Die deutschen Logistik- und Transport-aktien befinden sich angesichts der Brexit-Gefahren, des Handelsstreits zwischen den USA und China und einer sich abkühlenden Binnenkonjunktur in schwierigem Fahrwasser. Doch die Branche ist besser als ihr Ruf. 

Für den Wirtschaftszweig, der in Deutschland auf Platz drei hinter der Automobilindustrie und dem Handel rangiert, sieht es lt. einer Studie von Euler Hermes gar nicht schlecht aus. So kann die Transport- und Logistikbranche für 2019 mit steigenden Warenströmen rechnen, vor allem weil die deutschen Unternehmen im lfd. Jahr wieder eine steigende Exportrate erzielen dürften. Es wird ihnen eine Steigerung um über 60 Mrd. $ zugetraut. Deutschland befindet sich somit in guter Gesellschaft mit China (+146 Mrd. $), den USA (+134 Mrd. $) und Indien (+71 Mrd. $), die alle in 2019 vom Welthandel profitieren werden. Für Deutschland spricht die zentrale Lage mitten in Europa. Außerdem entwickeln die Logistiker und Transportunternehmen ihre digitale Infrastruktur ständig weiter, auch wenn dabei nach wie vor Unterstützung vom Bund weitgehend fehlt.

Mit dem Beginn der Elbvertiefung Mitte des Monats beginnt für den Hamburger Hafen (HHLA/ISIN: DE000A0S8488) nach 16 Jahren endlich eine neue Zeitrechnung. Nachdem die Hanseaten inzwischen auf Platz 3 hinter Rotterdam und Antwerpen in der Rangfolge der europäischen Häfen abgerutscht waren, war es nun nach allen politischen und gerichtlichen Querelen auch allerhöchste Eisenbahn. Großcontainer sollen künftig mit einem zusätzlichen Meter Tiefgang die Elbe befahren können und damit ihre Kapazitäten erhöhen. Allein dadurch ergibt sich für den Hafen ein zusätzliches Umschlagspotenzial von rd. 3 Mio. TEU (Standardcontainer) jährlich. Insgesamt soll das Infrastrukturprojekt 2021 abgeschlossen sein. Der gesamte Güterumschlag des größten deutschen Hafens hat sich in 2018 zunächst um 1 % auf 135 Mio. Tonnen verringert. Ebenfalls um 1 % war der wichtige Containerumschlag auf 8,7 Mio. TEU gesunken. 

HHLA will wieder angreifen und investiert bis 2025 insgesamt 1 Mrd. €. 350 Mio. € fließen dem Intermodal-Segment zu, also dem Wechsel der Güter vom Wasser auf die Schiene – ein Bereich, in dem der Konzern europaweit führend ist. Hinzu kommen die beiden Terminals in Tallinn und Odessa. Sie sind für Konzernchefin Angela Titzrah wesentliche Bestandteile, um auch an der neuen chinesischen Seidenstraße mitzuverdienen (s. ES 48 u. 49/17), abseits der Handelskonflikte zwischen den USA und China.

Durch die Elbvertiefung und die hohe Investitionsbereitschaft wird es HHLA gelingen, nicht den Anschluss zu verlieren. Die Aktionäre werden derweil mit einer Dividendenrendite von rd. 4 % bei Laune gehalten. 

Nach dem größten deutschen Seehafen folgt der größte deutsche Flughafen auf dem Investorenradar. Am Drehkreuz Frankfurt mit der Betreibergesellschaft Fraport (ISIN: DE0005773303) ist die Zahl der Fluggäste zum Jahresauftakt 2019 weiter gestiegen. Im Januar wurden 4,65 Mio. Passagiere abgefertigt, ein Plus von 2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Ohne streik- und witterungsbedingte Flugausfälle hätte das Wachstum etwa 4,3 % betragen. Auch die internationalen Beteiligungsflughäfen laufen überwiegend gut. Die Zahl der Flugbewegungen stieg um 2,3 % auf 37.676 Starts und Landungen. Das Cargo-Aufkommen
entwickelte sich zunächst im vergangenen Monat um 4,3 % auf 163.332 Tonnen rückläufig. Nichtsdestotrotz ist Frankfurt die unangefochtene Nr. 1 unter den hiesigen Frachtflughäfen. Insgesamt zählt der Flughafen Frankfurt zu den Knotenpunkten mit den meisten Verbindungen in Europa. Als stabile und hohe Einnahmequellen haben sich bereits seit Jahren Parkgebühren, Immobiliendienstleistungen und die Bewirtschaftung von Shoppingflächen am Frankfurter Flughafen bezahlt gemacht. Neben dem Standort Frankfurt verfügt Fraport über lukrative Beteiligungen an anderen deutschen und ausländischen Flughäfen (u.a. in Brasilien, Türkei, Griechenland). „Die richtige Musik spielt mittlerweile im Ausland“, so Finanzchef Matthias Zieschang.

