Ausverkaufte Hallen, Millionen Zuschauer und hochdotierte Turniere – die ehemalige Nischenveranstaltung E-Sport hat sich in kürzester Zeit zur am schnellsten wachsenden Unterhaltungsbranche entwickelt. Doch lohnt sich der Einstieg, oder verfliegt der Trend ebenso schnell, wie er gekommen ist?
Seit Jahren erhält die E-Sport-Szene weltweit fortwährenden Zuwachs. Trotzdem ist der Begriff noch lange nicht für jeden verständlich: E-Sport steht für Elektronischen Sport. Es handelt sich um einen professionell ausgetragenen Wettkampf in „digitalen Disziplinen“, also Computer- und Videospielen. Dabei können die Gamer entweder gegeneinander in einzelnen Wettkämpfen oder als Team bei Turnieren mit bis zu fünf Personen antreten. Von den einzelnen Spielern ist dabei vor allem Geschick, Taktik und ein gutes Reaktionsvermögen gefordert. Trotz alledem hat der Deutsche Olympische Sportbund erst kürzlich in einem Gutachten erklären lassen, dass der E-Sport im Sinne des geltenden Rechts kein Sport sei. Interessieren dürfte das die Gaming-Gemeinde dennoch eher wenig. Denn die neue „Sportart“ verzeichnet seit Jahren rasante Umsatzzuwächse, an die manch „klassiche Sportart“ nicht einmal zu Hochzeiten heranreichte.
Neben Tickets und dem Verkauf von Medienrechten generiert die Branche ihre primären Einnahmen über lukrative Sponsoringpartner. Bis 2023 könnten die Einnahmen schätzungsweise hieraus alleine 60,9 Mio. € betragen. Unter den Sponsoren finden sich Branchengrößen wie Mastercard, Intel oder Royal Dutch Shell. In Deutschland hat sich Daimler als einer der ersten Konzerne an dem E-Sportverband ESL (Electronic Sports League) beteiligt, der u.a. seit einigen Jahren die ESL One, eine der größten E-Sport-Veranstaltungen organisiert. Das jährlich in Köln stattfindende ESL One Cologne-Turnier war in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge schon nach wenigen Tagen ausverkauft. 14.000 Besucher strömten täglich zur Lanxess Arena, Hundertausende schauten via Livestream den Teams von Zuhause aus zu. Insgesamt 3 Mio. $ Preisgeld gab es für das Siegerteam. Allein in Deutschland legten die Erlöse in der Branche laut Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC) im vergangenen Jahr um 22 % auf 62,5 Mio. € zu. Weltweit betrug der Umsatz im vergangenen Jahr 865 Mio. $. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg um
32 %. Im Jahr 2019 sollen die Umsätze dann erstmals auf über 1 Mrd. $ steigen. Für das Jahr 2022 wird dann schon ein Gesamtumsatz von 1,79 Mrd. $ prognostiziert.
Experten schätzen, dass E-Sport in Deutschland, was die Wirtschaftskraft anbelangt, alle Sportarten außer Fußball überholt haben wird. König Fußball ist jedoch bereits selbst Teil des E-Hypes: Vereine wie
Schalke 04, VFL Wolfsburg, Manchester City oder Paris Saint-Germain haben bereits eigene E-Sport-Teams. Ende des Jahres will die Deutsche Fußball Liga zudem mit dem US-Spielekonzern Electronic Arts (EA), der für die Fußballsimulation „Fifa“ verantwortlich ist, eine eigene neue E-Sport-Liga
