Einmal hin, was ist drin?

Was ist Real drin bei der Metro?


Operativ sind die 279 Real-Märkte längst ein Sanierungsfall, daran ist nichts mehr zu deuteln. Ihr eigentlicher Wert steckt in denImmobilien, die mit 900 Mio. Euro in der Metro-Bilanz stehen. Daher versuchte Metro-Chef Koch immer wieder, die Supermarktkette als Ganzes zu verkaufen, was durchaus Sinn macht. Schließlich beschäftigt Real ca. 34.000 Mitarbeiter. Schon als die real-SB-Warenhaus GmbH nach heftigen Arbeitskämpfen im Juni 2015 den Flächentarifvertrag aufkündigte, war gerüchteweise ein Verkauf ins Spiel gebracht worden. „Man wolle die Braut hübsch machen auf Kosten der Beschäftigten“, hieß es damals von Gewerkschaftsseite. 

Vor einem Jahr war dann die Konzernleitung in die Offensive gegangen und hatte die Verkaufsverhandlungen der angeschlagenen Tochter aktiv betrieben. Mit der Trennung von Real wolle man sich wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren – den Großhandel mit Lebensmitteln. Mit seinem Zeitplan von sechs bis acht Monaten für einen Abschluss hatte sich Koch allerdings unnötig selbst unter Druck gesetzt. Anfangs waren dann wohl auch zwischen zwei und sechs Interessenten im Gespräch. Doch schnell lichtete sich das Feld der potenziellen Käufer. Inzwischen wäre Koch sicher froh, wenn er Real doch noch irgendwie als Ganzes losschlagen könnte. Nun aber wird die Zeit für ihn knapp. Denn sein neuer tschechischer Investor Daniel Kretinsky muss sich bis Juni entscheiden, ob er weitere Kaufoptionen ausüben will oder nicht. Derzeit gehören ihm zusammen mit seinem slowakischen Partner 10,9 % der Metro-Aktien. Allerdings hält er weitere Optionen, mit denen er seinen Anteil auf über 30 % aufstocken könnte. Würde Kretinsky diese Schwelle überspringen, wäre ein Pflicht-Übernahmeangebot an die übrigen Metro-Aktionäre fällig (vgl. ES 29/16). Seine Entscheidung wird er jedoch letztlich auch davon abhängig machen, ob Real nun endlich verkauft wird. Daher muss Koch auf Biegen und Brechen sein Sorgenkind loswerden, das wissen auch die Kauf-Interessenten.

Derzeit führt der deutsche Handelsriese Gespräche mit einem Konsortium um den Immobilien-Investor Redos, der erst vor wenigen Wochen die Verhandlungsrunde verlassen hatte. Nun kehrt Redos an den Pokertisch zurück, und zwar als exklusiver Verhandlungspartner. Redos betreut eigenen Angaben zufolge ein Portfolio von Einzelhandelsobjekten im Wert von rund 2,5 Mrd. Euro an 74 Standorten bundesweit. Daher dürfte der Fokus von Redos wohl auch vornehmlich auf den Real-Immobilien liegen, die in den teureren Innenstadtgebieten liegen. Diese würden dann an den Hamburger Spezialisten für Einkaufszentren ECE sowie Morgan Stanley durchgereicht werden. Redos selbst will die großflächigen SB-Supermärkte betreiben, allerdings unterstützt von der Metro. Sie soll das operative Geschäft noch für drei weitere Jahre als Minderheitsaktionärin mit 24,9 % begleiten. Damit bleibt unklar, was Redos überhaupt mit den Märkten will und ob der Investor diese nach Ablauf der drei Jahre überhaupt alleine weiter betreiben wird. Es könnte also letztlich doch auf eine Zerschlagung der Kette hinauslaufen. In jedem Fall wird es unter dem neuen Eigentümer zunächst eine harte „Kernsanierung“ mit einschneidenden Veränderungen am Geschäftsmodell und der Kostenstruktur geben, was Mitarbeiterentlassungen mit einschließt. 

Egal, was aus Real wird, die Börse interessiert nur, ob es in Kürze zu einem Verkauf der Warenhauskette kommt oder nicht, ob die Metro dabei draufzahlen muss oder nicht und was Kretinsky mit seinen Metro-Anteilen macht. Ebenso spannend ist für die Aktionäre, ob es zu einem Teilverkauf des chinesischen Großhandelsgeschäfts kommt. Gerüchten zufolge schielen die Onlineriesen Alibaba und Tencent auf die chinesische Metro-Tochter. Käme es tatsächlich zu einem Einstieg von einem der beiden Giganten, dann wäre dies ein lukratives Milliardengeschäft. 

Wenn es also Koch gelänge, zumindest einen der beiden Deals umzusetzen, dann könnten die leidgeplagten Metro-Aktionäre endlich mehr als nur den Umtausch von Payback-Punkten aus ihrem Investment rausholen.