Sie war „sein Mädchen“, bevor sie ihren Ziehvater Helmut Kohl fallenließ und sich selbst an die Spitze der CDU und schließlich des Staates katapultierte. Seitdem galt Angela Merkel nicht nur als mächtigste Frau Deutschlands, sondern auch Europas, wenn nicht sogar weltweit. Die CDU-Chefin und Kanzlerin hielt stets das Heft des Handelns in der Hand. Wer ihr gefährlich wurde, musste gehen. Nun geht sie selbst – Angela Merkel gibt den Vorsitz als CDU-Chefin auf, bevor ihre Gegner sie feuern. Doch welches Erbe hinterlässt sie? Die AfD sitzt seit der Hessen-Wahl in allen 16 Landesparlamenten, im Bund ist sie gleichauf mit der SPD. Im Deutschen Bundestag ist die AfD Oppositionsführerin und treibt die Volksparteien vor sich her. Und das, obwohl es Deutschland nach 13 Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel und 18 Jahren CDU-Vorsitz wirtschaftlich so gut geht wie lange nicht. Merkel manövrierte Deutschland sicher durch die Finanzkrise. Bei ihrer Amtsübernahme 2005 lag die Arbeitslosenzahl bei nahe fünf Millionen, heute bei weniger als der Hälfte. Doch die Menschen fühlen sich nicht heimisch in ihrem Land. Den Anspruch, Deutschland eine gewichtigere Rolle in der Welt zu verschaffen, löste Merkel nicht ein. Und beim Management der Flüchtlingskrise hat sie schlichtweg versagt, der Staat verlor die Kontrolle. Seither spaltet die Flüchtlingspolitik die Bürger, entfremdet sie mit den Volksparteien und mit ihrem eigenen Land. 

Nun zieht Angela Merkel die erste Konsequenz: Sie gibt ihren CDU-Parteivorsitz auf und kündigt das Ende ihrer Kanzlerschaft an. Aber wer wird ihr Nachfolger? Der Provokateuer Jens Spahn oder die Merkel-Vertraute Kramp-Karrenbauer? Die meiste Ahnung von Wirtschaft hat sicherlich der Ex-Europaabgeordnete und Finanzexperte der Unionsfraktion, Friedrich Merz, den Merkel 2009 kaltstellte. Wichtig nur: Das Zeichen der neuen Ära darf nicht mehr die Raute sein!

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