ES-Top Performer

Die Gewinner der Berichtssaison


Die Bilanzmaschinerie läuft, und wie sie läuft! Der Wachstumsmotor zahlreicher Konzerne aus der ersten, aber auch hinteren Reihe fährt auf Hochtouren. Und auch die Aussichten sind trotz aller Hiobsbotschaften gar nicht so schlecht. Der ES stellt an dieser Stelle einmal seine Gewinner aus der aktuellen Berichtsserie heraus.

Ein Top Performer aus dem DAX stellt ES-Favorit HeidelbergCement (ISIN DE0006047004) dar. Für das saisonal eher schwache 1. Quartal präsentierte die weltweite Nr. 2 auf dem Zementmarkt ein Glanzresultat. Den Umsatz mauerte der Konzern dank der milden Witterung um 16,9 % auf 4,24 Mrd. € hoch. In Sachen Profitabilität gießt das Unternehmen derzeit ein stabiles Fundament. Das bereinigte Ebitda wuchs um 59 % auf 396 Mio. €. Neben dem Sparprogramm wirkte sich hier die erstmalige Anwendung des Bilanzierungsstandards IFRS 16 positiv aus. „Wir sind auf einem guten Weg, unsere Ziele für das Jahr 2019 zu erreichen“, so Vorstandschef Bernd Scheifele. Diese sehen einen moderaten Anstieg bei Umsatz und Ebitda vor. Die Aktie von HeidelbergCement ist weiter in der Aufbauphase für höhere Kurse.

Beim kleineren Index-Bruder MDAX sticht Hannover Rück (ISIN: DE0008402215) hervor. Denn im Vergleich zu seinen Branchenkollegen überstand der weltweit viertgrößte Rückversicherer die jüngsten Katastrophen unbeschadet. Trotz des Hochwassers in Australien und des Sturmtiefs „Eberhard“ hierzulande erwirtschaftete Hannover Rück im Auftaktquartal einen Anstieg beim Überschuss um 7,4 % auf 293,7 Mio. €. Auf Jahressicht sieht Konzernlenker Ulrich Wallin, der den Führungsstab soeben an den früheren Swiss Re-Manager Jacques Henchoz weitergegeben hat, den Versicherer gut unterwegs. Der Überschuss soll mit etwa 1,1 Mrd. € leicht über den Vorjahreswert von 1,06 Mrd € gehoben werden. Der jüngste Kursrücksetzer wird daher genutzt, um sich erneut eine sturmsichere Dividendenrendite 2019e von über 4 % ins Depot zu legen.

Bei den Technologieaktien feiert gerade Dialog Semiconductor (ISIN GB0059822006) sein fulminantes Kurs-Comeback. Noch verbuchte der Chipentwickler im 1. Quartal mit einem Umsatz von 294,9 Mio. $ (–11 %) und einem Konzerngewinn von 38,3 Mio. $ (–6 %) Rückgänge. Doch die auf 49,3 (46,3) % erhöhte Brutto-Marge zeigt schon, wo die Reise hingeht. Anfang April verkaufte der TecDAX-Konzern weite Teile des Zulieferergeschäfts mit Stromsteuerungschips an Apple. Dies war der erste Schritt, sich von dem US-Technologiegiganten abzunabeln. Schon im lfd. Quartal rechnet das Unternehmen dadurch mit positiven Effekten und einem anziehenden Geschäft. Auf Jahressicht soll die Bruttomarge ebenfalls das Vorjahresniveau toppen. Überaus erfreulich ist auch das angekündigte Aktienrückkaufprogramm. Dialog Semiconductor findet gerade wieder zu alter Stärke zurück.

Zu den verlässlichen Gewinngaranten zählte auch diesmal wieder das IT-Haus Bechtle (ISIN DE0005158703). Der Umsatz machte im 1. Quartal einen Satz um 29,8 % auf 1,24 Mrd. €. Nach Steuern speicherte das MDAX-Unternehmen einen um fast 28 % auf 31,68 Mio. € erhöhten Profit ab. Bechtle bewies insbesondere mit der Übernahme der französischen Inmac WStore erneut ein gutes Näschen und stärkte sein E-Commerce-Geschäft deutlich. Allein hier sprang der Umsatz um 54 %. Die Kapitalbasis stellt sich mit einer Eigenkapitalquote von 43,0 (43,6) % unverändert grundsolide dar. Es bleibt darüber hinaus bei der Jahresprognose eines kräftigen Umsatz- und Gewinnzuwachses. Die Aktie von Bechtle sowie die entsprechenden Call-OS (siehe Tabelle) sollten auch in den nächsten Monaten Freude bereiten!

