Laut Umweltbundesamt gibt es keine klimaschädlichere Art sich fortzubewegen als das Fliegen. Es gilt als der Klimakiller schlechthin, noch vor dem Autoverkehr. Flugzeuge setzen beim Verbrennen von Kerosin große Mengen an CO2, aber auch andere Gase frei. Diese legen sich um die Erde. Wird ihre Konzentration zu hoch, kann die eintreffende Sonneneinstrahlung nicht mehr ausreichend entweichen. Der natürliche Treibhauseffekt, der zunächst wie ein Schutzschild für die Erde wirkt, wird extrem verstärkt und führt zur unerwünschten Oberflächenerwärmung. Wie also halten es Diejenigen mit dem Fliegen, die klimafreundliches Reisen predigen?

Diskutiert wird viel unter den Politikern: über den CO2-Preis, die Einführung einer Kerosinsteuer und die Abschaffung von Subventionen für den Flugverkehr. Über alle Partei-grenzen hinweg ist man sich einig, dass Fliegen unattraktiver werden muss, damit die Leute eher in die Bahn steigen. Deutsche Ministerien und Behörden aber haben selbst rund 230.000 Inlandsflüge jährlich auf dem Klimakonto. Die Abgeordneten des Bundestages legten allein 2018 rund 9,08 Mio. Meilen (ca. 16,8 Mio. Kilometer) mit dem Flugzeug zurück – 1,68 Mio. Meilen mehr als noch im Jahr davor. Ein großer Teil dieser Strecke wurde zwischen Berlin und Bonn abgeflogen, wo immer noch sechs Ministerien ihren Hauptsitz haben. Die Verbindung von Bonn nach Berlin ist somit die am meisten frequentierte Route im innerdeutschen Flugverkehr. Eurowings, Easyjet und Ryanair bieten allein im aktuellen Sommerflugplan rund 1,2 Mio. Sitzplätze auf dieser Strecke an. Hauptnutzer ist ausgerechnet das Bundesumweltministerium. Dabei könnten die Abgeordneten für diese Strecke gut die Bahncard 100 nutzen, die sie zusammen mit dem Mandat gratis bekommen. 

Die meisten Mitglieder des Bundestages nutzen das Flugzeug aber auch für Reisen in ihren Wahlkreis oder für Ortstermine in ihren Fachbereichen. Dabei weiß heute jeder, dass Kurzstreckenflüge durch die häufigen Starts und Landungen besonders klimaschädlich sind. Umgerechnet ist jeder der 709 Parlamentarier im vergangenen Jahr somit durchschnittlich 13.000 Meilen geflogen, was einer Flugstrecke von Frankfurt nach Singapur und zurück entspricht. Diese Meilen schlagen grob gerechnet mit 4.000 Tonnen ausgestoßenem CO2 zu Buche, sagt Dietrich Brockhagen von der Organisation atmosfair. Nach seinen Berechnungen entspricht dies etwa dem Jahresausstoß von 2.000 deutschen Pkw, wenn jedes davon 12.000 Kilometer fährt. Und die Fraktion, die am lautesten die Bahn predigt, aber am häufigsten das Flugzeug nimmt, sind ausgerechnet die Grünen. Sie haben im Bundestag pro Kopf so viele Auslandsreisen unternommen wie keine andere Fraktion. Das geht aus einer Liste hervor, die alle Reisen auflistet, die von den 709 Abgeordneten seit Beginn dieser Legislaturperiode bei der Bundestagsverwaltung abgerechnet wurden. Danach gab es insgesamt 1.182 Dienstreisen von allen Abgeordneten, fast alle mit dem Flugzeug, einmal sogar in die Südsee (Fidschi-Inseln). 328 davon wurden im Rahmen von Delegationsreisen genehmigt. Dazu kommen weitere 854 sog. Einzeldienstreisen. Diese werden von den Politikern auf eigene Initiative unternommen und beim Bundestag abgerechnet. Am häufigsten flogen demnach die 67 Abgeordneten der Grünen auf eigene Faust, aber auf Kosten der Steuerzahler – nämlich innerhalb von zwei Jahren 126 Mal. 

Doch zum Glück gibt es ja den modernen Ablasshandel: Durch eine sog. CO2-Kompensation kann man sein Gewissen freikaufen. Die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Britta Haßelmann, forderte dann auch sofort einen generellen Ausgleich für alle Dienstflüge. Diese Wiedergutmachungsspenden finanzieren Klimaprojekte in der ganzen Welt und mögen durchaus sinnvoll sein. Doch damit werden weder der CO2-Ausstoß vermindert, noch das Klima gerettet. Abgesehen davon muss an dieser Stelle die Frage erlaubt sein: Bezahlen dann die Politiker die geforderte Kompensation wenigstens aus eigener Tasche oder wie immer aus der Geldbörse der Steuerzahler? 

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