Die Zukunft des Mobilfunks beginnt jetzt! In der Vorwoche erläuterte der ES ausführlich, wie der neue Mobilfunkstandard 5G den genetischen Code der digitalen Welt verändern wird. Der Aufbruch ins digitale Neuland bietet ungemein lukrative Investmentchancen – eine Auswahl!

5G stellt für zahlreiche Konzerne eine wahre Sonderkonjunktur dar. So dürfte allein schon der Netzausbau in den kommenden Jahren Milliarden an Euro verschlingen. Gleichzeitig wird 5G technologische Innovationen und Entwicklungen hervorbringen, die wir heute noch gar nicht erahnen und die mit dem neuen Standard überhaupt erst möglich sind. Alle großen Zukunftsthemen von „Autonomen Fahren“ über „Internet der Dinge“ bis hin zu „Industrie 4.0“ stehen dank 5G vor dem nächsten großen Evolutionssprung.

Zu den großen Profiteuren zählen allen voran Netzwerkausrüster wie Ericsson und Nokia. Letztere gelang in den vergangenen Jahren erfolgreich die Metamorphose vom einstigen Handy-Pionier zum weltweit agierenden Netzwerkausrüster. „Nokia verfügt über ein sogenanntes Ende-zu-Ende Portfolio für 5G, d.h. wir können nicht nur die Funknetze bauen, über die „Endgeräte“ wie Smartphones, Sensoren, aber auch Fahrzeuge, Maschinen angebunden sind. Wir bauen genauso die Kernnetze der Netzbetreiber, die Transportnetze, die Cloud-Technologie und bieten auch Software, Beratung und Services an. 5G ist weit mehr als nur ein Funknetz. Die Netzarchitektur (der Aufbau des Netzes) ist ein anderer. Das wird häufig unterschlagen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Sie benötigen eine leistungsfähige Glasfaser-Infrastruktur, um die Daten aus dem 5G-Funknetz entsprechend weitertransportieren zu können. Dieses umfassende Portfolio ist eines der Alleinstellungsmerkmale von Nokia“, so 5G-Chefarchitekt Volker Ziegler ggü. dem ES. Nokia kann inzwischen 36 kommerzielle 5G-Deals vorweisen. In den USA setzen die Netzbetreiber AT&T und T-Mobile USA auf Nokia. Aber auch in anderen sog. Lead-Märkten, wie etwa Südkorea und Japan, vertrauen die Netzbetreiber auf die Technologien der Finnen, erklärt Ziegler weiter. „Wir kooperieren mit Chipherstellern wie Qualcomm und Intel, aber auch mit vielen Netzbetreibern, Industrieunternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen weltweit. Gerade bei 5G ist es wichtig, dass wir gezielt auch mit den Anwenderunternehmen arbeiten, denn bisherige Mobilfunkgenerationen waren vor allem für die Konsumenten und deren Bedarf ausgelegt. Im industriellen Umfeld betreten wir sozusagen Neuland.“ Auf der Hannover Messe Anfang April baute Nokia zusammen mit dem Technologiepartner Qualcomm ein 5G-Netz für gleich mehrere Industrieunternehmen auf. „Die 5G-Arena auf der Hannover Messe 2019 war das weltweit erste industrielle 5G-Campusnetz in dieser Größenordnung und mit dieser Anwendungsvielfalt.“

Die jüngsten Quartalszahlen von Nokia sorgten zunächst jedoch für eine große Enttäuschung (vgl. ES 18/19). Trotz des Verlustes im Quartal steht Nokia zu seinen Jahreszielen.„Die Wettbewerbsintensität hat sich leicht erhöht, da einige Wettbewerber versuchen, in der frühen 5G-Aufbauphase kommerziell aggressiver aufzutreten. Zudem bewerten einige Kunden ihre Anbieter im Hinblick auf Sicherheitsbedenken, was kurzfristig Druck ausübt, aber längerfristig Gelegenheiten schafft“, so CEO Rajeev Suri. Dennoch vernetzen sich Anleger spekulativ mit der Nokia-Aktie.

