Seit dem Tod von Berthold Beitz geht es im Traditionskonzern Thyssenkrupp drunter und drüber. Eine besondere Rolle spielen dabei die Stiftungsvorsitzende Prof. Dr. Ursula Gather (die Krupp-Stiftung hält 21 % der Anteile an Thyssenkrupp) und der aktivistische Großaktionär Cevian (18 %). Mit ihren Alleingängen haben sie die „Stahl-Festung“ mächtig ins Schwanken gebracht (s. ES 29/18), und nun könnte sogar die Zerschlagung drohen.

Gerade mal ein Jahr nach seinem Amtsantritt hat die Aufsichtsratsspitze den Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff schon wieder gefeuert. Und damit dieses Mal nun wirklich nichts mehr schiefgeht, übernahm die Aufsichtsratsvorsitzende Martina Merz ab 1. Oktober gleich selbst den Vorstandsposten. Offiziell werden Kerkhoff Verfehlungen bei der Neuausrichtung des Konzerns und eine schleppende Sanierung vorgeworfen (s.S.6), doch vermutlich ist er schlichtweg zu unbequem geworden und stand der neu formierten Allianz um Cevian im Wege. Denn die treibende Kraft hinter den Kulissen soll u.a. Aufsichtsratsmitglied Jens Tischendorf gewesen sein, hauptberuflich Partner von Cevian Capital. Und auch die Vorsitzende des Kuratoriums der Alfried Krupp-Stiftung, Prof. Dr. Ursula Gather, sitzt ja mit im Aufsichtsrat und hat bekanntlich einen guten Draht zu Cevian. Und dieser soll nicht nur den Komplettverkauf der Aufszugssparte gefordert haben, sondern auch, dass mindestens die Hälfte des erwarteten Erlöses daraus (ca. 18 Mrd. Euro) als Sonderdividende ausgeschüttet werden.

Was sich zunächst verlockend für die Aktionäre anhört, wäre ein Fiasko für den Konzern. Man verkauft die Assets und plündert danach die Kasse. So kann eine langfristige Unternehmensstrategie nicht aussehen. Auch Kerkhoff soll diese Forderung rundheraus abgelehnt haben. Nach seiner Einschätzung wäre der ohnehin schon finanziell klamme Industriekonzern dann akut von der Pleite bedroht. Wohl auch deshalb wird der Vorstandschef nun kurzerhand abserviert. Wie es mit Thyssenkrupp weitergeht, ist ungewiss. Daher hat sich auch der Stahlhändler Klöckner & Co zurückgezogen und die Fusionsgespräche einseitig auf unbestimmte Zeit vorläufig beendet.

Nach dem Abstieg aus dem DAX gerät Thyssenkrupp zunehmend in schweres Fahrwasser. Und wieder wird der Steuermann gewechselt. Das Vorgehen erinnert sehr an den AEG-Skandal. Nach diversen Führungswechsel und dem Ausverkauf wurde der Traditionskonzern 1996 schließlich nach 113 Jahren aus dem Handelsregister gelöscht. Dies sollte der Krupp-Stiftung Mahnung sein, sich nicht zum Handlanger von aktivistischen Aktionären zu machen, die für ihren kurzfristigen Gewinn einen deutschen Traditionskonzern opfern wollen.

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