In seinen ersten beiden Ausgaben 2019 hat der ES das Aktienjahr 2018 sowohl fundamental als auch charttechnisch unter die Lupe genommen und einen Ausblick für das aktuelle Börsenjahr gegeben. Damit ist es an der Zeit, auch das ES-Musterdepot auf den Prüfstand zu stellen. Mit einer Jahresperformance von –14,32 % konnte es 2018 zwar sowohl den DAX (–18,3 %) als auch den MDAX (–17,61%) und den SDAX (–20 %) schlagen, zufriedenstellend ist das Ergebnis jedoch nicht. Auch 2019 müssen Anleger davon ausgehen, dass die geopolitischen Risiken stärker auf die Aktienmärkte durchschlagen als in den Vorjahren. Daher gilt es, Schwankungen besser zu nutzen. Und auch im Musterdepot wird umgebaut.

Der jahrelange stabile Aufwärtstrend fand 2018 ein jähes Ende. Alle wichtigen weltweiten Indizes verabschiedeten sich mit deutlichen Kursverlusten aus dem Jahr. Zum Teil wurden sogar gleich jahrzehntelange Negativ-Rekorde gebrochen. Die Hintergründe für das Börsendesaster beleuchteten wir ausführlich in den ersten beiden ES-Ausgaben des Jahres 2019, ebenso wie die Chancen. Denn fundamental sieht es nicht einmal so schlecht aus, wie es die Schwarzseher immer wieder gerne prophezeien. Das Konjunkturwachstum dies- und jenseits des Atlantiks ist immer noch gesund. Und die wichtigen Notenbanken dieser Welt werden einen Teufel tun, diese Wirtschaftsstabilität zu gefährden. Dies wurde bereits allseits signalisiert. Zwar hat sich nach den Boomjahren auch in Deutschland das Wachstum zuletzt deutlich verlangsamt, nichtsdestotrotz sind die Auftragsbücher laut dem Statistischen Bundesamt hierzulande unvermindert voll. Zusätzlich entspannte sich die Lage im Handelskonflikt zwischen den USA und China deutlich.

Selbst charttechnisch sehen Experten einen Silberstreif am Horizont. Demnach eignen sich vor allem im Januar und Februar die ausgebombten Kurse hervorragend zum Aufbau von Aktienpositionen. Für die Monate März bis September sieht die Markttechnik sogar eine mehr oder weniger stabil nach oben laufende Bewegung. 

Trotz dieser Hoffnungsschimmer dürfte es in 2019 sehr volatil zugehen. Jede Negativmeldung oder Schwächephase wichtiger Wirtschaftsdaten wird sofort das Rezessionsgespenst an den Märkten wieder umhergeistern lassen. Die makroökonomischen und politischen Baustellen, wie Brexit und Shutdown in den USA, werden immer wieder für Verunsicherung sorgen. Anleger müssen somit deutlich flexibler agieren. Entsprechend brechen wir im Musterdepot mit alten Traditionen. War das Aktiendepot bisher auf Langfristigkeit ausgerichtet, werden wir nunmehr schneller umschichten. Die eine oder andere Aktie wird daher möglicherweise nur noch eine kurze Verweildauer im Musterdepot haben. Langfristig angelegte Restrukturierungsstorys werden noch stärker auf den Prüfstand gestellt. Zudem werden künftig auch Absicherungsstrategien gefahren. Denkbar wäre hier z.B. die Investition in Gold. 

Um die Volatilität und somit das Momentum an den Märkten besser zu nutzen, wird die Liquidität als Steuerungsgröße stärker eingesetzt. Angesichts der stetigen Unternehmensgewinne wird aber weiterhin auf Aktien als Hauptinvestment gesetzt, allerdings mit mehr Beimischungen. Technologie steht dabei an der Spitze der bevorzugten Sektoren, zumal diese Branche in den vergangenen Monaten stark unter die Räder kam. Daher schalten wir jetzt wieder bei einem alten Bekannten zu. Die Aktie des Streamingdienstleisters Netflix war schon in der Vergangenheit im Musterdepot und wurde in ES 4/17 mit einem stattlichen Kursgewinn von seinerzeit 56 % wieder verkauft. Die vor Kurzem angekündigte Preiserhöhung dürfte sich bei der Profitabilität deutlich bemerkbar machen und der Aktie Schub verleihen. Diesmal gehen wir im Musterdepot mit einem Netflix/HSBC-Call-OS auf Sendung.

Während wir bei den Restrukturierungsstorys K+S und ErlingKlinger (siehe Tabelle unten) endgültig auf die Bremse treten, könnte Bilfinger im aktuellen Geschäftsjahr den Krisenmodus endlich verlassen. Konzernlenker Tom Blades hat den Motor des Industriedienstleisters kräftig hochgefahren. Nach Korruptions- und Schmiergeldaffären tüftelte der Manager insbesondere an einem neuen Compliance-Programm. Mit Erfolg! Seit Dezember wird der Konzern nicht mehr von der US-Aufsicht überwacht. Zugleich schraubte Blades an einem neuen Geschäftsmodell. Die am 14.02. geplanten vorläufigen Geschäftszahlen für 2018 sollten den Startschuss geben. Auch die jüngsten Insiderkäufe deuten bei Bilfinger auf höhere Kurse hin. Wir verbilligen unseren Einstand nochmals mit dem Zukauf von 100 Aktien. Ebenso gibt derzeit die Aktie von Siltronic grünes Licht für ein Engagement bei einem der weltweit führenden Hersteller für Siliziumwafer. Auch das Papier von Cisco hat zur Wendung angesetzt. Die Digitalisierungsfantasie ist ungebrochen stark. Daher stücken wir den Bestand an dem Netzwerktechnikspezialisten um 100 Aktien auf.

Zahlreiche Chancen liegen auf der Straße. Viele Baustellen konnten jedoch 2018 an der Börse nicht abgeschlossen werden und blockieren auch im aktuellen Geschäftsjahr die Kursrally. Im ES-Musterdepot werden wir uns darauf einstellen und kurzfristiger agieren.

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