Seit Ende Januar geht das nun schon so: In der „Financial Times“ werden dem Zahlungsabwickler Wirecard Betrug und Manipulation vorgeworfen, der Aktienkurs knallt weg. Wirecard wehrt sich gegen die Anschuldigungen, der Kurs erholt sich wieder ... bis die nächste Veröffentlichung alles zunichte macht. Die Marktteilnehmer sind verunsichert und fragen sich: Ist was dran an den Vorwürfen? Und wer wusste was? Während es auf die erste Frage noch keine Antwort gibt, hat die Staatsanwaltschaft schon am Anfang ihrer Ermittlungen mitgeteilt, dass „ein Aktienkaufinteressent“ bereits vor Veröffentlichung von dem Zeitungsbericht erfahren habe. Es handele sich dabei aber um keinen Leerverkäufer. Diese Spekulanten leihen sich Aktien eines Unternehmens, um sie am Markt zu verkaufen und später zu einem niedrigen Preis zurückzukaufen. Sie geben dann dem Verleiher das Geld zurück und streichen die Differenz ein. Da diese Strategie einen Kursabfall stark beschleunigen kann, verbot die BaFin erstmals während der Finanzkrise sog. ungedeckte Leerverkäufe. Das Verbot beschränkte sich aber auf Aktien von Unternehmen der Finanzmarktbranche. Die Behörde folgte damit der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC, die Aktien-Leerverkäufe von 799 Unternehmen für 10 Tage verbot. Auch in Großbritannien, Irland, der Schweiz und in Australien gab es damals ähnliche Restriktionen. 

Wie die BaFin mitteilt, ging die negative Berichterstattung zu Wirecard mit dem verstärkten Aufbau von Leerverkaufspositionen einher. Wer also wusste noch Bescheid? Die Behörde zieht zum ersten Mal bei einem Einzeltitel die Notbremse und verbietet für zwei Monate Spekulationen auf fallende Aktienkurse bei Wirecard. Richtig so!

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