Im September war zu lesen, dass Norwegens Staatsfonds erstmals ein Vermögen von mehr als einer Billion Dollar verwaltet. Damit hat der Staat für jeden Norweger 188.679 Dollar (ca. 160.000 Euro) angespart. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum die Norweger das glücklichste Volk der Welt sind. Deutschland dagegen steht mit etwa 2 Billionen Euro in der Kreide, das sind 25.000 Euro Schulden für jeden Bundesbürger. Und 2030 wird jeder zweite Rentner ein Sozialfall sein. 

Zwar hat Saudi Arabien weit mehr Öleinnahmen als das kleine Norwegen, aber rund die Hälfte der Energiereserven verballern die Araber für den Lebensstandard einer kleinen reichen Oberschicht. Die norwegische Regierung in Oslo darf dagegen pro Jahr nur 4 % aus dem Staatsfonds ausgeben. Denn eigentlich ist das Fondsvermögen für die Zeit nach dem Ende des Öl-Booms gedacht. Sprudelnde Ölquellen hatten Norwegen einst reich gemacht. In letzter Zeit bescherte das Rohstoffgeschäft aber immer weniger Einnahmen. Tausende Jobs hat der Ölpreissturz schon gekostet. Zudem sind die Gas- und Ölreserven der Nordsee endlich. 

Weil eine derart große Abhängigkeit von Öleinnahmen nicht nur angesichts der stark schwankenden Preise auf dem Weltmarkt auf lange Sicht gefährlich ist, hatte sich das Land 1990 entschieden, die Gewinne aus der staatlichen Ölförderung in einen staatlichen Spartopf zu stecken. Die Einnahmen des Landes werden so als Staatsvermögen global in Aktien, Anleihen und Immobilien angelegt. Norwegen ist damit an 9.000 Unternehmen in 77 Ländern beteiligt und hält 1,3 % der global umlaufenden Aktien. 

Der norwegische Staatsfonds ist der größte staatliche Fonds weltweit. Dabei gibt es ihn erst seit 20 Jahren. Er besteht aus zwei Teilfonds (staatlicher Pensionsfonds Norwegen und staatlicher Pensionsfonds Ausland), die im Jahr 2006 zusammengeführt wurden. Formell ist das norwegische Finanzministerium Eigner des Fonds, aber eigentlich ist es die Bevölkerung des kleinen skandinavischen Landes. Denn der Fonds investiert die Einnahmen aus der staatlichen Ölförderung am Kapitalmarkt, um für schlechtere Zeiten vorzusorgen. Er ist weitgehend vor Zugriffen des Staates geschützt und veröffentlicht sein Fondsvermögen transparent und Realtime im Internet unter https://www.nbim.no/en/.

Norwegens Konzept sollte daher von den großen Industrienationen aufgenommen werden. Dabei geht es nicht darum, ob ein Land Rohstoffreserven besitzt oder nicht. Deutschland z.B. generiert einen Großteil seiner Einnahmen über den Export, der eine starke Wirtschaft zugrunde liegt. Aber das Vermögen des Volkes wird zu wenig für das Volk eingesetzt. Schulen und Kindergärten verkommen von Jahr zu Jahr mehr und müssen zunehmend privat finanziert werden, ebenso wie die Altersvorsorge. In den letzten Jahren hat das Ungleichgewicht hierzulande sogar noch zugenommen. Der Armutsbericht 2016 dokumentiert diese alarmierende Entwicklung. Er ist ein Armutszeugnis für die deutsche Politik und eine Unverschämtheit gegenüber den Steuerzahlern.

Tatsächlich wurde das Thema Staatsfonds im Wahlkampf von einigen Politikern aufgegriffen, um damit evtl. künftige Rentenlücken zu schließen. Dafür müssten sie jedoch zunächst einmal auch die regulatorischen und steuerlichen Voraussetzungen schaffen. So fehlen bisher sämtliche steuerliche Anreize für das kapitalbildende Alterssparen. Im Gegenteil! Aktionäre werden hierzulande wie profitgierige Zocker behandelt. Mit Solvency II, MiFID II oder das Anfang 2018 in Kraft tretende Investmentsteuergesetz wird das Aktiensparen weiter erschwert und die Anforderungen für die Anbieter komplexer. Dabei verdankt Norwegens Staatsfonds seinen enormen Vermögenszuwachs gerade dem hohen Aktienanteil. Daher soll dieser von derzeit 65 % auf 70 % hochgefahren werden. Deutschlands größter Vermögensanleger, die Allianz, war dagegen zum 30.06.2017 mit gerade mal 8,16 % am Aktienmarkt investiert. 

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum die Norweger das glücklichste Volk der Erde sind, während die Deutschen als eine der reichsten Nationen nur Platz 16 belegen.