Wirecard gut ausgespielt

Japaner steigen beim deutschen Zahlungsabwickler ein


Obwohl die Wurzeln der „Financial Times“ (FT) in Großbritannien liegen, ist nur ein Viertel der Leserschaft dort zu finden. Schon seit 40 Jahren verbreitet die Tageszeitung ihre Nachrichten überwiegend auf den internationalen Märkten. Die deutsche Ausgabe wurde jedoch 2012 eingestellt, nachdem sie zwölf Jahre lang hintereinander nur Verluste geschrieben hatte. Da es auf dem britischen Heimatmarkt auch nicht rund lief, verkaufte Pearson, der 60 Jahre lang Besitzer der lachsfarbenen Wirtschaftszeitung gewesen war, die Financial Times 2015 an die japanische Mediengruppe Nikkei Inc. 

Die Japaner setzten sich damals im Bieterkampf um die Financial Times mit einem Kaufpreis von 844 Mio. Pfund (umgerechnet 1,2 Mrd. Euro) gegen den Axel Springer Verlag durch, der ebenfalls mit geboten hatte. Hierzulande ist die Nikkei-Gruppe vor allem durch die Veröffentlichung des gleichnamigen Aktienindex (Nikkei 225) bekannt, der aus den Kursen ausgewählter Unternehmen der Tokioter Börse berechnet wird. Doch die Nikkei Inc. publiziert zudem auch eine Vielzahl an Zeitungen, Bücher und Zeitschriften und bietet außerdem digitale Medien, Datenbanken und Rundfunkdienste sowie andere Dienstleistungen an. 

Obwohl die FT nicht mehr in deutscher Sprache erscheint, wurde sie gerade hierzulande in den letzten Monaten besonders aufmerksam gelesen. Der Grund: die kritische Berichterstattung über den Zahlungsanbieter Wirecard des bis dahin unbekannten Journalisten Dan McCrum. Dieser veröffentlichte seit 2015 zunächst seine Artikel über den Zahlungsabwickler in seinem Blog „Alphaville“ als Serie unter dem Titel „The House of Wirecard“. Doch die Öffentlichkeit nahm kaum Notiz von seinen brisanten Geschichten zu den Geschäften des Unternehmens. Erst als McCrum im Februar 2016 in der regulären Ausgabe der Financial Times über Studienergebnisse eines völlig unbekannten „Research-Dienstes“ zu Wirecard berichtete, bekam er die gewollte Aufmerksamkeit – und die Wirecard-Aktie stürzte ab. Nachdem sich die Aktie bis 2018 wieder mühsam erholt hatte und sogar mit der Aufnahme in den deutschen Leitindex geadelt wurde, setzte der FT-Journalist erneut zum Angriff an und gab nun immer nur „scheibchenweise“ sein angebliches Wissen über Manipulation und Geldwäschegeschäfte bei Wirecard in den Markt. Die Wirkung blieb nicht aus: Von ihrem Hoch bei fast 200 Euro wurde die Aktie bis auf 86 Euro nach unten durchgereicht. Jeder neue Erholungsversuch scheiterte an einem neuen Artikel von McCrum. Wer in seinem Schlepptau sowohl in den Erholungsphasen als auch bei den Kurseinbrüchen der Aktie wie viel Geld verdient hat, ist nicht bekannt. Allein die Handelsvolumina lassen jedoch Milliardensummen vermuten.

Erst nachdem die BaFin dem Treiben durch ein Leerverkaufsverbot bis zum 18. April ein Ende setzte und die Vorwürfe durch einen unabhängigen Bericht weitgehend ausgeräumt werden konnten, kehrte Ruhe in den Aktienkurs ein. Just in diesem Moment wurde bekannt, dass die Beteiligungsgesellschaft Softbank Group – ebenso Japaner wie die Financial Times-Dachorganisation – mit 900 Mio. Euro bei Wirecard einsteigen will. Einer Mitteilung des DAX-Konzerns zufolge wollen die Japaner eine, über fünf Jahre laufende Wandelanleihe zeichnen, die ihnen in einem ersten Schritt rund 5,6 % an den Wirecard-Aktien sichern soll. Der Wandlungspreis wird bei 130 Euro liegen. Über die Ausgabe der Wandelschuldverschreibung muss jedoch erst die Hauptversammlung der Wirecard AG am 18. Juni 2019 entscheiden. 

Wirecard ist durchaus eine passende Karte in dem Pokerblatt der Japaner, die Verbindung macht Sinn. Softbank gehört mit seinem Fonds zu den größten Technologieinvestoren weltweit. Schon jetzt tummeln sich unter dem Dach der Holding mehr als 1.000 Tochtergesellschaften, darunter der amerikanische Mobilfunker Sprint (83 %), Yahoo Japan (48 %) und Alibaba (29 %), aber auch Nvidia, ARM und Uber. 

Allerdings bleibt ein Geschmäckle, wenn die von einem japanischen Presseorgan unter Druck gesetzte Wirecard nun mit dem Softbank-Konzern ausgerechnet einen japanischen Ankeraktionär erhält. Stellt sich also die Frage, ob die Japaner einfach nur clever gepokert oder falsch gespielt haben?