starten. Dies könnte der zuletzt arg in Mitleidenschaft geratenen Aktie des Spieleentwicklers Electronic Arts (US2855121099) wieder Schwung verleihen. Neben „Fifa“ steht Electronic Arts vor allem für klassische Sportspiele, wie „Madden“ (Footbal) oder „NBA“ (Basketball). Allerdings sind diese Games eher auf einen oder maximal zwei Spieler ausgerichtet. Der Trend geht jedoch zu sogenannten Multiplayer-Games, wie der Spielehit „Fortnite“, der 2018 alle bisherigen Rekorde brach. EAs Hoffnung in dieser Sparte ist „Apex Legends“, ein Battle-Royale-Spiel (Strategiespiel), das am ersten Tag 2,5 Mio. Downloads verzeichnen konnte. Es erreicht zwar damit noch längst nicht die Zahlen, die Fortnite vorweisen kann, aber es ist immerhin ein Konkurrent. Auch Handyspiele erobern Marktanteile. Hier hat EA mit mobilen Versionen von „Fifa“, „Plants vs. Zombies“ oder dem Klassiker „Die Sims“ bereits einen Fuß in der Tür. Die Zahlen zum 1. Quartal konnten sich ebenfalls sehen lassen. Die Umsatzerlöse legten von 1,14 Mrd. $ im Vorjahreszeitraum auf 1,21 Mrd. $ zu. Nach Steuern schoss der Gewinn sogar von 293 Mio. $ auf 1,42 Mrd. $. Allerdings hat EA dies vorrangig einer Steuergutschrift zu verdanken. In den letzten Monaten hatte der Konzern allerdings mit einigen Rückschlägen zu kämpfen. So kam die Verlegung des Verkaufsstarts von „Battlefield V“ und ein Ausblick unter den Erwartungen an den Handelsplätzen nicht gut an. Langsam aber sicher kämpft sich die Aktie jedoch wieder nach vorne. Langfristig orientierte Investoren können sich bei einem akt. Kurs von 98,52 $ einige Stücke von der sonst hochbewerteten Aktie sichern.
Geht es um E-Sport fällt ein Name besonders häufig: „Fortnite“. Das Spiel, bei dem man gegen dutzende Spieler antritt und dabei seine Umgebung aktiv gestalten kann, hatte in der jüngsten Vergangenheit vor allem mit einem unvorstellbarem Preisgeld von rd. 30 Mio. $ für einen einzelnen Spieler bei der Fortnite-Weltmeisterschaft für Schlagzeilen gesorgt. Wer jedoch in den Hype um Fortnite investieren will, hat ein Problem: der Entwickler und Eigner Epic Games ist nicht börsennotiert. Über einen Umweg kann man sich dennoch ein Stück vom Gaming-Kuchen schnappen: Der Internetriese Tencent (US88032Q1094), der weltweit größte Entwickler und Vermarkter von Online-Games, hat sich 2012 mit 330 Mio. $ bei Epic Games eingekauft und hält einen Anteil von rund 40 %. Allein mit Fortnite soll Epic Games 2018 rund 2 Mrd. $ an Umsatz eingefahren haben. Hält der Boom an, könnte Epic Games rund 15 Mrd. $ wert sein. Tencents Investment hätte sich demnach binnen sechs Jahren gut verzwanzigfacht! Doch Tencent hat noch weitere Gaming-Eisen im Feuer. Zum Internetkonzern gehört u.a. der Spieleentwickler Riot Games, der mit „League of Legends“ eines der Top-Spiele im E-Sport programmiert. Vom 2. bis zum 10. Oktober treten bei der 9ten Weltmeisterschaft die besten Teams gegeneinander an. Insgesamt finden die Wettkämpfe in drei verschiedenen europäischen Großstädten statt (Berlin, Madrid, Paris). Neben dem Titel des besten Teams der Welt spielen die Teilnehmer auch um ein Gesamtpreisgeld im siebenstelligen Bereich, wobei die genaue Summe noch nicht feststeht. Ersten Schätzungen zufolge könnten dem Finale über 150 Mio. Zuschauer folgen. Zum Vergleich: das WM-Finale im Fußball in Moskau schauten weltweit gut 163 Mio. Menschen.
Mit einem Nettogewinn von 51,4 Mrd. Renminbi (umgerechnet gut 6,5 Mrd. €) in den ersten 6 Monaten spielt der Konzern bereits ganz oben mit. Zuletzt drückte jedoch vor allem die Blockade der chinesischen Regierung für Lizenzvergaben bei Online-Spielen auf den Kurs von Tencent. Spekulative Anleger setzen wieder auf einen erneuten Boost der Aktie.