American Tower (ATC) passt hervorragend in die neue globale digitale Landschaft. Der US-Konzern agiert als neutraler Anbieter von Telekommunikationsinfrastruktur und betreibt weltweit mehr als 170.000 Masten. Das Geschäftsmodell ist einfach, wie genial. ATC baut Anlagen zur Drahtloskommunikation (z.B. Funkmasten) auf und vermietet sie dann an alle poten-zi-ellen Inter-es-senten. In Deutschland gelang dem Unternehmen 2012 durch die Übernahme von ca. 2.000 Standorten von E-Plus recht zügig der Markteintritt. „Das Unternehmen treibt hierzulande das weitere Wachstum aktiv voran“, erklärt Philipp Riederer, Geschäftsführer von American Tower Deutschland im ES-Interview am Standort in Ratingen. So steht der Konzern im ständigen Dialog mit den großen Mobilfunkkonzernen Dt. Telekom, Vodafone oder Telefonica, um die zahlreichen Funklöcher in Deutschland zu stopfen. Allerdings erklärt uns Riederer auch die Besonderheit auf dem deutschen Markt. „Während es in den USA ganz normal ist, Sendetürme von „Neutral hosts“ errichten zu lassen und anzumieten, und das gesparte Kapital dann lieber für einen umfassenderen Netzausbau einzusetzen, setzen die deutschen Operator vorrangig auf einen Eigenausbau und binden so im Vergleich zu den USA aber auch im internationalen Vergleich viel Kapital in einer maßgeblichen Phase des Ausbaus. Der Vergleich des Anteils unabhängiger Anbieter in den USA (über ¾) und in Deutschland (unter 10 %) zeigt, dass sich die Mobilfunknetzbetreiber hier noch schwer tun mehr auf neutrale Anbieter zu setzen“, so Riederer weiter. Der strenge Zeitplan der Bundesnetzagentur zum Ausbau der 5G-Netze kann den Beitrag von ATC Germany als unabhängigen Anbieter noch wertvoller erscheinen lassen. Besonders interessant dürfte der Markteintritt von United Internet (UI) für ATC Germany sein. Schließlich fängt der Mobilfunkkonzern bei Null an und muss seine gesamte Netzinfrastruktur neu aus dem Boden heben. Und wer UI-Vorstandschef Dommermuth kennt, weiß genau, dass der Manager mögliche Partner bereits gründlich sondiert und möglicherweise auch schon bei ihnen angeklopft hat. Hierzu möchte sich Riederer jedoch nicht äußern. 

Spannend ist zudem der Vorstoß von ATC Germany, mit den Bundesländern, Landkreisen und Gemeinden in den verschiedenen Regionen Gespräche zu führen. Um die sogenannten „Weißen Flecken“ in seinem Kreis auszufüllen, arbeitet z.B. der Landkreis Rhein-Neckar-Odenwald in einem Pilot-Projekt mit ATC Germany zusammen. Zweifelsfrei wird 5G die sog. „Connected Cities“ befeuern. ATC kooperiert in vielen Ländern bereits heute schon mit Unternehmen wie Signify oder Citybeacon, einem Hersteller smarter Infokioske (Touch-Terminals). Zusammen haben ATC und Signify z.B. mit mehreren Auszeichnungen gewürdigte smarte Straßenlaternen entwickelt. Diese können je nach Einsatzgebiet die klassischen Antennen ersetzen. Pilotprojekte laufen bereits in Paris oder Daytona (USA). Ein Blick auf die Bilanz von ATC zeigt, das Geschäft läuft glänzend. Entsprechend kennt der Kurs nur eine Richtung. Als REIT (Real Estate Investment Trusts) nimmt der Konzern darüber hinaus eine Sonderstellung ein (Quellensteuer beachten!). Anleger halten daher die Verbindung stabil!

Zum erlesenen Kreis der 5G-Profiteure zählen ganz klar auch Halbleiterkonzerne und somit unser Musterdepot-Wert Infineon. Denn es besteht kein Zweifel daran: ohne Halbleiter läuft in der 5G-Welt nichts! „5G ist nicht einfach eine Weiterentwicklung von 4G. Der neue Mobilfunkstandard wird vieles überhaupt erst möglich machen“, erklärt Uwe Rüddenklau von Infineon, verantwortlich für den Bereich Radio Frequency. Überall wo es um einen hohen Datenaustausch und die Übertragung in Echtzeit geht, wird 5G die Anwendungen beflügeln. „Die neue Technologie liefert schließlich gleich mehrere wesentliche Vorteile gegenüber 4G.“ Die größten sind sicherlich geringerer Stromverbrauch und höhere Sicherheitsanforderungen. 

