Wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung muss die UBS in Summe 4,5 Mrd. Euro berappen, der Aktienkurs rauschte 2018 um
32 % in den Keller, der Vorstand wird auf der Generalversammlung nicht entlastet – der CEO Sergio Ermotti streicht dennoch umgerechnet 12,58 Mio. Euro an Jahresgehalt ein. Auch in Deutschland haben die Vorstandschefs der DAX-Konzerne trotz stagnierender Gewinne in 2018 mehr verdient. Im Durchschnitt zahlten die 30 größten deutschen Unternehmen ihren Top-Managern 5,5 Mio. Euro, wie aus einer aktuellen Analyse der hkp-group hervorgeht. Dafür wurden die aktuellen Geschäftsberichte der 71 in den Börsenindizes STOXXEurope 50 und EuroSTOXX 50 geführten Unternehmen aus 11 Ländern ausgewertet. 

Europaweit bekamen die Vorstandsvorsitzenden 2018 im Durchschnitt 6,4 Mio. Euro an Vergütung, ohne Altersversorgung und Nebenleistungen. Das sind 7,8 % mehr als noch 2017, wobei oftmals Sonderbezüge die Werte nach oben treiben. So ist der CEO des belgischen Brauereikonzerns Anheuser-Busch InBev, Carlos Brito, mit einer Direktvergütung von 32,7 Mio. Euro Europas Top-Verdiener unter den Managern. Er profitierte dabei von einem Programm, mit dem der Konzern die eigene Führungsriege langfristig binden will. Allein 25,2 Mio. Euro stammen aus diesem ao Aktienoptionsprogramm. Auf Platz 2 des Gehaltsrankings folgt der Chef von Roche, obwohl sich sein Einkommen gegenüber 2017 mit 12,5 Mio. Euro nicht änderte. Auf dem dritten Platz im Ranking der Bestverdiener folgt der Vorstandsvorsitzende des Mode- und Accessoires-Konzerns Kering, der erst 2018 in den STOXX aufgestiegen ist. Die geringsten CEO-Bezüge in diesem elitären Kreis finden sich bei ING Group und Glencore mit 1,8 bzw. 1,2 Mio. Euro, wobei der CEO von ING aufgrund eines strafrechtlichen Verfahrens und der Chef von Glencore jeweils freiwillig auf ihre variablen Vergütungen verzichteten.

Die höchsten Vorstandsgehälter in Europa werden somit in der Schweiz gezahlt, gefolgt von Spanien und Deutschland. Steve Angel, Vorstandschef des Industriegasekonzerns Linde, erhielt im vergangenen Jahr satte 55,8 Mio. Euro und ist damit Spitzenverdiener im DAX. Allein 41,4 Mio. Euro davon sind Boni und Pensionsansprüche, die wegen der Fusion von Linde mit Praxair sofort zur Auszahlung fällig wurden, obwohl der Manager dafür nicht einmal seinen Arbeitgeber wechseln musste. Fast 24 Mio. Euro strich der inzwischen ausgeschiedene Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich in seinem letzten Amtsjahr ein. Damit zahlte der DAX-Konzern die höchste Vergütung aller Zeiten. 

Im Branchenvergleich werden die höchsten Direktvergütungen in der Konsumgüterindustrie und im Gesundheitswesen gezahlt. Nach dem Rückgang der Vorstandsgehälter in der Bankenindustrie während der Finanzkrise ziehen diese schon seit Jahren kontinuierlich wieder an, obwohl die Branche noch längst nicht über den Berg ist. Bei den Managerbezügen jedoch scheint die Krise ausgestanden, in den Führungsetagen stiegen die Bezahlungen erneut um 5,7 % gegenüber 2017.

Bei den Aufsichtsrats-/Verwaltungsratsvorsitzenden ziehen nach rückläufigen Entwicklungen in den letzten beiden Jahren die Vergütungen ebenfalls wieder kräftig an. Für das Geschäftsjahr 2018 lässt sich gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg der durchschnittlichen Gesamtvergütung um 11,8 % feststellen. Auch hier bilden die Schweizer mit deutlichem Abstand die Spitze im europäischen Vergleich. So liegen die UBS mit 4,9 Mio. Euro, Roche mit 3,9 Mio. Euro, Nestlé mit 3,5 Mio. Euro und Novartis mit 3,3 Mio. Euro jenseits des Durchschnittswertes von 0,9 Mio. Euro. In Deutschland kassierte Paul Achleitner als Chefaufseher der Deutschen Bank mit unverändert 800.000 Euro die höchsten Bezüge. Obwohl von Aktionären immer wieder sein Rücktritt gefordert wird, sitzt Achleitner noch in zwei weiteren Aufsichtsgremien. Insgesamt kommt er dadurch auf 1,18 Mio. Euro an Aufsichtsratsgeldern. 

Für derart hohe Summen erbringen Europas Manager nicht unbedingt bessere Leistungen, stecken dafür aber tapfer einmal im Jahr die harsche Aktionärskritik auf der Hauptversammlung weg oder gar die eigene Nicht-Entlastung.

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