Analysten rechnen für 2018 mit einer Ebitda-Marge von 34 %. Mit Blick auf das Bewertungsniveau der Fraport-Aktie, die relative Krisensicherheit des Geschäftsmodells und langfristig interessanten Wachstumschancen sollte das eine oder andere Aktienticket geordert werden.

Zwischen dem Flughafen Frankfurt und der größten deutschen Fluggesellschaft Lufthansa (ISIN: DE0008232125) gibt es seit Jahren bereits eine Hassliebe. Der Vorstandschef Carsten Spohr ist unzufrieden mit der Qualität in Frankfurt, deren Ursache er unter anderem in der Überlastung der Infrastruktur dort sieht. Trotzdem lässt die Airline ihre Maschinen auch in Zukunft vom Betreiber Fraport abfertigen. Ein Vertrag über weitere sieben Jahre wurde erst Ende 2018 geschlossen. Dazu gehören diverse Dienstleistungen, wie z.B. das Be- und Entladen der Maschinen, die Gepäck- und Frachttransporte oder der Bustransfer der Passagiere. Die Airlines der Lufthansa haben im Januar die Zahl der beförderten Fluggäste um 4,8 % auf 9,1 Mio. gesteigert. Das Frachtangebot legte um 7,0 % auf 1,3 Mio. Tonnen zu. Bei der Lowcost-Tochter Eurowings stiegen die Passagierzahlen zum Jahresauftakt mit 8,3 % auf 2,3 Mio. mehr als doppelt so stark wie in der gesamten Lufthansa-Gruppe. Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines begrüßten mit rund 6,7 Millionen 3,7 % mehr Fluggäste als ein Jahr zuvor. Alle drei Fluggesellschaften verzeichneten ein weiter starkes Wachstum an den Drehkreuzen Zürich und Wien. Die Ankündigung des Reiseveranstalters Thomas Cook, sich von seinen Fluggesellschaften trennen zu wollen, stößt bei Lufthansa auf reges Interesse. Die Gelegenheit ist günstig. Durch den Brexit werden die Karten zwangsläufig neu gemischt. Lt. Branchenkreisen ist die Kranich-Airline insbesondere an Condors Langstrecke interessiert. „Wir haben mit der Eurowings bewiesen, dass wir uns in diesem Segment gut entwickeln können, daher werden wir uns genau anschauen, welche Ansätze es hier geben könnte“, so Vorstandsmitglied Harry Hohmeister. An Möglichkeiten, auch anderswo neue Investitionen auszuloten, scheint es nicht zu mangeln. Die Insolvenzen der vergangenen Monate haben deutlich gemacht, dass es viele Fluggesellschaften in Europa gibt, die in dem harten Wettbewerb nicht bestehen können. 

Die Lufthansa hat sich bereits eine gute Vormachtstellung am Himmel aufgebaut und dürfte nach wie vor zu den Profiteuren einer weiteren Branchenkonsolidierung zählen. Dazu gesellt sich eine spannende charttechnische Ausgangslage. Nachdem die Bodenbildung abgeschlossen ist, scheint nun die nachhaltige Trendumkehr mit dem Sprung über die Marke von 22,70 Ä gelungen zu sein. Bei diesem Kurs errechnet sich immer noch eine solide Dividendenrendite für die Aktionäre.

Reichlich Tiefgang wies leider in den letzten Monaten auch die Aktie der weltweit fünftgrößten Containerreederei Hapag Lloyd (ISIN: DE000HLAG475) aus. Nach der Übernahme des arabischen Wettbewerbers UASC in 2017 setzt Vorstandschef Rolf Habben Jansen nun auf ein drastisches Sparprogramm, um sich von der drückenden Schuldenlast zu befreien. Weitere 350 bis 400 Mio. $ sollen jährlich bis 2023 eingespart werden. Auf der anderen Seite wird der Vertrieb über das Internet ausgebaut. 15 % der Container sollen ab 2023 per Onlineauftrag auf die Reise gehen, derzeit sind es rd. die Hälfte. Investitionen in neue Schiffe sind derzeit nicht notwendig, weil UASC 17 moderne Mega-Containerschiffe als Mitgift in die Übernahme mit eingebracht hatte.  