Als weltweite Nr. 1 im Bereich Leistungshalbleiter nimmt Infineon eine besondere Rolle ein. Dabei muss man wissen: Leistungshalbleiter werden überall dort eingesetzt, wo es um Strom geht. Neben Produkten zur Stromversorgung für Basisstationen und Endgeräte, liefert Infineon RF-Lösungen als Teil der Antenne sowie Sicherheitslösungen. Wie in ES 16–17/19 skizziert, investieren die Mobilfunkkonzerne schon heute viel, um etwa das LTE-Netz noch weiter auszubauen. Der Netzausbau für den 5G-Standard wird nochmals hohe Investitionen fordern. Rüddenklau geht davon aus, dass es in den nächsten Jahren „eine Art Potpourri aus den jeweiligen Standards geben“ wird. Bekanntermaßen haben auch die Kunden aus der Industrie angekündigt, ihr eigenes Netz aufzubauen. Gut für Infineon! „Je mehr ausgebaut wird, desto mehr Halbleiter werden benötigt“, so Rüddenklau. Seiner Meinung nach werden viele Kunden aus der Industrie (vor allem Automobilhersteller) ihre Pläne eines eigenen Netzes auch in die Tat umsetzen. Das Modell dürfte so aussehen: „Die Netze können zwar von z.B. einer Dt. Telekom oder Vodafone aufgebaut werden, Eigentümer ist jedoch das jeweilige Unternehmen.“ 

„5G kann auch helfen, Internet ohne Kabel oder Glasfaser zum Endverbraucher nach Hause zu bringen. Mit den herkömmlichen Standards war dies in einigen Gegenden bislang gar nicht möglich. Auch wenn diese Methode nicht flächendeckend eingesetzt werden kann, ist sie für die sog. „Last Mile“ ein interessanter Lösungsansatz“, so Rüddenklau. Infineon kooperiert bereits mit zahlreichen Unternehmen, um 5G-Technologien voranzutreiben. Gerade das große Thema „Internet of Things“ wird 5G laut Rüddenklau deutlich vorantreiben. Im Automobilbereich verfolgt Infineon ebenfalls zahlreiche Partnerschaften. So sind die Münchener auch bei den aktuellen Tests auf der A9 in Bayern in Sachen Autonomes Fahren mit an Bord. Infineon ist mit seinen Halbleitern bei allen genannten wichtigen Zukunftsthemen dabei. Die ohnehin schon starken Perspektiven für Infineon werden durch 5G nochmals befeuert. Kaufen!

Neben Halbleiter wird es auch auf die Sensoren ankommen. Schließlich gewährleisten nur Sensoren ein reibungsloses Zusammenspiel der verschiedenen Technologien. Neben den zahlreichen US-Herstellern (siehe Tabelle Seite 3) lohnt sich zweifelsfrei ein Blick auf die deutsche First Sensor. „5G ist eine notwendige Grundlage, um das „Internet der Dinge“ und mit ihm Visionen wie Industrie 4.0, E-Health oder Autonomes Fahren, die auf voranschreitender digitaler Vernetzung basieren, zur Realität werden zu lassen“, erfährt der ES von Vorstandschef Dr. Dirk Rothweiler.

„First Sensor nutzt die langjährige Expertise in Chip Design und Production sowie Microelectronic Packaging um Standardsensoren und kundenspezifische Sensorlösungen in den Bereichen Photonics, Pressure und Advanced Electronics zu entwickeln. Für den Poly-Transceiver ist es uns gelungen, optische und elektronische Funktionalitäten zu verbinden. Das erhöht nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern schafft auch deutliche Kostenvorteile gegenüber bisherigen Herstellungsverfahren. Bei erfolgreicher Markteinführung des Poly-Transceivers ab 2020 erwarten wir einen jährlichen Umsatz in Millionenhöhe.“

Soeben meldete First Sensor einen Q1-Umsatzanstieg auf rd. 41 Mio. € (+20 %). Das Ebit soll dabei 4 (1,77) Mio. € erreicht haben (Q1-Zahlen: 14. Mai). Anleger tasten sich bei dem Small Cap First Sensor weiter vor.

Das Zusammenspiel der Netzwerkausrüster, Halbleiter- sowie Sensorenhersteller wird die digitale Welt verändern. Die Basis dafür ist jedoch 5G. Investieren lohnt sich!

 

 

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