Lifestyle fürs Depot

Mit Streetwear zum Börsenliebling


Funktionale Sportkleidung ist heute nicht mehr nur fürs Training gedacht, als Streetwear ist sie längst salonfähig geworden. In den letzten 10 Jahren haben Sporthersteller ihre Umsätze und Gewinne z.T. verdreifacht. Und der Boom hält unvermindert an. Wie Sie Ihr Depot fit für den Trend machen, zeigen die aussichtsreichsten Sportswear-Aktien.

Als Joschka Fischer 1985 zur Vereidigung als Umweltminister im Landtag von Wiesbaden in Turnschuhen erschien, ging ein Raunen durch die Nation. Heute kommt selbst Daimler-Chef Dieter Zetsche in Turnschuhen zur Hauptversammlung. Der Fitness-Lifestyle ist im Alltag angekommen. Der sportliche Freizeitlook ist eines der stärksten Wachstumssegmente der letzten Jahre. 

Im klassischen Sport-Ausrüstunggeschäft ist Nike (US6541061031) als die Nr. 1 der Sporthersteller mehr als erfolgreich unterwegs. Ab 2020 stattet das Unternehmen neben der NFL und der NBA auch die amerikanische Baseball-League MLB aus. Allein die Partnerschaft mit der NFL, die 2018 nochmals um 10 Jahre verlängert wurde, soll Schätzungen zufolge Werbekosten von 220 Mio. $ jährlich beinhalten. Bedenkt man, dass die Saison von Anfang September bis Anfang Februar läuft und alleine beim Superbowl, dem Finale der Football-League, in diesem Jahr weltweit gut 800 Mio. Zuschauer einschalteten, ist dies die perfekte Werbeplattform. Vor Kurzem hat Nike zudem die erste Yoga-Kollektion speziell für Männer gelauncht und ist damit in eines der beliebtesten Sport-Segmente eingestiegen. MD-Wert Nike ist in Topform! 

Zwar liegen die Zahlen noch nicht vor, doch schon jetzt ist sicher, dass 2018 wieder ein Rekordjahr für Adidas (DE000A1EWWW0) war. Konzernchef Kasper Rorstedt erwartet, im März mit den Bilanzzahlen für das Geschäftsjahr 2018 eine operative Marge von 10,8 % präsentieren zu können – Rekord! Und da die Dividendenpolitik der Herzogenauracher eine Ausschüttung von 30–50 % vorsieht, dürfte auch für eifrige Dividendenjäger mehr drin sein. 

Über die eigenen Online-Shops Adidas.com und Reebook.com vermarktet Adidas eine riesige Produktauswahl. Bis 2020 will das Unternehmen gut 4 Mrd. € im Online-Geschäft einnehmen. Darüber hinaus steht der Traditionskonzern über die sozialen Medien direkt mit seinen Kunden in Kontakt und greift Trends frühzeitig ab. Den aktuellen Trend zur Nachhhaltigkeit bedient der Sportartikelhersteller in Zusammenarbeit mit Parley u.a. mit einer Schuhkollektion aus recyceltem Material. Aufgrund der massiven Nachfrage soll die Auflage in diesem Jahr sogar mehr als verdoppelt werden. „Wir wollen in diesem Jahr 11 Mio. Paar Schuhe aus recyceltem Plastikabfall produzieren“, so Adidas-Markenchef Eric Liedtke. Adidas-Kunden lassen sich dabei auch vom hohen Preis nicht abschrecken. Ein Paar Laufschuhe aus Plastikmüll kostet um die 160 €. Adidas gehört seit Jahren zur Startaufstellung und zeigt, dass harte Arbeit im Sport und an der Börse belohnt wird.  

