ES: Auf Ihrer Internetseite steht: „SEVEN PRINCIPLES (7P) hat eine Mission:

Wir liefern Ihnen innovative IT-Lösungen, helfen Ihnen, Ihr Unternehmen nachhaltiger und digitaler zu gestalten und begleiten Sie in der digitalen Transformation.“ Das klingt wie bei hundert anderen Anbietern auch. Warum also soll ich als Kunde zu 7P kommen? 

Vielleicht sind Sie ja schon Kunde von 7P, ohne es zu wissen. Sie bestellen z.B. per App ein Essen und lassen es per Kurierdienst liefern. Sie bezahlen dann per Smartphone und haben damit, ohne es zu wissen, die Komplettlösung von 7P genutzt. Diese gesamten Prozesse der Verwaltung und Logistik liegen nämlich bei uns. Oder noch ein Beispiel: Sie wollen mit Ihrem Smartphone irgendwo auf der Welt bei Ihrer Bank ein Tagesgeldkonto eröffnen, dann machen Sie das höchstwahrscheinlich über das von 7P entwickelte sog. Videoident-Verfahren. 

Eine der am meisten genutzten Apps in Deutschland ist die eines großen Logistikunternehmens, mit dem der Kunde seine Waren im Internet nachverfolgen kann. Diese Applikation stammt von 7P, ebenso wie die, mit der Sie Ihre Telefonrechnung von einem bekannten Telekommunikationsanbieter oder von einem Stromanbieter digital abrufen können. Oder wenn Sie mit Ihrem Smartphone im Haus Musik hören und vom Dachboden bis zum Keller und in den Garten gleichbleibend guten Internetempfang haben, dann steuert 7P mittels intelligenter Netze dies für Sie, ohne dass Sie es merken. 

ES: Aber ich bin nicht direkt Ihr Kunde? 

Nein, unsere Kunden sind die großen Konzerne, die ich Ihnen leider namentlich nicht nennen darf. Denn viele dieser Unternehmen möchten Sie als Kunde glauben lassen, dass Sie alles aus einer Hand bekommen. Aber ich kann Ihnen sagen, dass von den 30 DAX-Konzernen 21 unsere Kunden sind.  

ES: Sie haben sich auf die Branchen Telecommunication, Automotive, Energy und Travel, Transport & Logistics fokussiert. Gibt es eine Kernbranche?

Aus der Historie heraus war es die Telekommunikation. Zunehmend nutzen wir die Best Practices dieser Branche zur Umsetzung von Digitalisierungsprojekten, die in der Regel nicht branchenspezifisch sind. Bald kommt die neue Mobilfunkgeneration 5G auf den Markt. Wir werden unser Know-how allen unseren Kunden branchenübergreifend zur Verfügung stellen, damit sie die Vorteile von 5G nutzen können.

ES: Wie viele Kunden haben Sie und wie lange laufen Ihre Verträge?

Das ist sehr schwer zu sagen, da wir mit vielen Kunden nur einzelne Projekte abwickeln. Mit Großkunden wie den DAX-Konzernen haben wir langfristige Verträge, die eine Laufzeit von bis zu 10 Jahren haben. Projekte bei mittelständischen Kunden bewegen sich eher in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten. Für ein Online-Portal entwickeln wir z.B. eine Applikation für Fußballfans, die noch in dieser Saison aktuelle Ergebnisse auf allen Smartphones in allen Sprachen verfügbar machen wird. Die Entwicklung dauert ca. neun Monate, dazu kommen bis zu drei Jahre Gewährleistung.

Wir bauen kontinuierlich unser Portfolio aus und investieren auch in Blockchain-Know-how, IoT, Industrie 4.0 und Cybersecurity. Dabei arbeiten wir u.a. sehr eng mit dem Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) zusammen. Das sind die großen Themen der Zukunft, die uns weiterhin gut bei Großkunden und im Mittelstand positionieren werden.

ES: Das hört sich alles toll an. Warum aber bleibt so wenig Profit unterm Strich? 

Wir haben am 5. Juni dieses Jahres unser 20-jähriges Jubiläum gefeiert. Bis 2011 war 7P ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Die Ebit-Marge lag bis dahin bei 7 % p.a. Aber dann drängten immer mehr indische und osteuropäische Konkurrenten auf den Markt, und 7P hat zu lange gebraucht, sich entsprechend neu auszurichten. 2014 hat unsere Firma dann 12 Mio. € Verlust geschrieben, das war der Tiefpunkt. 7P musste sich völlig neu aufstellen, denn man wollte 2021 die Break-Even-Schwelle wieder erreichen. Alles wurde in Frage gestellt und neu strukturiert: das Management, das Portfolio, die Partneransätze, Kundenverträge, die Projektbewertungen. 2015 wurden dann die vielen Tochtergesellschaften, die alle eigene Mitarbeiter und sogar eigene Systeme hatten, auf die 7P AG verschmolzen. Dies alles hat größere Investitionen erfordert, auch in neue Systeme, in Prozesse und Personal. Ich hatte damals schon eine „Null-Server-Strategie“ ausgerufen und alles auf die Cloud gesetzt. Das war richtig. Es waren aber auch harte Einschnitte. Zwei Kapitalerhöhungen waren notwendig, die überwiegend von Johannes Mohn, unserem Aufsichtsratsmitglied und Ankeraktionär, gezeichnet wurden.

ES: Resultiert daraus die hohe Beteiligung Ihres Hauptaktionärs Johannes Mohn, der 85 % der Anteile hält? 

Genau! Herr Mohn besaß vor den Kapitalerhöhungen 30 % der Anteile, heute besitzt er 85 %. Zudem hat er damals auch die Aktien aufgenommen, die von anderen Investoren abgestoßen wurden. 

ES: Damit sind von den 3.770.662 7P-Inhaberaktien nur 15 % im Free Float. Das sind gerade einmal 565.599 Aktien. Soll das so bleiben?

Wir werden das inzwischen oft gefragt, denn nun sind wir wieder ein attraktives Unternehmen. Unsere Aktie ist unterbewertet und damit wieder für andere Investoren interessant. Da wir aber in Zukunft stärker in Wachstum investieren wollen, denken wir auch über weitere Kapitalmaßnahmen nach. Dann könnte jeder Interessent Aktien am Markt zeichnen. 

ES: Ihre Aktie ist unterbewertet? Wo sehen Sie den fairen Wert der 7P-Aktie? 

Bei mindestens 25 €.

ES: Oh, das ist ein Wort!

Ich kenne unsere Stärke und unseren inneren Wert. Aber es ist auch kein Geheimnis, dass wir bereits vor ca. einem Jahr Übernahmeangebote zu 15 € je Aktie erhalten haben. Und da lag 7P noch in der Verlustzone. Jetzt machen wir wieder Gewinn, der Turnaround ist in vollem Gange.

ES: Welches Ziel haben Sie als Vorstand für die 7P?

Mein Vertrag wurde dieses Mal nicht um drei, sondern um fünf Jahre verlängert. Bis 2022 möchte ich 7P zur Premiummarke führen. Mein Ziel ist eine Ebit-Marge von 8 % in 2020. 

ES: Und wie sieht es mit Dividende aus?

Eine Ausschüttung ist vorläufig nicht geplant, dafür ist es noch zu früh. Wir reinvestieren zunächst weiter in unser Unternehmen und damit in Wachstum. Schließlich soll unser Erfolg nachhaltig sein. 

ES: Herr Kronfli, wir danken Ihnen für die interessanten Einblicke und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

paidContent: 20191 contentPage: 79