Europa und dem Mittleren Osten an. Auch etliche Fleischersatzprodukte fanden sich bislang im Portfolio der Amerikaner. 

Neben einem schwierigen Geschäft auf dem Heimatmarkt belasten aktuell noch Investitionskosten in den digitalen Ausbau. Im Q2 2018/19 gingen die Erlöse daher um 5 % auf 584,2 Mio. $ zurück. Der bereinigte Nettogewinn fiel auf 15,0 (33,6) Mio. $. Mit einem den Aktionären zuzurechnendem Eigenkapital von 1,59 Mrd. $ (per 31. Dezember) dürfte die Phase jedoch zu meistern sein. Darüber hinaus stellt sich Hain Celestials aktuell neu auf. 

Anfang Mai kündigte das Unternehmen an, seine unter der Marke WestSoy geführten Fleischersatzproduktreihe an die Keystone Natural Holdings verkauft zu haben. Der ebenfalls unter dem Markennamen WestSoy geführte vegane Getränkebereich verbleibt demnach bei Hain Celestial. Laut Geschäftsführer Mark L. Schiller handele es sich bei dem Verkauf der Sparte um einen strategischen Schritt, um das eigene Markenportfolio zu fokussieren und somit zugunsten des Unternehmenswertes ein nachhaltiges Wachstum zu generieren. Kursseitig lieferte das Unternehmen zudem bereits eine hervorragende Performance. Daher sollte man sich Hain Celestial auf die Einkaufsliste schreiben. 

Dass die Branche in Bewegung ist, zeigt auch der jüngste Übernahme-Coup. So hat sich ein Konsortium um die Private Equity Firmen PAI Partners und Charles Jobson den niederländischen Anbieter von veganen und biologischen Lebensmitteln, Royal Wessanen, geschnappt. Insgesamt 885 Mio. € bieten die beiden Großaktionäre für den Konzern. Royal Wessanen hat der Übernahme bereits zugestimmt. 

Wenn es um Trends im Bereich Lebensmittel geht, ist das niederländische Unternehmen Royal Wessanen das Mekka der alternativen Produkte. Das 1765 gegründete Unternehmen hat sich bereits Anfang der 2000er auf die Herstellung und Vermarktung „gesunder“ und alternativer Lebensmittel fokussiert. Die breite Produktpalette umfasst vegetarische und vegane Brotaufstriche wie auch Bio-Tees und Bio-Kaffee oder -Schokolade. In den vergangenen Jahren konnte Wessanen mit kontinuierlichen Zuwachsraten punkten. Zuletzt machte dem Unternehmen allerdings die wachsende Konkurrenz zu schaffen. Dennoch lag der Gewinn im Geschäftsjahr 2018 nach Steuern bei stabilen 36 Mio. €.

Veggie, Bio und Co. ist Trend. Die Großen der Branche haben dies bereits erkannt und bieten attraktive Renditen für das gute Gewissen. Mit den entsprechenden Aktien deckt man daher den (Depot-) Tisch ein. 

 

 

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