Egal, wohin der Flug geht, das Flugzeug stammt mit großer Wahrscheinlichkeit entweder von Airbus oder von Boeing. Sie sind die unangefochtenen Herrscher im Reich der Lüfte. Dabei bauen beide ihre Flieger gar nicht selbt, müssen sie auch nicht. Durch ihre Machtstellung bestimmen sie, wer in der Flugbranche mitspielen darf und zu welchen Konditionen. So lässt z.B. Boeing über 70 % seiner Montage für die 787 fremdfertigen. Und Airbus baut nur 4 % seines Prestigeob- jekts A380 selbst in Toulouse zusammen. Wer im Geschäft bleiben will, muss sich mit Boeing oder Airbus einigen.

Seit einiger Zeit jedoch rollt eine Übernahme- und Fusionswelle durch die Zulieferindustrie, die diese Machtverhältnisse verschieben könnte. Unternehmen schließen sich zusammen, um der Übermacht der Flug- zeughersteller etwas entgegenzusetzen. So übernahm im April der Hersteller von Navigationssystemen, Rockwell Collins Inc., den Kabineneinrichtungsspezialisten B/E Aero- space für 8,6 Mrd. $. Im Juni kaufte der Triebwerkshersteller Safran SA die Zodiac Aerospace SA für 7,7 Mrd. $. Das tosendste Brandungsgeräusch der Welle aber gab es nun mit der Ankündigung des Mischkonzerns United Technologies (UTC), die Rockwell Collins Inc. für 30 Mrd. $ übernehmen zu wollen. United Technologies (u.a. Pratt & Whitney-Triebwerke) hatte bereits 2012 durch den Kauf des Bremsanlagenherstellers Goodrich (ca. 17. Mrd $) die Branche aufhorchen lassen. Entschiedene Gegner dieser Fusion sind Airbus und Boeing, denen an einer Konzentration der Zulieferer nicht gelegen sein kann. Bei einem Jahresumsatz von 62 Mrd. $ würde das neue Unternehmen zu seinen Großkunden Airbus (80 Mrd. $) und Boeing (96 Mrd. $) aufschließen und ein unbequemer Verhandlungspartner werden, der die Preise mitbestimmen kann. „Wir bezweifeln, dass diese Fusion im Interesse unser Kunden und der Branche ist“, heißt es dann auch dazu aus der Boeing-Zentrale in Seattle. Und Airbus-Chef Tom Enders wettert: „Jeder unserer Zulieferer hat eine höhere Rendite als wir.“

Doch es geht nicht allein ums Geld, es geht um die Vorherrschaft der Lüfte. Noch im vergangenen Jahr konnten Airbus und Boeing die mögliche Fusion zwischen UTC und Honeywell International erfolgreich torpe- dieren. Allein die Anrufung der Kartellbehör- den dürfte jetzt jedoch nicht ausreichen. Schließlich handelt sich es bei der jüngsten UTC-Expansion um eine vertikale Erweite- rung, die den Markt nicht verengt. Lobbyismus, Schmutzwäsche und Juristen müssen nun her. Und auch wenn sich Airbus und Boeing plötzlich in seltener Einigkeit zeigen, auch zwischen ihnen ist der Kampf um die Luftherrschaft noch nicht entschieden.