Der schleichende Tod

Schnigge stellt Betrieb ein, Bernecker geht in die Insolvenz


Am 30. August 2018 informierte die Wertpapierhandelsbank Schnigge, dass die Gesellschaft seit dem 27. August keinerlei Finanzdienstleistungen mehr erbringe: keine Zeichnungen mehr, keine Neuemissionen, alle bis dahin gültigen Orders sind erloschen. Feierabend, Licht aus – die 1992 in Düsseldorf gegründete Traditionsbank macht dicht. 

So also sieht das Ende einer der bekanntesten Anbieter von vor- und außerbörslichen Kursen aus. Schnigge war neben Valora Effekten der einzige deutsche Betreiber von Handelsplattformen für nicht börsennotierte Wertpapiere und seit 1999 selbst börsennotiert. Doch der Tod kam langsam, schleichend: Schon in den letzten fünf Jahren hatte Schnigge durchgehend rote Zahlen geschrieben. Vor zwei Jahren wurde das Geldhaus von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) schon einmal in die Insolvenz geschickt. Als Grund wurde damals die „Sperrung des Kontos bei ihrer Abwicklungsbank aufgrund durch einen Handelspartner nicht erfüllter Wertpapiertransaktionen“ genannt. Zwar wurde der Insolvenzantrag kurze Zeit später wieder zurückgezogen, aber die Skontroführung in Hamburg und Düsseldorf war futsch, nur die Schulden blieben. 

Zum 31.12.2017 summierten sich die Verluste von Schnigge auf 6,2 Mio. Euro, bei einer Bilanzsumme von rd. 2 Mio. Euro. Schon im Fe-bruar hatte der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats, Stephan Blohm, für sich die Notbremse gezogen und war zurückgetreten. Ende Juni hatte die Krypto AG, Infrastrukturanbieter in den Bereichen Blockchain-Technologie und Krypto-Währungen, vermeldet, eine Mehrheitsbeteiligung an Schnigge erwerben zu wollen. Doch die Gesellschaft verfügt laut Geschäftsbericht selbst nur über Aktiva von rd. 2,3 Mio. Euro – zu wenig, um Schnigge vor einem frühen Ende zu bewahren. 

Zwar gab es wohl noch einen anderen Investor, der sich in wesentlichem Umfang an der Gesellschaft beteiligen wollte. Dieser aber könne eine Beteiligung von mehr als zehn Prozent erst erwerben, wenn das formale Inha-berkontrollverfahren nach dem Kreditwesengesetz durchlaufen sei. Dieses sei aber noch nicht abgeschlossen, und es stehe auch kein Enddatum fest. Zudem sei offen, ob die BaFin den Kauf nicht untersagen werde. 

Noch vor wenigen Tagen hatte Schnigge dann versucht, mit einer Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital über 500.000 Aktien mit einem Ausgabekurs von 2 Euro je Aktie das Ruder rumzureißen und die allergrößte Not zu lindern. Gezeichnet sei die Summe auch, teilte Schnigge mit, nur fehlt bis heute das Geld. Trotz sofortiger Fälligkeit seien die 1 Mio. Euro nicht bezahlt worden. Damit war auch dieser Rettungsversuch gescheitert. Als Konsequenz musste die Gesellschaft nun „die Lizenzen für den Betrieb einer Wertpapierhandelsbank bzw. für die Durchführung von Finanzdienstleistungen zurückgeben“, heißt es in dem Schreiben an die Kunden. Was nun aus Schnigge wird, ist fraglich. 

Auch bei der Bernecker Verlagsgesellschaft mbH (vormals: Deutscher Kapital Verlag GmbH, vormals: politik intern GmbH) kam der Tod schleichend und ließ sich auch durch die ständigen Umfirmierungen nicht aufhalten. Die Börsenbriefe von Bernecker zählen zweifellos zu den anerkanntesten Börsenpublikationen in Deutschland. Schließlich steht der Name Hans A. Bernecker für ein halbes Jahrhundert Börsenerfahrung und Anlageberatung. Doch die Verlagsgesellschaft, über die zahlreiche Börsenbriefe vertrieben werden, dümpelt schon seit Jahren dahin und hangelte sich von Jahr zu Jahr über Sitzverlegungen, Umfirmierungen und Verschmelzungen – doch letztlich musste im Mai 2018 doch der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt werden. Am 12. Juni 2018 wurden Sicherungsmaßnahmen angeordnet, am 19. Juli das Insolvenzverfahren eröffnet. Lt. Unternehmensregister ist die Gesellschaft zum 31. Juli 2018 aufgelöst. Auf der Internetseite fand sich jedoch bis zum 13. September (!!) keinerlei Hinweis – keine Mitteilung von dem Börsenfachmann Bernecker, auf dessen Seriösität Tausende Privatanleger vertrauen. Erst am 14. September wurde vom Insolvenzverwalter Martin Schmidt eine Presseerklärung veröffentlicht.