Geberkonferenz in Brüssel

Alle reden – einer gibt


Zum Ende der Geberkonferenz im April standen Vertreter aus 85 Ländern und Organisationen in Brüssel vor der Kamera und verkündeten voller Stolz, dass sie für das laufende Jahr weitere 3,6 Mrd. Euro locker machen für die 13 Mio. Menschen, die durch den Krieg in Syrien auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. 

Das klingt zunächst einmal ganz anständig, wenn man von einer gleichmäßigen Lastenverteilung ausgeht. Bedenkt man jedoch, dass allein aus Deutschland eine Milliarde Euro an Hilfen für die Syrien-Opfer kommt, dann verteilen sich gerade mal 2,6 Mrd. Euro auf den Rest der Welt. Dabei sicherte Großbritannien umgerechnet noch rund 857 Mio. Euro zu. Und die EU, innerhalb der Deutschland ebenfalls der größte Nettozahler ist, wird für dieses Jahr erneut rund 560 Mio. Euro bereitstellen. Der Präsident des UN-Welternährungsprogramms, der US-Amerikaner David Beasley, lobte zwar zunächst das deutsche Engagement, sagte aber auch: „Es kostet uns 50 Cent am Tag, einen Syrer in Syrien oder in der Region zu ernähren.“ Wenn dieser Syrer nach Deutschland flüchten und dann dort untergebracht und versorgt werden müsse, koste dies rund 50 Euro pro Tag. 

Angesichts der Tatsache, dass die US-Vertreter in Brüssel überhaupt keine relevanten
Finanzzusagen gemacht haben, ist diese Bemerkung allerdings schon eine Unverschämtheit gegenüber dem Geberland Deutschland. Nach offiziellen Angaben der EU stellt die Bundesregierung für 2017 immerhin insgesamt rund 1,7 Mrd. US-Dollar bereit und damit mehr, als mit 1,4 Mrd. Dollar bei der Geberkonferenz im letzten Jahr versprochen worden war. Seit Beginn des Konflikts hat Berlin insgesamt 4,5 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt, um die Not in Syrien und den Nachbarländern zu lindern, wo Millionen Syrer Zuflucht finden. Allein in Jordanien leben mehr als 600.000 Flüchtlinge – auch mit deutschem Geld. In Deutschland waren zum Jahresende 2017 rund 10,6 Mio. Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Ausländerzentralregister (AZR) erfasst, davon ca. 1,6 Mio. Schutzsuchende. Allein 698.950 Flüchtlinge kommen aus Syrien (Durchschnittsalter 24,2 Jahre), davon 429.000 Männer. Dazu kommen noch 104.055 Menschen, deren Herkunft ungeklärt ist. Zeit, dass auch andere sog. Geberländer geben statt nur reden.