Frank Appel sieht Gelb

Dt. Post Chef teilt mächtig aus – auch bei seinem Gehalt


Früher einmal hatte die Post einen eigenen Minister. Für ein Gehalt von weniger als 200.000 Euro im Jahr lenkte dieser neben den Geschicken der Post auch die der Postbank und der Telekom. Heute leistet sich allein die Post einen Vorstandsvorsitzenden, der sich für diese Aufgabe knapp 10 Mio. Euro p.a. ausbezahlen lässt. Mit dem 232-Fachen des Durchschnittseinkommen seiner Angestellten hat sich Post-Chef Frank Appel damit konkurrenzlos Platz 1 gesichert. Das jedenfalls zeigt eine entsprechende Studie des IMU-Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. Der Durchschnittswert der übrigen DAX-Chefs dagegen, liegt bei einem Mehrfachen von „mageren“ 97. Ganz so rosig wie Appels Gehalt sehen die Quartalszahlen der Gelben Post allerdings nicht aus. Deutlich weniger Gewinn musste der Vorstandschef seinen Anlegern eingestehen. Dabei legte der umsatzstärkste Bereich Brief/Paket operativ die schwächste Performance hin. Investitionen und ein neuer Tarifabschluss haben das Zahlenwerk ruiniert, das Ebit sank um knapp 59 %. Der zuständige Jürgen Gerdes musste daraufhin nach über 30 Jahren Tätigkeit für den DAX-Konzern seinen Hut nehmen. Aber auch die übrigen Mitarbeiter bekamen ihr Fett weg. In der hauseigenen Mitarbeiterzeitschrift „Premium Post“ zog Post-Chef Appel kräftig vom Leder. Man arbeite „nicht wirklich als ein Team“ und benötige dringend einen „Kulturwandel“. „Jeder Einzelne müsse Verantwortung für seinen Bereich übernehmen, Dinge infrage stellen und gegebenenfalls verändern“, klagte er. Wie genau dies auszusehen habe, darüber schwieg sich Deutschlands oberster Briefträger jedoch aus. Sollte der geforderte Kulturwandel aber darauf abzielen, lieber beim Konzerngewinn als beim eigenen Gehalt die Nummer 1 zu sein, so ist das zu begrüßen. Und sollte er ferner seine Praxis „infrage stellen“, Verträge ungelesen zu unterzeichnen (s. ES 9/16) und „gegebenenfalls verändern“, dann muss man Frank Appel zu dieser Erkenntnis aufrichtig gratulieren. Denn die Aussichten der Gelben Post wären dann nicht nur rosig, sondern rosarot.