Zu einem Rundumschlag in Sachen Smart-Fitness hat Under Armour (US9043111072) ausgeholt. Der US-Konzern erweitert dazu die bestehenden Partnerschaften mit Samsung und dem Hersteller von Audiosystemen JBL nun um diverse Neuerungen rund um das Thema Laufen. Und die sollen Läufer in Echtzeit mit smarten Einsichten und Coaching direkt aufs Ohr versorgen. Konkret sollen die smarten HOVR-Laufschuhe des Unternehmens künftig nahtlos mit der hauseigenen MapMyRun-App verbunden sein. Über die Samsung Galaxy Watch können Laufzeiten, Trainingserfolge oder Kalorienverbrauch abgelesen werden. Um das smarte Lauf-System zu vervollständigen, kommen mit den neuen True Wireless Flash Headphones zudem noch smarte kabellose In-Ear-Kopfhörer dazu, die UA zusammen mit Musiktech-Unternehmen JBL entwickelt hat. Zwar hat es UA auf dem heimischen Markt noch immer nicht leicht, doch gerade in Europa und Asien verzeichnet der Sport-Fashion-Konzern kontinuierliche Zuwachsraten, das wurde nicht zuletzt im wichtigen Weihnachtsgeschäft deutlich. Im Q4 2018 konnten die Erlöse insgsesamt leicht auf 1,39 (1,37) Mrd. $ verbessert werden. Nach Steuern holte UA einen Gewinn von 4,22 Mio. $ ein. Im Vorjahr hatte die US-Steuerreform noch einen dicken Verlust von –87,92 Mio. $ verursacht. Im Gesamtjahr setzte sich der Umsatz auf 5,19 (4,99) Mrd. $. Allerdings musste das Unternehmen hier erneut sinkende Einnahmen im Heimatmarkt verkraften. International läuft es dagegen blendend. Hier legte das Geschäft nochmals um 23 % zu und repräsentiert mittlerweile gut 26 % der Gesamteinnahmen. Für 2019 verspricht das Unternehmen erst einmal ein Umsatzplus von 3–4 %. UA muss zwar noch ein oder zwei Extrarunden drehen, bietet aber noch Kursfantasie. 

Im Trend-Markt Yoga gilt bislang der kanadische Konzern Lululemon (US5500211090)als Platzhirsch. Das Unternehmen wurde 1998 in Vancouver gegründet. Auf der Unternehmens-Homepage heißt es, Yoga ist der Kern all dessen, was Lululemon ausmacht. Doch von einem ruhigen Yoga-Kurs war 2018 keine Spur. Der Aktienkurs sprintete im vergangenen Jahr im Peak um gut 50 % nach vorn. Darüber hinaus hat der kanadische Konzern nach einem guten Festtagsgeschäft zum vierten Mal die Aussichten angehoben. Der Umsatz für das Q4 2018/19 wird in der Spanne zwischen 1,14–1,15 Mrd. $ angesetzt. Zuvor waren 1,115 bis 1,125
Mrd. $ anvisiert worden. Bei einem stabilen Steuersatz soll sich das EPS zudem auf 1,72–1,74 (1,64–1,67) $ vorankämpfen. Für das gesamte Geschäftsjahr peilt das Unternehmen einen Umsatz von 3,235 bis 3,245 (2,65) Mrd. $ an. Um seine Marktposition gegen die wachsende Konkurrenz zu behaupten, will Lululemon bis 2020 zudem umgerechnet gut 90 Mio. € allein in Yoga-Kollektionen für Männer investieren. Von Zahlen wie Nike oder Adidas sind die Kanadier mit einer Marktkapitalisierung von 20,0 Mrd. $ zwar noch weit entfernt, bieten jedoch enormes Wachstumspotenzial. Dennoch sollte man derzeit auf einen ersten Kursrücksetzer warten. 

Vergleicht man die Kursentwicklung der großen Sportartikelhersteller in den letzten zwölf Monaten, hat einer die Nase ganz weit vorne: Puma (DE0006969603). Die Herzogenauracher verstehen es seit Jahren, Trends zu setzen. Mit der Mission ‚Forever Faster‘ engagiert sich Puma nicht nur im bekannten Teamsport, sondern setzt auf neue Styles für Running und Training und bedient damit den noch immer anhaltenden Fitness-Boom. Durch Kooperationen mit angesagten Stars und Sportlern (Usain Bolt, Cara Delevigne, Adriana Lima) verbindet der Konzern darüber hinaus gekonnt Sport und Lifestyle. Schaut man sich die Follower-Zahlen bei Instagram an, so kommt Puma auf 9,2 Mio. Follower, US-Konkurrent Under Armour kommt auf „nur“ 6,9 Mio. Im wahrsten Sinne „Faster“ ging es auch im vergangenen Jahr voran. Das Unternehmen hat 2018 sein Konzernergebnis um ganze 38 % auf 187,4 Mio. € steigern können. Die Umsätze legten hierbei währungsbereinigt um 17,6 % auf 4,65 Mrd. € zu. Dabei konnte Puma auch im wichtigen US-Markt punkten (+16,9 %). Als Umsatztreiber erwies sich erneut der Bereich Schuhe. Hier knackte Puma mit Erlösen von 2,18 Mrd. € erstmals die 2 Mrd.-Marke. Nach einer einmaligen Dividende von 12,50 € für 2017 schüttet der Traditionskonzern für 2018 eine Dividende von 3,50 € je Aktie aus. Wer sich bereits Stücke von Puma sichern konnte, lässt die Herzogenauraucher weiter laufen. Für einen Neueinstieg ist Puma bereits zu weit voraus. 

Der Fitness-Boom hat nicht nur den Weg in den Kleiderschrank gefunden. Auch im Depot machen die Hersteller eine gute Figur.