„Eine Übernahme durch die Hintertür“, hatte ein Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger die Wahl des neuen Aufsichtsrates auf der diesjährigen Hauptversammlung von Tele Columbus kritisiert. Das Unternehmen hatte für die Neuwahl des Gremiums sechs Kandidaten auf die Tagesordnung gesetzt, denen Großaktionär United Internet, der immerhin 29,7 % an dem Kabelnetzbetreiber hält, eine eigene Liste entgegenstellte und sich mit seinen Kandidaten in einer Kampfabstimmung auch durchsetzte.

Zum Glück möchte man meinen, denn Tele Columbus ist bis unters Dach verschuldet, das Eingreifen des Großaktionärs damit lange überfällig. Die Aufsichtsratswahl im August war daher als positives Zeichen zu werten, dass sich United Internet jetzt wieder intensiver um sein Investment kümmern würde. Schließlich hat United Internet-Chef Ralph Dommermuth in den vergangenen Jahren stets ein gutes strategisches Gespür bewiesen. Viele Kleinanleger hatten sich daher schon lange gefragt, warum er dem Treiben bei Tele Columbus und dem massiven Kusabsturz bisher so tatenlos zugesehen hatte. Viele hatten vielmehr darauf spekuliert, dass der Großaktionär seinen Anteil erhöhen und den freien Aktionären dann ein Pflichtangebot zur Übernahme ihrer Aktien unterbreiten würde. Dieses würde dann fällig werden, wenn United Internet die Schwelle von 30 % der Stimmrechte bei Tele Columbus erreicht. Doch bisher lagen allesamt mit ihren Spekulationen und leider auch dem Investment daneben. Um so wohltuender ist es, dass nun wieder Bewegung in den Aktienkurs bei Tele Columbus kommt. Der Grund: Am vergangenen Freitag meldete Rocket Internet eine Beteiligung von 12,29 % an dem Kabelanbieter.

Auf den ersten Blick mag dies verwundern, denn Rocket Internet ist dafür bekannt, sich bei jungen Start-ups einzukaufen, um sie dann erfolgreich an die Börse zu bringen. In dieses Raster passt Tele Columbus nun keinesfalls. Rocket Internet kündigte sogar an, innerhalb der nächsten zwölf Monate den Anteil weiter aufstocken zu wollen. Die Investition diene der Umsetzung eines strategischen Ziels zum Auf- und Ausbau eines weltweiten Netzwerks von Tech-Unternehmen, hieß es. Und damit macht das Engagement durchaus Sinn. Schließlich ist United Internet mit 8 % auch an Rocket Internet beteiligt. Damit wäre nun tatsächlich eine „Übernahme durch die Hintertür“ möglich, indem auch Rocket Internet bis knapp unter 30 % der Tele Columbus-Aktien am Markt einsammelt.

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