In der zweiten Reihe gibt es ebenfalls etwas zu feiern. Das aktuelle Zahlenwerk von Data Modul (ISIN DE0005498901) überzeugt auf ganzer Linie. Der Spezialist in Sachen Display, Touch, Embedded und Systemlösungen stellte einen Umsatzzuwachs von 10,5 % auf 63,51 Mio. € ins Schaufenster. Noch deutlicher stieg die Profitabilität, und zwar unter dem Strich um 20,9 % auf 3,44 Mio. €. Im Orderbuch liegen noch Aufträge im Wert von 134,9 (118,5) Mio. € – ein überaus komfortables Polster. Auch wenn sich die Dynamik angesichts der sich eintrübenden Konjunkturlage nicht auf die kommenden Monate übertragen lässt, dürfte Data Modul auch weiterhin seinen Schnitt machen.

Unter den Small Caps fährt auch Verbio (ISIN DE000A0JL9W6) mit einem vollen Wachstumstank vor. Für die ersten 9 Monate des Geschäftsjahres 2018/2019 meldete der Biokrafthersteller einen Gewinnsprung. Operativ (Ebit) schwoll der Gewinn auf 68,5 (18,0) Mio. € an. Nach gerade einmal 12,2 Mio. € im Vorjahr sprudelte der Nettogewinn dank hoher Margen und einer Rekordproduktion auf 49,7 Mio. € hoch. Bereits Anfang April hatte Verbio seine Prognose für das Gesamtjahr heraufgesetzt. Anstatt der 75 Mio. € soll das Ebitda nun in einer Größenordnung von 95 Mio. € liegen. Mehr als nur erwähnenswert ist sicherlich die Eigenkapitalquote, die zuletzt erneut bei grundsoliden 78,0 % gehalten werden konnte. Die Aktie von Verbio ist ein geeigneter Kraftstoff für hohe Kursgewinne.

Eine regelrechte Spezialität auf dem deutschen Kurszettel hat offenbar ihren Wachstumsmodus gefunden: Vita 34 (ISIN DE000A0BL849) zählt zu den größten europäischen Zellbanken. Selbst wenn die Wissenschaft bei dem Thema Nabelschnurblut noch ziemlich am Anfang steht, wird es in der Öffentlichkeit zunehmend bewusster wahrgenommen und damit auch Vita 34. Gerade die zahlreichen Forschungen in der Immunzellentherapie dürfte die Wahrnehmung noch verstärken. Die vertriebliche Neustrukturierung einzelner Auslandsmärkte im letzten Jahr machte sich allerdings in den ersten 3 Monaten 2019 nochmals beim Umsatz bemerkbar. Erwartungsgemäß verringerte sich der Umsatz dadurch auf 4,8 (5,1) Mio. €. Das Unternehmen lagerte gleichzeitig jedoch einen deutlich höheren Konzerngewinn von 461 (308) T€ ein, was die aktuelle Strategie untermauert. Mit liquiden Mitteln von 7,53 (6,96) Mio. € sollte der Konzern sein Wachstum weiter ankurbeln können. Für 2019 bleibt das Unternehmen bei seiner Prognose eines Umsatzes zwischen 21,0 und 23,0 (20,4) Mio. € sowie eines Ebitda zwischen 5,0 und 5,6 (4,72) Mio. €. Der HV am 4. Juni wird übrigens für 2018 eine Dividende von 0,16 € je Aktie vorgeschlagen. Vita 34 wird als Zukunftswert im Depot eingelagert.

Die Aktienmärkte machen ihre schlechte Performance aus dem Jahr 2018 mehr und mehr wett. Umso wichtiger waren die Signale aus der Wirtschaft, um die seit Jahresbeginn laufende rasante Aufholjagd auch fundamental zu untermauern. Die mehrheitlich starken Bilanz-News zeigen: In der Wirtschaft läuft es immer noch rund, und an der Börse lässt sich immer noch Geld verdienen!