Der ES hatte in den „Randnotizen“ 21/19 berichtet, dass nach einem Gesetzesentwurf der Bundesregierung schon ab 2020 die Ausbuchung bzw. der Verkauf wertloser Aktien aus dem Depot eines Anlegers steuerlich nicht mehr berücksichtigt werden sollen. Dabei war die Anrechenbarkeit von Totalverlusten aus Kapitalforderungen ohnehin erst seit einem Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) seit 2018 möglich (Az: VIII R 32/16).
Doch der Regierung war dies ein Dorn im Auge, schließlich kamen dadurch weniger Steuern ein. Dennoch erhöhte die öffentliche Berichterstattung den Druck auf die Politik so stark, dass diese zunächst den entsprechenden Paragrafen aus der Gesetzesvorlage wieder entfernte. Doch ausgerechnet von der SPD wurde dieser Vorschlag nicht mitgetragen, sodass es zu einer erneuten Überarbeitung des Passus und damit zu einer klassischen Verschlimmbesserung kam. Am Ende steht nun ein fauler Kompromiss:
Verluste aus Wertpapiergeschäften, die nicht aus dem Verkauf entstehen, dürfen künftig noch bis zu einer Höhe von 10.000 Euro von der Steuer abgesetzt werden. Das gilt auch für uneinbringliche Forderungen aus Kapitaleinkünften oder Verluste aus wertlos gewordenen Aktien oder Anleihen insolventer Unternehmen. Sie dürfen zudem mit allen Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden. Nicht verrechnete Verluste können in beiden Fällen auch auf die jeweiligen Folgejahre vorgetragen werden und dann bis zur Grenze von 10.000 Euro verrechnet werden. Verluste aus Termingeschäften, z.B. aus dem Verfall von Optionen, dürfen dagegen künftig nur mit Gewinnen aus der gleichen Einkommensart verrechnet werden.
Für Kleinanleger ist dies zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber es bleibt dennoch ein fauler Kompromiss. Denn es ist nicht nachvollziehbar, warum Anleger mit Verlusten über 10.000 Euro benachteiligt werden sollen. Schließlich resultieren die Verluste aus den gleichen Geschäften. Auch die Einstufung von Termingeschäften als hochspekulativ und die daran geknüpfte steuerliche Benachteiligung zeigt, dass die Politiker in Deutschland von Börse keine Ahnung haben und die Aktienkultur mit Füßen treten.
Der ES übernimmt für diese Informationen keine Gewähr, sie stellen keine steuerliche Beratung dar.

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