Es begann wie so oft: Weil zwei Partner in Streit gerieten und sich nicht einigen konnten, kam es zum Bruch. Die Europäische Union erkannte ab dem 1. Juli die Schweizer Börse nicht mehr als gleichwertigen Partner an (der ES berichtete in Randnotizen Ausgabe 27/19). Seitdem waren Schweizer Aktien an Börsenplätzen innerhalb der EU nicht mehr handelbar. Im elektronischen Handelssystem Xetra oder an den Börsenplätzen Frankfurt und Stuttgart werden seitdem für Schweizer Aktien nicht einmal mehr Kurse gestellt. Das gilt auch für Schwergewichte wie Nestlé, Roche oder Novartis. Eine Ausnahme bilden lediglich die Aktien mit einem Doppellisting, wie LafargeHolcim, ABB, Aryzta, BB Biotech und Cie Financiere Tradition. Im Gegenzug verbot Bern den Handel mit Schweizer Aktien an den EU-Aktienmärkten.
Zwar arbeiten die meisten deutschen Depotbanken schon seit Jahren mit Korrespondenzbanken an den jeweiligen Lokalbörsen zusammen, weil ihre institutionellen Kunden ausländische Aktien ohnehin an den Heimatbörsen handeln, doch für den Privatkunden wurde Handel und Lagerung komplizierter und vor allem teurer.
Alternativ werden die Aktien daher oft über Makler auch außerbörslich von Deutschland aus gehandelt. Bei der Comdirect funktioniert das dank der Kooperation mit der Commerzbank und der Düsseldorfer Maklerfirma Lang & Schwarz. Auch bei der ING Deutschland können Anleger die meisten Schweizer Aktien mittlerweile wieder kaufen und verkaufen. Der Handel erfolgt außerbörslich.
Den im SMI gelisteten Aktien hat dieser Streit jedoch nicht geschadet. Der Index stieg in diesem Jahr um 24 % und hat erstmals die magische Schwelle von 10.000 Punkten geknackt. Denn der Handel mit den Schweizer Blue Chips hat sich einfach von Frankfurt oder Stuttgart nach Zürich verlagert. Allein die Aktie von Geberit kletterte innerhalb eines Jahres um 40 %.
Noch in diesem Monat wird das Parlament in Bern über die Bewilligung der sog. Kohäsionsgelder abstimmen. Dabei handelt es sich um eine Milliardensumme, die von der Schweiz an die wirtschaftlich benachteiligten Länder der EU (wie Rumänien) für Entwicklungsprojekte gezahlt wird. Der Ständerat und die außenpolitische Kommission des Nationalrats haben bereits grünes Licht für die Zahlung gegeben, allerdings an die Bedingung geknüpft, dass die EU die Schweiz nicht länger diskriminiert.
Es wäre schön, wenn Schweizer Aktien wieder in der EU handelbar wären. Für die Kleinanleger wäre dies jedenfalls ein schönes Weihnachtsgeschenk.

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