Neben den Großen der Branche profitieren natürlich auch die „kleinen“ Nischenplayer vom E-Sport-Boom. Eine wahre Kursperle verbirgt sich dabei hinter dem deutschen Unternehmen Endor (DE0005491666). Der Konzern aus Bayern entwickelt Lenkräder, Sitze, Pedalen und weiteres Zubehör für die Spieleindustrie. Das Unternehmen unterhält keine eigenen Fertigungsstätten, sondern lässt seine Produkte in Asien produzieren. Lizenzen der Konsolenhersteller Microsoft und Sony unterstreichen die technologische Spitzenstellung von Endor. Unter der Marke Fanatec verkauft das Unternehmen seine Produkte in Asien und Europa über Distributoren, in den USA überwiegend direkt über die Tochter Endor USA. Seit dem Kurssturz im Juni, u.a. aufgrund von Optimierungskosten, legte das Unternehmen eine rasante Aufholjagd hin. In den ersten 6 Monaten schoss der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 67 % auf 16,7 Mio. €. Unterstützt wurde das Wachstum von der erfolgreichen Einführung einer neuen Zubehör-Serie sowie der Kooperation mit der Formel 1. Zum Gewinn machte der Konzern bisher keine Angaben. Für das Gesamtjahr 2019 erwartet Endor, dass der Umsatz die 30 Mio. €-Marke übertrifft (Vorjahr: 22,1 Mio. €). Beim Konzernergebnis rechnet der Vorstand mit einem deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (0,9 Mio. €). Erst vor wenigen Tagen sicherten sich die Süddeutschen zudem einen Lizenzvertrag mit der National Association for Stock Car Auto Racing (Nascar).
Die Rennserien zählen weltweit, aber vor allem in Nordamerika, zu den populärsten Autorennen. Endor wird unter seiner US-Marke Fanatec bis Ende 2024 als weltweiter Partner Lenkräder für Nascar entwickeln und vermarkten. „Die Lizenz ermöglicht uns die Entwicklung und den Vertrieb von speziell auf diese Rennserie optimierten Lenkrädern in mehreren Preisbereichen“, so Thomas Jackermeier, Vorstandsvorsitzender von Endor. Bei einem akt. Kurs von 18,00 € spekuliert man bei Endor auf den Einzug ins nächste Kurslevel.
PC- und Konsolen-Blockbuster wie „Fifa“, „Grand Theft Auto“ und „Assassin’s Creed“ gelten jedoch weiterhin als bevorzugte Domäne speziell von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dies zeigte sich beispielsweise am Gamescom-Publikum: 7 von 10 Besuchern waren jünger als 25 Jahre. Diese Altersgruppe zeigt zwar bereits Interesse an Geldanlage, traut sich statistisch gesehen aber nur selten an die Direktanlage in Aktien oder Anleihen heran. Breit angelegte Fonds sind in dieser Altersgruppe weitaus beliebter. Passend dazu hat der amerikanische Vermögensverwalter VanEck einen Fonds zum Trend-Thema E-Sport und Online Gaming aufgelegt. Der E-Sports-Indexfonds VanEck Vectors Video Gaming and eSports (IE00BYWQWR46) ist erst seit Ende Juni 2019 auf dem Markt. Der Fonds umfasst dabei zwei Kernbereiche: die spezifische
E-Sports-Branche sowie die breiter aufgestellte Videospiele-Industrie. Zu den 26 abgebildeten Gesellschaften in dem Indexfonds gehören Hardware-Hersteller wie Nvidia oder AMD, Internetfirmen wie Sea sowie Vertreter der Videospiele-Industrie wie Electronic Arts, Tencent, Nintendo oder Activision Blizzard. Bisher weist der ETF ein Fondsvolumen von 5 Mio. € auf.
Die jährlichen Kosten belaufen sich auf 0,55 %. Zwar ist der Video Gaming and eSports-Fonds thesaurierend, allerdings nicht sparplanfähig. Der ETF ist erst seit wenigen Monaten auf dem Markt und weist daher noch keine Jahresperformance aus. Langfristig verspricht das Wachstum im Markt und die breite Streuung jedoch durchaus Rendite.

Das Thema E-Sport fasziniert immer mehr Menschen und beschert den Spieleentwicklern einen wahren Geldregen. Mit den entsprechenden Titeln können langfristig orientierte Anleger ebenfalls erfolgreich mitspielen.

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