Alles auf Anfang

Deutsche Bank will zurück zu ihren Wurzeln


Im Handeln der Bank zeige sich die DNA des Instituts, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank auf der Hauptversammlung 2018 (vgl. ES 22/18). Ein Jahr später glaubt Christian Sewing, nun endlich die DNA der Bank entschlüsselt zu haben und will das Institut zu seinen Wurzeln zurückführen. Alles auf Anfang bedeutet in diesem Fall einen harten Schnitt: Das Investmentbanking wird um 40 % gestutzt, Aktiengeschäfte soll es künftig nicht mehr geben. Dreh- und Angelpunkt des Bankgeschäftes werden wieder die Firmen- und Privatkunden sein, ganz so wie vor 150 Jahren. Die Bank will sich wieder auf „ihre traditionellen Stärken im Finanzierungs-, Beratungs- und Zins- und Währungsgeschäft konzentrieren“, heißt es in der offiziellen Mitteilung. Dabei sollen die Bereiche ausgebaut werden, die für das Institut von besonderer Relevanz sind. Dafür entsteht eine neue Einheit, die Unternehmensbank. Sie soll die zentrale Geschäftseinheit für Firmenkunden der Deutschen Bank und der Postbank werden. 

Der Rückzug aus dem Investmentbanking heißt aber zunächst einmal Stellenstreichungen. 18.000 Bankangestellte, vor allem in London und in New York, werden damit ihre sehr gut bezahlten Jobs verlieren. Auch drei Vorstände werden entlassen. Neben Privatkundenchef Frank Strauß und Regulierungsverantwortliche Sylvie Matherat muss auch Investmentbanking-Chef Garth Ritchie zum 31. Juli seinen Stuhl räumen. Dabei wurde doch sein Vorstandsvertrag mit 3 Millionen Euro Fixgehalt gerade erst verlängert, was ihm – ebenso wie den meisten gefeuerten Bankern – eine saftige Abfindung garantiert. Das Vorstandsgremium wird aber nicht etwa generell verkleinert, es werden drei neue Mitglieder nachrücken. Dabei verdient ausgerechnet die Commerzbank mit der Hälfte an Beschäftigten heute schon doppelt so viel wie die Deutsche Bank.

Mit Personalentlassungen allein aber bekommt man die Bilanz nicht aus der Grütze, und eine Kapitalerhöhung ist am Markt nicht mehr durchzukriegen. Schließlich hatte Ex-Vorstand Anshu Jain im Frühjahr 2013 schon das Ende des „Hungermarsches“ der Deutschen Bank verkündet. Und sein Nachfolger John Cryan hatte nur drei Jahre später „aus voller Überzeugung“ gesagt: „Wir sind besser als unser Ruf. Viel besser sogar!“ Deshalb bleibt der Deutschen Bank heute nach nochmals drei Jahren als letztes ultimatives Mittel nur noch die Gründung einer internen „Bad Bank“. Hier können Bilanzpositionen ausgelagert und später ganz liquidiert werden, die aus den verlusthaltigen Geschäftsfeldern stammen, von denen man sich nun ganz oder zumindest teilweise trennen will. Dabei geht es immerhin um risikogewichtete Aktiva im Volumen von 74 Milliarden Euro. Bis 2022 sollen so die bereinigten Kosten um ein Viertel sinken. Das wäre eine Ersparnis von ca. sechs Milliarden Euro auf insgesamt aber immer noch 17 Milliarden Euro. Zunächst aber kostet der Kahlschlag auch eine Menge Geld: bis 2022 etwa 7,4 Milliarden Euro. Rund 13 Milliarden Euro sollen zudem in Technologie und Digitalisierung investiert werden, um dann wenigstens auch im Kerngeschäft wieder wettbewerbsfähig zu sein. 

Für die Aktionäre bedeutet der Radikalumbau jedoch einen weiteren „Hungermarsch“, denn wegen der Belastungen wird die Bank 2019 und 2020 keine Dividende zahlen. Sie geht aber immerhin davon aus, ihre Nachranganleihen bedienen zu können. Ob am Ende dann tatsächlich „eine neue, eine bessere Deutsche Bank“ steht, vermag heute niemand zu sagen. Denn letztlich wurden zu viele kostbare Jahre vergeudet und zu viel Geld an unfähige und selbstsüchtige Banker verschleudert. Alles auf Anfang zu setzen, ist jedoch die letzte Chance, die dem einst so stolzen Bankhaus überhaupt noch bleibt. Doch konsequenterweise müsste sich das Institut auch endlich von Aufsichtsratschef Paul Achleitner trennen. Er steht seit sieben Jahren an der Spitze des Kontrollgremiums und hat somit einen großen Anteil an den strategischen und personellen Fehlentscheidungen, den juristischen Verstrickungen und der Geldverschwendung. Er sollte endlich dafür Verantwortung übernehmen und gehen – damit eine Rückkehr zu den Wurzeln gelingt. Alles auf Anfang!