Auf den zweiten Blick

Die Top Picks aus dem Scale 30-Index


Wer nicht nur in die Big Player aus DAX, MDAX & Co. investieren will, für den lohnt es sich, einen zweiten Blick auf das Börsensegment Scale zu werfen. Die kleinen Gesellschaften weisen neben einer guten Eigenkapitalausstattung meist eine starke Expansionsstrategie auf. Der ES hat einige interessante
Scale-Rosinen herausgepickt.

Erst vor zwei Jahren hat die Deutsche Börse für kleine und mittelgroße Unternehmen das Börsensegment Scale geschaffen. Voraussetzung für eine Aufnahme sind u.a. eine Unternehmenshistorie von mindestens zwei Jahren und eine Mindestmarktkapitalisierung von 30 Mio. €. Mittlerweile sind 51 Unternehmen im Segment enthalten, das seinerzeit mit 37 startete. 

Ein besonderes Augenmerk sollte auf dem Scale 30-Index liegen, der die 30 liquidesten Aktien enthält. In Ausgabe 50/17 hatte der ES auf das neue Börsensegment aufmerksam gemacht und angemerkt, dass die Deutsche Börse weitere attraktive Unternehmen für Scale begeistern und erfolgreich an die Börse bringen muss. Wenn zudem keine Skandale das Segment erschüttern, dann könne Scale der deutschen Nebenwerteszene zu einem deutlichen Imagegewinn verhelfen. Dies scheint bisher gelungen, denn ein Großteil der im Scale notierten Unternehmen hat in den vergangenen Jahren die eigene Substanz deutlich gestärkt, was u.a. an den stabilen Eigenkapitalquoten abzulesen ist. In konjunkturell schwächeren Zeiten können diese Gesellschaften nun schneller und flexibler agieren als die Großkonzerne. Allerdings führt die meist geringere Liquidität bei den kleineren Werten zu starken Schwankungen. Doch seit der Finanzkrise haben sich die Volatilitäten der Indexschwergewichte sowie der Nebenwerte immer stärker angenähert. Immerhin ist die Liquidität im Scale doppelt so hoch als bei seinem Vorgänger, dem Entry Standard, und bietet interessante Nischenplayer. 

Einige gute Beispiele sind die ES-Favoriten 2G Energy, Hersteller von Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK)-Anlagen, Helma Eigenheim, Baudienstleister für Ein- und Zweifamilienhäuser und Ferienimmobilien, der Software-Spezialist Mensch und Maschine und Nynomic

Am Freitag muss nun Nynomic das Zahlenwerk für 2018 liefern. Nachdem der Sensorikspezialist im Herbst 2018 einen Auftrag von der Bosch-Siemens-Hausgeräte GmbH meldete und damit einhergehend deutlich erhöhte Auftragsbestände von 42,4 Mio. € kommunizierte, ist es ruhig um das Unternehmen aus Wedel geworden. Das Management erwartet für 2018 bei Umsätzen zwischen 66 und 68 Mio. € ein Ebit von rund 10 Mio. €. Eine positive Überraschung ist aufgrund der vollen Orderbücher nicht ausgeschlossen. Zunächst die aktuellen Zahlen abwarten.

Bereits erste Zahlen für 2018 hat mVise (ISIN: DE0006204589) vorgelegt. Die Bilanz des auf die digitale Transformation und Integration spezialisierten IT-Unternehmens liest sich nicht schlecht, wenn auch das Erlöseziel von 25 Mio. € mit einem Umsatz  von 22,5 Mio. € nicht ganz gehalten werden konnte. Dafür kletterte das Ebit, bereinigt um den Verkauf einer Tochter, deutlich auf rd. 1,8 (0,5) Mio. €. Die Ebit-Marge liegt mit rd. 8 % innerhalb der anvisierten Marge von 7,0 bis 9,0 % und deutlich über dem Vorjahreswert von 3,4 %. Bis zum Jahr 2020 will mVise seine Marge auf 15 % hochfahren. 

2018 stand im Zeichen der Ausweitung des Partnergeschäfts, um einen weiteren starken nachhaltigen Absatzkanal zu schaffen. mVise kam dabei mit den beiden wichtigen Produkten elastic.io und SaleSphere deutlich voran. Für die iPaaS-Integrationsplattform elastic.io wurden neben der Ausweitung der Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Magic Software auch Reselling-Vereinbarungen mit verschiedenen Firmen wie z.B. der Dt. Telekom geschlossen. Für die mobile Inte-grationslösung SaleSphere trafen die Düsseldorfer vergleichbare Vereinbarungen mit verschiedenen Partnern. Bereits im lfd. Geschäftsjahr wurde durch diese Partner-Strategie und erhöhte Marketing-Aktivitäten die Marktposition weiter ausgebaut. Die Zukunft für mVise ist durch die weiterhin starke Nachfrage im Bereich digitale Transformation vielversprechend.

