Wer kennt sie nicht, die Schuldenuhr. Seit 1987 zeigt sie im Sekundentakt die deutsche Staatsverschuldung an. Ende 2016 standen
2.005.641.000.000 Euro Schulden auf der Uhr. Das macht für jeden Bundesbürger 24.407 Euro Nettoschulden. Allein an Zinsen kostet das den Staat jedes Jahr fast 20 Mrd. Euro. 

Doch dank der gut laufenden Wirtschaft sprudeln auch die Steuer- und Beitragsquellen reichlich. Über Strafzinsen für Sparer und Negativrenditen für Bundesanleihen lässt sich zusätzlich gutes Geld verdienen, sodass die Gesamtschulden seit 2015 schon wieder langsam sinken. Allein „im Jahr 2016 ergab sich für das Schuldenwesen des Bundes und seine Sondervermögen eine Entlastung aus negativen Zinsen in Höhe von knapp 1,2 Milliarden Euro“, so ein Sprecher des Finanzministeriums. Und erstmals in ihrer Geschichte tickt nun sogar die Schuldenuhr des Bundes rückwärts. Seit Ende 2017 sinkt der Schuldenstand um 78 Euro pro Sekunde und liegt damit schon knapp unter 1,973 Bill. Euro. Das sind 2,9 % oder 58,4 Mrd. Euro weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Schon im Oktober 2017 wurden für den Bundeshaushalt und sein Sondervermögen insgesamt Kredite im Volumen von 14,4 Mrd. Euro aufgenommen und 18,1 Mrd. Euro an fälligen Krediten getilgt. Dadurch hat sich der Schuldenstand bis zum 31. Oktober 2017 um 3,7 Mrd. Euro auf 1.085,9 Mrd. Euro reduziert (vgl. Tabelle). 

Es verwundert nicht, dass mit 44,8 % der größte Anteil der Schuldtitel auf 10-jährige Bundesanleihen entfällt, gefolgt von den 30-jährigen Bundesanleihen mit 18,7 % und den Bundesobligationen mit einem Anteil von 18,5 %. Schließlich sind die langlaufenden Bundesanleihen und -obliga-tionen die mit Abstand wichtigsten Finanzierungsinstrumente, da diese fast durchweg im Minus rentieren. Ihre Käufer müssen zahlen, der Staat kassiert. Inzwischen bedienen sich auch immer mehr Bundesländer dieser Mittel, sodass ihre Verbindlichkeiten ebenfalls deutlich sinken. Nach aktuellen Erhebungen planen nur Rheinland-Pfalz, Bremen und das Saarland mit einer Nettoneuverschuldung am Kreditmarkt. Die anderen 13 Länder wollen ihre Haushalte entweder ohne Neuverschuldung finanzieren oder sogar weiter Altschulden tilgen. Insgesamt summiert sich die geplante Netto-Tilgung aller Länder auf knapp 2,5 Mrd. Euro. Am meisten tilgt Bayern, das seinen Schuldenberg um 1,5 Mrd. Euro reduzieren will. 

Die Bundesbürger sind eben nicht nur brave Steuerzahler, sondern entschulden als Sparer und Anleger auch noch Bund und Länder.