Im Geschäftsjahr 2018 lief es für Deutschlands größte Containerreederei nach ersten Zahlen dank Kosteneinsparungen durch die USASC-Fusion besser. Das Ebit zog um 8 % auf 443 Mio. € an. Positiv wirkten sich weltweit höhere Transportmengen und bessere Frachtraten in der 2. Jahreshälfte aus. Die Konzernerlöse stiegen um 15 % auf 11,5 Mrd. €. Lediglich die Ebit-Marge ließ mit 3,8 (4,1) % noch zu wünschen übrig. 

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat sich bisher nicht negativ ausgewirkt, im Gegenteil. Es kam im 2. Halbjahr 2018 eher zu einem Vorzieh-Effekt. Das könnte im 1. Halbjahr 2019 zu einem leichten Dämpfer führen. Immerhin haben sich die Ölpreisrisiken etwas abgeschwächt und Frachtraten stabilisiert. 

Die steigende Risikoaversion der Anleger aufgrund des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits ist übertrieben. Die fundamentale Lage der Branche ist nach der Konsolidierungswelle besser als 2015 und die Aussichten für die kommenden Jahre noch besser. Die Hapag Lloyd-Aktie dürfte bald wieder in ruhigeren Gewässern unterwegs sein, deshalb an Bord bleiben.

Die Dt. Post (ISIN: DE0005552004) als eines der größten Logistikunternehmen weltweit ist in 220 Ländern aktiv. Dank des E-Commerce-Booms ist das Paket-Geschäft der Bonner in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Doch der wichtigste Kunde Amazon (rd. 18 % des Paketvolumens) hat mittlerweile die Daumenschrauben angezogen und sorgt für Preisdruck in der Branche, da der US-Konzern inzwischen lieber auf Billig-Konkurrenten der Post wie Hermes setzt. Bei der Otto-Tochter sollen die Preise 15 % niedriger sein. Darüber hinaus richteten die Amerikaner neben den Packstationen der Dt. Post eigene Abholstationen in deutschen Großstädten sowie ein eigenes Zustellsystem ein. DHL musste daher gegenüber Amazon deutliche Zugeständnisse machen. Um die steigende Menge zu bewältigen und konkurrenzfähig zu bleiben, muss der Konzern 100 Mio. € in das Paketnetz, die Technik und Fahrzeuge investieren. Die Kosten sind explodiert, und das Ergebnis hat extrem gelitten. Vorstandschef Frank Appel hat in 2018 einen Sparkurs mit Stellenstreichungen und der Sanierung der Paket- und Briefsparte eingeleitet. Zuletzt wurde bekannt, dass offenbar die Zusammenlegung der eigenen Paketzustellung mit der Billigtochter Delivery geplant ist. Dieser Schritt soll dem Unternehmen dabei helfen, die Kosten deutlich zu verringern. Als Stütze könnte sich das Briefgeschäft erweisen. Die bereits geplante Portoerhöhung der Post für Briefe soll jetzt wohl erst im Sommer kommen und deutlich stärker angehoben werden als bislang erwartet. Das wird die Ergebnisrendite der Dt. Post aufpäppeln.

Der E-Commerce-Boom sorgte beim DAX-Konzern zunächst für Kursfantasie. Leider kann die Dt. Post ergebnisseitig aber nicht liefern, darüber tröstet in diesem Falle auch nicht die kontinuierliche Dividendenzahlung hinweg, die zudem noch an der Substanz knabbert.

Wer einen heißeren Reifen fahren möchte, der kann auch den Bestandshalter von Logistikassets wie Güterwagen und Containern sowie Wechselbrücken (austauschbare Ladungsträger, die sich auf verschiedene Trägerfahrzeuge montieren lassen), Aves One (ISIN: DE000A168114) auf die Agenda nehmen. In 2019 werden die Effekte der teilweisen Übernahme der französischen Nacco-Gruppe erstmals für ein ganzes Jahr sichtbar. Die Transaktion könnte für einen zusätzlichen jährlichen Umsatzschub von 37 Mio. € sowie einen Ebitda-Zuschuss von rd. 28 Mio. € sorgen. Für 2018 wird bei den Hamburgern zunächst bei Erlösen von 77,02 Mio. € der Breakeven erwartet. Angesichts der enormen Abschreibungen und des negativen Zinsergebnisses dürfte der Nettogewinn dann bei etwas über 4 (–35) Mio. € landen (Bilanzzahlen im April).

Mit einem Streubesitz von nur rd. 22 % steht die Aktie nicht so stark im Anlegerfokus. Möglicherweise kommt es für den weiteren Unternehmensausbau auch noch zu einer Kapitalerhöhung. Wer es spekulativ mag, der sichert sich hier schon einmal ein paar Stücke, bevor der Logistikkonzern von anderer Seite auch entdeckt wird. 

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