Das IPO-Jahr 2019

Techs aus dem Valley stürmen das Parkett


Das IPO-Jahr 2019 schickt sich an, Rekorde zu brechen. Trotz zahlreicher Stolpersteine könnten derzeit die Vorzeichen für Newcomer kaum besser sein. Allen voran sorgt die nächste Generation der Technologie-Start-ups aus dem Silicon Valley schon vor ihrem Börsengang für viel Wirbel. 

Das Jahr 2019 könnte eines der IPO-Jahre überhaupt werden. Schließlich tauchen am Horizont wahre Megabörsengänge auf. Von der Flaute in den ersten Wochen sollten sich Anleger daher nicht täuschen lassen. Während in 2018 im Januar weltweit 126 Börsenlistings verzeichnet wurden, waren es in diesem Jahr gerade einmal 60. In Deutschland kam der IPO-Markt zu Jahresbeginn sogar komplett zum Stillstand. In den USA trauten sich lediglich 6 Konzerne an die Börse. Allerdings brachte schlichtweg der Shutdown die Arbeit der Börsenaufsicht SEC zum Erliegen. Die bereits im Dezember eingereichten Unterlagen der Aspiranten Uber und Lyft wurden gar nicht erst bearbeitet. Doch aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben! Wie am Markt zu hören ist, möchte Uber unbedingt die Pole Position bei den 2019er IPOs einnehmen. Rund 3 Mio. Fahrer in 65 Ländern sind für den Taxischreck unterwegs. Die Schätzungen für die Bewertung des US-Fahrdienstlogistikers liegen zum Teil bei bis zu 120 Mrd. $! Damit rangiert Uber gemessen an der Bewertung unter den 10 größten Neuemissionen überhaupt. Bereits seit ein paar Quartalen gibt Uber Einblick in seine Geschäftsentwicklung, die allerdings angesichts der Verluste eher ernüchternd ist. Für 2018 meldete Uber bei einem Umsatzanstieg um 43 % auf 11,3 Mrd. $ einen Verlust von sage und schreibe –1,8 Mrd. $. Schwarze Zahlen werden frühestens 2022 erwartet. Darüber hinaus machten die Kalifornier bislang eher mit Führungschaos, rechtlichen Streitereien und diversen Skandalen rund um die Fahrer Schlagzeilen.

Uber-Erzrivale Lyft will sich beim Börsengang ebenfalls nicht mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Der Konzern meldete gerade erst für 2018 einen Nettoverlust von –911 (–688) Mio. $. Beide Unternehmen benötigen dringend Geld, um ihre Expansion vorantreiben zu können. Gelingt es auch in Zukunft, Wachstum einzufahren, könnte es interessant werden. Um die IPOs dürfte es jedoch ohnehin einen Hype geben. Werden die hohen Erwartungen jedoch nicht erfüllt, schmieren die Kurse zweifelsohne schnell ab. Daher gilt: schnelle Kursgewinne nach dem IPO absichern!

Auch der nächste Börsenanwärter machte bereits in der Presse von sich reden. Airbnb (Air, Bed and Breakfast) wird schon seit längerer Zeit unterstellt, für die Wohnungsknappheit in deutschen Städten mit verantwortlich zu sein. Das Geschäftsmodell ist so einfach, wie genial. Haushalte bieten im Internet ihre eigene Wohnung als Unterkunft an. Die einstige Schlafbörse ist mittlerweile ein weltweit agierender Tourismuskonzern mit 150 Mio. vermittelten Zimmern in 191 Ländern. Jahresumsatz: 2,6 Mrd. $. Trotz der ambitionierten Bewertung (siehe Tabelle) sollten Investoren das IPO nicht verschlafen. Denn Airbnb ist bereits profitabel, ein Merkmal, das man bei vielen Start-ups vergeblich sucht. Einen Börsenschritt weiter ist Pinterest. Berichten zufolge wurden die Anmeldeformulare bei der SEC eingereicht. Das soziale Netzwerk inspiriert bereits 240 Mio. Nutzer mit Rezepten, Einrichtungs- oder Lifestyleideen – Tendez steigend. 

In Deutschland bzw. Europa öffnet sich das IPO-Fenster voraussichtlich erst nach Ostern. Die meisten Börsenkandidaten werden auf jeden Fall abwarten, ob es nun einen harten Brexit am 29. März gibt oder nicht. Danach könnten durchaus 15 bis 18 Unternehmen nur hierzulande an die Börse streben. Spannend wird es zweifelsfrei in der Automobilbranche. Volkswagen kündigte an, seine Nutzfahrzeugsparte mit dem Kunstnamen Traton an der Börse parken zu wollen. Auch Continental bringt seine Antriebstochter bereits auf Börsenkurs. „Wir bereiten uns darauf vor, einen möglichen Teilbörsengang ab dem zweiten Halbjahr 2019 durchführen zu können“, heißt es auf Nachfrage des ES. Zusammengenommen würden diese beiden Neuemissionen an den Top-IPOs aus dem Vorjahr (Siemens Healthineers und DWS) locker vorbeifahren.

Ein weiterer Börsen-Novize kommt aus dem Hause Rocket Internet. Die 2011 gegründete Global Fashion Group ist auf Onlinehandel mit Kleidung in Schwellenländern spezialisiert. Bei dem im Frühjahr geplanten IPO soll eine überaus stolze Bewertung zwischen 1,8 und 2,5 Mrd. € aufgerufen werden. Bislang erwiesen sich allerdings nahezu alle Börsengänge der Rocket Internet, auch der eigene, als regelrechte Rohrkrepierer. 

Gemessen am Emissionsvolumen war 2018 das beste IPO-Jahr seit dem Boom 2000. Doch vorsichtig: die meisten Börsenneulinge machten ihren Anlegern nur wenig Freude. So verzeichneten in Deutschland von den insgesamt 17 IPOs lediglich Siemens Healthineers und Stemmer im nachhinein Kursgewinne. Anleger sollten daher auch 2019 nicht auf jeden IPO-Zug aufspringen und die Neuankömmlinge in Sachen Qualität, Liquidität und Bewertung genauestens unter die Lupe nehmen.