„Das ist unser Geld“, titelte der ES in Ausgabe 12/18 und prangerte an, dass die Deutsche Bank trotz des dritten Jahresverlustes in Folge für 2017 an ihre Mitarbeiter insgesamt 2,275 Mrd. Euro an Boni auszahlt. Doch der Altlasten-Sumpf ist noch viel tiefer: 

Vor einem Jahr bezifferten der damalige Deutsche Bank-Chef John Cryan und sein Vize Christian Sewing das Netto-Volumen der Altlasten aus dem Investmentbanking auf 60 Mrd. Euro. Diese setzen sich hauptsächlich aus Kreditausfallversicherungen („Credit Default Swaps“, CDS), hypothekenbesicherten Wertpapieren sowie Aktienderivaten zusammen. Obwohl schon immer hoch risikobehaftet, waren die Händler „immer an diesen Trades interessiert, weil sie sofort ihre Boni bekommen haben. Die Bank blieb dann auf diesen Positionen sitzen“, so ein Ex-Aufsichtsrat gegenüber dem britischem Magazin „International Financing Review“. Allem Anschein nach wurden also alle Erträge aus diesen Geschäften sofort verbucht und dafür dann auch direkt Boni ausbezahlt. Egal, welche Laufzeit die Papiere hatten und ob sie unterm Strich tatsächlich Rendite für die Bank abwarfen oder nicht. So laufen manche der Papiere noch mindestens bis 2030, liegen aber in der Bilanz wie Blei, weil sie nicht mehr handelbar sind. Die Deutsche Bank muss daher dieses risikobehaftete Portfolio mit sehr viel Kapital hinterlegen – durchgerechnet mit etwa 4 bis 5 Mrd. Euro Eigenkapital. Auch wenn dies nicht an der Liquidität der Bank zehrt, ist es totes Kapital, das keine Rendite abwirft. Sein Wert entspricht rd. einem Zehntel des gesamten harten Eigenkapitals der Bank und mehr als der Hälfte jener 8 Mrd. Euro, die von der Deutschen Bank bei der letzten Kapitalerhöhung im April 2017 von ihren Aktionären zur Eigenkapitalstärkung eingesammelt wurden. Cryan gab zu, dass ohne dieses Portfolio die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank im Investmentbanking regelmäßig um 2 Prozentpunkte höher ausfallen würde. Dennoch lehnte er den beschleunigten Abbau der Altlasten ab, weil dann die Verluste der Bank noch höher ausfielen, was wiederum zu Lasten der Boni ginge. Ob Sewing hier durchgreift, ist fraglich. Schließlich war er nach der Finanzkrise zunächst als Chef der Revision und dann als Rechtsvorstand bereits dafür zuständig, die Altlasten der Investmentbanker aufzuräumen – ohne Erfolg.

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