Sammelklagen in den USA

Was sollten deutsche Anleger tun?


Immer wieder erreichen uns Anfragen von Lesern, wenn diese von ihren Depotbanken ein Informationsschreiben folgenden Inhalts erhalten:

„Wir hatten per (Datum oder Zeitraum) Aktien der oben genannten Gesellschaft in Ihrem Depot verbucht. Gegen diese Ge-sellschaft wurde/wird in den USA eine Sammelklage nach US-amerikanischem Recht geführt. Wir wurden informiert, dass die Gesellschaft die Beilegung der gerichtlichen Auseinandersetzung plant. Betroffenen Anlegern wird deshalb unter bestimmten Voraussetzungen angeboten, Entschädigungsansprüche geltend zu machen (sog. Proof of Claim).“ 

Diesem Text folgt zumeist noch der Hinweis auf einen englischsprachigen Internetlink, über den die Anspruchsberechtigten ein Formular herunterladen können, das ausgefüllt und unter Beachtung bestimmter Fristen eingereicht werden muss, sofern man eigene Forderungen geltend machen will. 

Obwohl vor allem die Privatanleger oft hohe Kursschäden in solchen Papieren zu beklagen haben, unternehmen sie in der Regel nichts, weil sie mit derartigen Schreiben völlig überfordert sind und zusätzliche Kosten befürchten, wenn sie hier tätig werden. Eine Nachfrage bei der Depotbank bringt sie zumeist auch nicht weiter, da diese nur die Informationen des Emittenten weitergeben. Was also ist zu tun?

Bei dem Informationsschreiben handelt es sich zunächst einmal nur um den Hinweis, dass die Möglichkeit besteht, eigene Ansprüche für ein bereits erledigtes oder kurz vor der Erledigung stehende Sammelklageverfahren in den USA anzumelden. Die Sammelklage wird in diesem Fall durch Vergleich (Settlement) beendet. 

Nach amerikanischem Recht ist jeder Anleger automatisch Mitglied der „Klägergruppe“ und hat damit auch einen gleichberechtigten Anspruch auf die Schadenssumme, wenn er zum fraglichen Zeitpunkt Aktien an dem verklagten Unternehmen hielt. Allerdings gilt dies nur dann, wenn er das dafür erforderliche Anmeldeformular (Proof of Claim) zu einem bestimmten End-Datum ausgefüllt an den zuständigen Verwalter in die USA schickt. Dieses Formular wird in der Regel allen Aktionären automatisch zugestellt oder zumindest zugänglich gemacht.

Der Depotinhaber wird also angeschrieben, weil er vermutlich in der Schadensperiode Aktien erworben oder gehalten hatte, die jetzt zum Schadensersatz berechtigen. Der Anleger sollte also auf der angegebenen Website das Anmeldeformular herunterladen, ausfüllen und die Ansprüche noch vor dem angegebenen Fristende beim US-Verwalter (Claims Administrator) anmelden. Hierzu müssen die Käufe und Bestände angegeben und ein Nachweis über den Kauf der Aktien bzw. der ADRs beigefügt werden.

Die Website informiert auch darüber, auf welchem Weg das Formular und weitere Unterlagen eingereicht werden können (postalisch, per E-Mail, über die Bank usw.). Allerdings gibt es keine deutschen Übersetzungen, sämtliche Angaben sind auf Englisch.

Fazit: Die Anmeldung der Ansprüche ist sinnvoll, insbesondere wenn größere Schäden entstanden sind oder Aktien bzw. ADRs mit höherem Volumen gehandelt wurden. Der Anleger bekommt dann – soweit der Anspruch anerkannt wird – nach ca. 12 bis 24 Monaten einen Scheck in US-Dollar über die ihm zugesprochene Schadensersatzsumme übersandt, welchen er bei seiner Bank einlösen kann. Anleger, die von dem Gerichtsurteil profitieren wollen, müssen also lediglich dafür sorgen, dass das Formular „Proof of Claim“ mit allen Aktiennachweisen rechtzeitig ausgefüllt auf den Weg in die USA gebracht wird. Dennoch lohnt bei kleineren Schäden von wenigen hundert Euro zumeist der Aufwand nicht. 

Vorsicht ist allerdings geboten, wenn das Anschreiben die Aufforderung enthält, ein Formular mit der Überschrift „Certification“ auszufüllen und zu unterschreiben. Hierbei handelt es sich um einen Antrag auf Bestellung zum Leitkläger. Der Anleger wäre damit also nicht mehr nur passiver Teilnehmer einer Sammelklage.