ES: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Börsengang vor gut zwei Monaten?

Wir sind mit dem IPO sehr zufrieden. Wir haben die finanziellen Mittel für das geplante Wachstum vollumfänglich einsammeln können. Zudem erfahren wir durch die Notierung eine deutlich höhere Aufmerksamkeit, nicht nur am Kapitalmarkt, sondern auch bei Kunden und bei der Mitarbeitergewinnung. Und ich denke, auch die Aktionäre können sehr zufrieden sein, liegen unsere Kurse doch merklich oberhalb des Ausgabepreises.

ES: Serviceware ist Anbieter von Softwarelösungen für den sog. „Enterprise Service Management (ESM) Markt“. Wie erklären Sie Ihr Geschäftsmodell?

Einfach gesagt: Mit unseren Softwarelösungen können Unternehmen ihre Serviceprozesse digitalisieren. Bislang – man glaubt es vielleicht kaum – werden diese Prozesse und die Erfassung der damit verbundenen Kosten auch in Großunternehmen häufig mittels Tabellenkalkulation abgebildet. Wir bieten hingegen eine integrierte Softwareplattform an, die vom Serviceprozess über die Kostensteuerung und -analyse bis zur vor Ort Einsatzplanung der Servicekräfte alles digital abbildet. Damit steigern Unternehmen die Qualität und Effizienz ihres Services und senken die Kosten. Es geht also um die Zufriedenheit der Kunden, ein zentraler Schlüssel für den Unternehmenserfolg.   

ES: In welchen Branchen findet man Kunden von Serviceware? 

Wir haben über 500 Kunden aus den verschiedensten Branchen. Aber gerade auch große Unternehmen setzen verstärkt auf Lösungen zur Kundenzufriedenheit und Kos-tentransparenz. So hat Serviceware allein 9 DAX-Unternehmen sowie 4 der 7 größten Gesellschaften hierzulande als Kunden.  

ES: Gibt es Großkunden oder Branchen, von denen eine Abhängigkeit besteht? 

Mit den 5 größten Kunden haben wir im vergangenen Jahr rd. 8 % unseres Umsatzes abgerechnet. Rund 60 % des Umsatzes des vergangenen Jahres waren zudem wiederkehrende Umsätze. Serviceware verfügt damit über eine sehr stabile und breite Kundenbasis.  

ES: Welche Wachstumstreiber sehen Sie?

Die Zufriedenheit des Kunden ist ein zentraler Faktor für die Kundenbindung und die Abgrenzung zu Mitbewerbern. Diese Einsicht setzt sich immer stärker durch, die Unternehmen suchen verstärkt nach Softwarelösungen. Denn Digitalisierung ist der Treiber des ESM-Marktes und damit auch ein wichtiger Treiber für unser Wachstum.  

ES: Mit welchen organischen Wachstumsraten rechnen Sie auf Sicht der kommenden 3 bis 5 Jahre?

Der Markt selber wird nach Schätzungen von Gartner zwischen 2017 und 2021 um durchschnittlich rd. 11,8 % wachsen – pro Jahr wohlgemerkt! Wir wären aufgrund unserer Marktposition und der Qualität unserer Softwareplattform einigermaßen unzufrieden, wenn wir dies als Messlatte nehmen müssten. Da haben wir merklich ambitioniertere Ziele. 

ES: Wie stellt sich die Wettbewerbssituation dar? 

Der ESM-Markt rückt jetzt immer stärker in den Fokus der Unternehmen. In Europa hat Serviceware eine herausgehobene Position, denn wir sind das einzige Unternehmen, das eine modulare, integrierte Plattform anbietet, die Service Management, Financial Management sowie Field und Customer Service Management vereint. Global haben wir zwei Wettbewerber, die größer sind als wir. Aber auch dort können wir punkten, indem einzig unsere Plattform dieses breite Spektrum abdeckt.   

ES: In welchen Ländern wollen Sie zukünftig bevorzugt aktiv werden? 

Beim internationalen Roll out unserer Plattform sind aktuell im allerersten Schritt Spanien, Niederlande/Belgien und Skandinavien für uns interessant. Kurzfristig sollen dann Großbritannien, Italien und Frankreich folgen.   

ES: Nach welchen Kriterien würden Sie potenzielle M&A Targets auswählen? 

Wir kennen die Branche natürlich sehr gut und haben auch bereits einige interessante Targets im Blick. Unser oberstes Ziel ist jedoch ganz klar, unsere Plattform durch Zukäufe zu ergänzen und eventuell noch Cross Selling Potenziale zu heben. Unsere Aktivitäten gestalten sich auch recht vielversprechend, aber natürlich werden wir keine Kaufpreise zahlen, die so hoch sind, dass eine Akquisition keinen Wert für unser Unternehmen und unsere Aktionäre generiert. Aber ich bin in dieser Hinsicht sehr optimistisch.

ES: Wie haben sich die Geschäfte bisher in 2018 entwickelt? 

Wir sind mit dem Geschäftsverlauf sehr zufrieden. Im ersten Quartal, das im Einfluss des Börsengangs stand, haben wir den Umsatz und das Ergebnis gesteigert und zudem Erfolge bei der Großkundengewinnung in Deutschland und Skandinavien erzielt. Die Zahlen für das 2. Quartal sind für Juli angekündigt. Ich gehe davon aus, dass der Kapitalmarkt nicht enttäuscht sein wird.   

ES: Und wie sieht Ihre mittelfristige Prognose aus?  

Wir haben hierzu bisher keine Prognose veröffentlicht, aber es ist klar: Wir wollen die sich bietenden Wachstumschancen nutzen. Serviceware verfügt dafür über eine hervorragende Ausgangsbasis, eine exzellente Produktpalette und eine breite Kundenbasis mit namhaften Großkunden. In 5 Jahren wollen wir in einem schnell wachsenden Markt die europäische Marktführerschaft weiter gefestigt haben und was danach kommt, wer weiß… Weil wir von den ausgezeichneten Perspektiven überzeugt sind, sind unser CEO Dirk Martin und ich als die beiden Gründer von Serviceware mit jeweils 30 % am Unternehmen beteiligt und wollen auch langfristig engagiert bleiben.

ES: Neben den Chancen auf Kursgewinne ist auch die Dividende ein wichtiges Investitionskriterium. Auf welche Dividendenpolitik dürfen sich Ihre Anleger für die Zukunft einstellen? 

Das lässt sich kurz beantworten: Serviceware ist auf lange Sicht ein Wachstumstitel – kein Dividendentitel. Wir wollen das zum Börsengang eingeworbene Geld für unsere Expansionsstrategie nutzen und nicht unmittelbar wieder an die Investoren ausschütten. Denn jetzt gilt es, Marktchancen zu nutzen.

ES: Herr Popp, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

 

 

paidContent: 19117 contentPage: 79