Während sich die deutschen Einzelhändler wie alle Unternehmen derzeit mit der Umsetzung der europäischen DatenschutzGrundverordnung (DSGVO) rumschlagen, überrollt der Internetriese Amazon den Lebensmittelhandel. Auswertungen von One Click Retail zeigen, dass Amazon in Deutschland allein im ersten Quartal 2018 Lebensmittel im Wert von 65 Mio. Euro über seine Plattform verkauft hat. Das sind 33 % mehr als im Vorjahresquartal. Damit ist Deutschland gemessen am Umsatz im Lebensmittelhandel der wichtigste Markt für den Konzern in Europa. Erst danach folgt Großbritannien mit Quartalsverkäufen im Volumen von umgerechnet 52 Mio. Euro. 

„Amazon ist eine Kampfmaschine“, sagt Rewe-Chef Lionel Souque anerkennend und resigniert zugleich. Und in der Tat: Nachdem der US-Onlinehändler in Berlin, Potsdam, Hamburg und München seinen Lieferdienst „Amazon Fresh“ gestartet hat, läuft hierzulande bereits ein Viertel aller Lebensmittelverkäufe im Netz über Amazon. Allerdings wird die größte Menge davon immer noch über den Schnelllieferdienst „Amazon Prime Now“ und über Dritthändler auf dem „Amazon Marketplace“ vertrieben. Von den großen deutschen Einzelhandelsunternehmen betreibt nur Rewe einen annähernd bundesweiten Lieferdienst, der immerhin in 75 Städten zustellt. Edeka liefert über seine Tochter Bringmeister in Berlin und München aus. Aldi und Lidl meiden den Onlinehandel mit Lebensmitteln komplett. Während die deutschen Händler unter der Papierflut der DSGVO verzweifelt nach Luft schnappen, bestücken die Amerikaner die Regale.

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