Arroganz des Monopolisten

Post verliert den Vertrieb der „Motorwelt“


Mit mehr als 13 Mio. Exemplaren ist die ADAC „Motorwelt“ die auflagenstärkste Zeitschrift Europas. Allerdings gilt sie schon lange als unprofitabel. Ein Grund dafür sind die hohen Vertriebskosten: Allein an die Deutsche Post müssen bislang ca. 50 Mio. Euro pro Jahr gezahlt werden – nicht gerade Peanuts! Doch statt einem ihrer besten Kunden einen Preisrabatt zu gewähren, wollte die Post als Vertriebsmonopolist die Portokosten sogar noch weiter anheben. Denn inzwischen gibt es zwar lokale Zustelldienste in einzelnen Großstädten und industriellen Ballungsgebieten, ein flächendeckender Versand in ganz Deutschland ist über sie jedoch nicht möglich. Ein Problem, mit dem sich alle Verlage konfrontiert sehen. 

Auch der Effecten-Spiegel hat in seiner mehr als 46-jährigen Geschichte schon reichlich leidvolle Erfahrungen mit dem Postvertrieb gemacht. Das Börsenjournal wird am Dienstagabend direkt von der Druckerei in das Schnellläufernetz der Deutschen Post eingeliefert, damit es schon am Mittwochmorgen im Briefkasten der Abonnenten ist. Für diesen Service zahlt der Verlag einen saftigen Aufschlag. Doch es vergeht kaum eine Woche, in der es nicht aus irgendeinem Postleitzahlenbezirk Beschwerden wegen verspäteter Anlieferungen oder Beschädigungen gibt. Mal ist es ein kaputter Lkw, mal die Witterungsverhältnisse oder ein Streik. Doch das Dauerproblem liegt bei der Deutschen Post selbst, die profitgetrieben ihre Kosten im Laufe der Jahre immer weiter gesenkt hat – zu Lasten der Qualität. Die Zustellbezirke wurden vergrößert, das Personal gekürzt. Seit 2015 gibt es 49 regionale Billig-Töchter für die Postzustellung. Neue Paketboten z.B. werden seitdem nur noch in diesen DHL Delivery GmbHs angestellt – natürlich zu deutlich niedrigeren Löhnen. Die Post-Zusteller verdienen dort im Schnitt ein Viertel weniger als ihre Kollegen mit Haustarifvertrag. Die Konsequenz: 

Die Zusteller sind überfordert, die Auslieferung erfolgt verspätet oder gar nicht. Schon mehrfach wurden Zwischenfälle bekannt, wonach Briefe oder Zeitschriften einfach weggeworfen wurden. Manche Postboten teilen sich die Auslieferungen ihrer Sendungen selbst ein, sodass sie nicht so viel Material an einem Tag mitnehmen müssen. In einigen Orten gibt es daher nur noch einmal pro Woche eine Briefzustellung oder nur eine Zeitschrift pro Wochentag. Dennoch sind die Ausfallzeiten der Zusteller extrem hoch. Nach einer Studie der Berufskrankenkassen kamen sie in Deutschland im vergangenen Jahr auf 30,6 Krankentage. Bundesweit lag der Durchschnitt der Versicherten bei den Berufskrankenkassen nur bei 17,4 Fehltagen. 

Doch Vertretungen der Postboten im Krankheitsfall gibt es kaum und wenn doch, dann sind dies zumeist billige Hilfskräfte. Manche von ihnen können kaum Namen und Anschrift lesen. Die Sendungen landen dann schon mal im falschen Postkasten. Andere Aushilfen wiederum besitzen kaum Ortskenntnisse und müssen sich durchfragen. 

Dem Konzern dagegen bekommen die Billiglöhne seiner Zusteller ausgesprochen gut. 2017 verdiente die Deutsche Post unterm Strich rund 2,9 Mrd. Euro. 40 % des Betriebsgewinns kamen aus der Brief- und Paketzustellung, wo auch die etwa 10.000 Billig-Paketboten des Unternehmens arbeiten. Die Sparte ist nach dem Express-Geschäft sogar der profitabelste Bereich der Deutschen Post. Operativ blieben dort von jedem Euro knapp 8 Cent hängen – im Konzerndurchschnitt waren es nur 6 Cent. Dank des boomenden Online-Handels brummt die Sparte, auch wenn immer weniger klassische Briefe verschickt werden. 

Und nicht nur ihre Zusteller, auch ihre Kunden schröpft die Post zunehmend. Sie hat die Preise für ihre Dienste stetig erhöht und das Porto für den Standardbrief seit 2013 viermal angehoben – auf inzwischen 70 Cent. Das ist ein Plus von 27 % in fünf Jahren. Die Versandpreise für Postvertriebsstücke bei Tageszeitungen, Wochen- und Monatstitel legten im Schnitt um 3 % p.a. zu. 2018 wurden sie um 3,2 % erhöht, und für 2019 sind 2,8 % bereits angekündigt.

Die bisher monatlich erscheinende ADAC-Zeitschrift „Motorwelt“ wird in Zukunft nur noch vier Mal im Jahr gedruckt. Und wer sie lesen will, muss sie sich selbst beim ADAC oder einem Partner des Verkehrsclubs abholen. Die Deutsche Post aber wird weiter dreist ihre Preise anheben und bei der Leistung sparen.