Irrglaube


In einem kürzlich veröffentlichten Interview gab sich der Ex-Finanzvorstand der Deutschen Bank, Stefan Krause, ungewohnt mitteilungsbedürftig. Es sei ein Irrglaube, dass die früheren Vorstände wie Josef Ackermann oder er in seiner siebenjährigen Tätigkeit als Finanzvorstand für den Niedergang der Deutschen Bank verantwortlich seien. „Natürlich trägt der Vorstand die Verantwortung. Aber der heutige Vorstand“, so sein Fazit. Denn als er 2008 in die Bank kam, „waren die meisten Fehler längst passiert.“ Es ist also ein Irrglaube, dass Krause bis 2015 als Strategiechef da noch viel hätte reißen können. Vielmehr war es eine große Last, eine Führungsposition bei der Deutschen Bank zu haben. „Es war ein bisschen so, als reite ein guter Reiter ein krankes Pferd“, ist von dem heutigen Chef eines kalifornischen Elektroauto-Start-ups zu hören. Und da ist es sicherlich ein weiterer Irrglaube, dass die Millionen an Vorstandsvergütung das Reputationsrisiko hätten entschädigen können. Ebenso ist es ein Irrglaube, dass eine Fusion mit der Commerzbank eine Lösung für die Probleme der Deutschen Bank sein könnte. „Aus zwei Fußlahmen wird doch kein Gesunder“, erläutert Krause. 

Bei so viel Redseligkeit und analytischem Denken könnte man gespannt sein, was denn der Zeuge Stefan Krause bei der anberaumten Vernehmung am 27. März bzw. 3. April 2019 im Postbankverfahren (Az.: 13 U 166/ 82 O 28/11) zu sagen hat. Aber es ist ein Irrglaube anzunehmen, dass er beabsichtigt, diese Termine tatsächlich wahrzunehmen. Vielmehr beruft er sich auf ein umfassendes Zeugenverweigerungsrecht, da er sich durch seine Aussage der unmittelbaren Gefahr einer Strafverfolgung im Hinblick auf noch nicht verjährte Tatvorwürfe aussetzen könnte. Bei der Übernahme von Verantwortung für das eigene Tun hört die Redseligkeit also auf. Es scheint also kein Irrglaube zu sein, dass der ehemalige Finanzvorstand und die anderen Ex-Vorstände der Bank über Jahre nicht nur den Kapitalmarkt, sondern auch die Gerichte über den wahren Sachverhalt getäuscht haben.