Man stelle sich vor: Ein DAX-Unternehmen verkauft sein größtes Asset für einige Milliarden Euro. Der Vorstandsvorsitzende unterschreibt die Verträge, die er aber nur vom Hörensagen kennt – von seinen Mitarbeitern der einzelnen Arbeitsgruppen und natürlich von seinen Anwälten. Dann gibt es Marktturbulenzen, die Risiken steigen. Der Vorstand diskutiert die vielen neuen Risiken, die Verträge werden angepasst. Vom Hörensagen klingt das Resultat vernünftig. Doch ein Aktionär klagt und will einfach nicht locker lassen. Ihm reicht das Hörensagen nicht. Der Bundesgerichtshof gibt dem Aktionär Recht. Das Verfahren wird zurückverwiesen. Der Vorstandsvorsitzende des großen DAX-Unternehmens, das sein Asset verkauft hat, soll als Zeuge gehört werden. Nach fast sechs Jahren ist es dann endlich soweit: Das Gericht, der Aktionär und alle Interessierten wollen hören, was damals wirklich geschah. Doch auch dieses Mal hören sie nur, was der Vorstand vom Hörensagen seiner Anwälte weiß und warum die Wahrung seiner Verschwiegenheitspflicht so wichtig war – vom Hörensagen jedenfalls. Ansonsten kann er sich nicht einmal vom Hörensagen an all die Details erinnern, aber dafür gibt es ja die vielen Anwälte und Arbeitsgruppen.

So geschehen am 24. Februar vor dem Oberlandesgericht Köln im Termin zur Beweisaufnahme im Hauptsacheverfahren zur Postbankübernahme durch die Deutsche Bank. Als Zeuge wurde kein Geringerer als der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post AG, Herr Dr. Appel, gehört.