Im März 2017 startete ein weiteres, überaus interessantes Unternehmen im Scale-Segment seine Börsenkarriere. IBU-tec (ISIN: DE000A0XYHT5) ist ein hochspezialisierter Entwicklungs- und Produktionsanbieter für thermische Verfahrenstechnik mit verschiedenen Stoffen in der Industrie. Als Wachstumstreiber für die kommenden Jahre gelten die Batteriewerkstoffe für Elektromobilität und stationäre Energiespeicherung. Auch der Bereich Chemiekatalysatoren soll weiterhin zu einer positiven Umsatz- und Ergebnisentwicklung beitragen. 

Insbesondere durch die Übernahme der BNT Chemicals im vergangenen Jahr rechnet IBU mit einer erweiterten Wertschöpfungskette. In 2018 zogen die Erlöse (ohne BNT Chemicals) schon einmal auf das Rekordniveau von 18,9 (16,8) Mio. € an. Bei einem Ebitda von 4,7 (4,3) Mio. € verbesserte sich das Ergebnis nach Steuern deutlich auf 1,4 (0,2) Mio. €. Die Aktionäre sollen mit einer Dividende von 0,15 + 0,05 (0,15) € am Erfolg beteiligt werden (HV: 30.04). Der Dienstleister will künftig vor allem mit seinen Batteriewerkstoffen für Lithiumakkus vom Elektromobilitätstrend profitieren. Für BASF beispielsweise stellen die Weimarer Grundwerkstoffe für Akkus her. Im Forschungsbereich arbeitet IBU-tec an einem großen, staatlich geförderten Projekt für neue Batteriewerkstoffe zur stationären Energiespeicherung mit. Zu den sechs Verbundprojektpartnern zählt u.a. der Batteriekonzern Varta. Mit dem vorherigen Besitzer von BNT Chemicals, der TIB Chemicals, gibt es nicht nur gemeinsame Forschungsprojekte, sondern auch eine feste Abnahmevereinbarung. Wer an dem Elektromobilitätstrend mit verdienen möchte, der kommt an dem Small Cap IBU-tec nicht vorbei.

Vor rund einem Jahr zog es den Anbieter von IT-Sicherheitslösungen Cyan (ISIN: DE000A2E4SV8) im Scale-Segment an die Börse. Sein Alleinstellungsmerkmal: der einzige netzwerkintegrierte Anbieter von IT- und Cyber-Security-Lösungen für mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets. Nimmt man das Geschäftsmodell genauer unter die Lupe, wird schnell klar, wie viel Potenzial noch in dem Scale-Wert steckt. Es werden nicht Endkunden akquiriert, sondern die Kooperationen mit Providern und Telefongesellschaften abgeschlossen. Die Cyan-Sicherheitslösungen werden dann direkt im Datencenter der Kunden implementiert. Damit fallen für den Endkunden die lästigen Downloads weg, wie sie bei anderen Sicherheitsanbietern (z.B. Norton) nötig sind. Ende 2018 konnten die Münchener mit dem französischen Telefongiganten Orange einen großen Kunden an Land ziehen. Die ehemalige France Telecom will ihren Telefonkunden die Cyan-Sicherheitslösungen anbieten. Der Auftrag beinhaltet Anwendungen in 28 Ländern mit über 260 Mio. Kunden. 

Cyan erwartet aus dem Lizenzvertrag bereits ab dem 2. Halbjahr 2019 spürbare Umsatz- und Ergebniseffekte und bis 2021 mindestens eine Verdreifachung des proforma Jahresumsatzes 2018 von 22,9 Mio. € auf über 60 Mio. €. Das Ebitda sollte dabei dank Skaleneffekten überdurchschnittlich steigen, nachdem es bereits in 2018 mit 4,84 Mio. € deutlich über den Analystenerwartungen von 3,36 Mio. € ausgefallen war. Der Stellenwert für IT-Sicherheit, gerade bei mobilen Endgeräten, nimmt immer mehr zu. Damit sind die Zukunftsaussichten für Cyan vielversprechend. Hier vorsichtig erste Positionen aufbauen.

Augen auf bei den Scale-Werten! Einige bieten reichlich Kurspotenzial und z.T. aufgrund ihrer Aktionärsstruktur auch Übernahmefantasie. Wegen der Unternehmensgröße und der geringeren Liquidität wird bei den Aktien aus dem Scale-Segment mit Limiten gearbeitet.