Du nicht!

Osram wehrt unwillkommenen Bewerber ab


„Erst Gewinnwarnung, dann Aktienrückkauf“ – Schon in Ausgabe 3/19 fragte der ES, was da eigentlich hinter den Kulissen bei Osram läuft. Nach zwei Gewinnwarnungen in 2018 war die Aktie des Lichtspezialisten wie ein Stein von ihrem strahlenden Kurshoch bei 79,58 bis auf 29,71 Euro abgestürzt. Dann kam die Mitteilung des Unternehmens, man wolle eigene Aktien mit einem Volumen von bis zu 400 Mio. Euro zurückkaufen – rein rechnerisch ein max. Rückkaufkurs von 41,95 Euro je Aktie. Die stark gedimmte Osram-Aktie gewann daraufhin neue Strahlkraft, nicht zuletzt gestützt von Übernahmegerüchten. Doch just an dem Tag, an dem der Aktienrückkauf starten sollte, erschien kurz vor Börsenbeginn ein Interview mit Firmenchef Olaf Berlien, in dem er schwache Unternehmenszahlen ankündigte. Der Aktienkurs fing daraufhin erneut an zu flackern und sackte bis auf 34,30 Euro ab.

„Für den Beginn des Aktienrückkaufprogramms hätte das Momentum kaum besser sein können, denn billiger als nach drei Gewinnwarnungen innerhalb von 10 Monaten kann es kaum noch werden“, schrieb der ES. Doch Vorstandschef Berlien schaffte es tatsächlich, den Kurs der eigenen Aktie noch weiter abschmieren zu lassen – und zwar so tief, dass doch tatsächlich die umstrittenen Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle mit ihrem mickrigen Übernahmeangebot von 35,00 Euro wie die weißen Ritter im schwarzen Osram-Nebel erstrahlten. Entsprechend herzlich wurden sie dann auch vom Osram-Management empfangen. Schließlich hatte man schon fast acht Monate gemeinsam an einem Deal gefeilt. 

Es lief also alles nach Plan. Doch dann kam wie aus dem Nichts dieses Angebot von AMS. Das an der Schweizer Börse notierte österreichische Unternehmen ist kein Finanzinvestor, sondern ein Industriekonzern aus der Halbleiterbranche. Operativ würde dies also besser zusammen passen, außerdem stellte AMS ein Angebot von 38,50 Euro in Aussicht. Der Chiphersteller ist zwar wesentlich kleiner als Osram, wollte aber die 4,2 Mrd. Euro schwere Übernahme über ein „temporäres Bankdarlehen“ stemmen. 

Während Vorstand und Aufsichtsrat von Osram das Angebot der US-Finanzinvestoren lautstark bejubelt hatten, machten sie keinen Hehl daraus, dass ihnen die „Interessensbekundung“ von AMS nicht willkommen war. Statt das Angebot inhaltlich im Interesse des Unternehmens und seiner Anteilseigner zunächst gründlich zu prüfen, hatten Osram-Chef Berlien und Kollegen sofort öffentlich in Frage gestellt, dass die Österreicher die Übernahme überhaupt bezahlen könnten. In ihrer Marktmitteilung war von „erheblichen Zweifel(n) an der Finanzierbarkeit der von AMS angestrebten Transaktion“ die Rede. So brüskiert sah AMS dann „nach Evaluierung der jüngsten Entwicklungen (...) keine ausreichende Basis“ mehr für weitere Gespräche und machte in rekordverdächtig kurzer Zeit wieder einen Rückzieher. 

Spätestens an dieser Stelle fragte sich schon der eine oder andere Osram-Aktionär, was da womöglich tatsächlich hinter den Kulissen läuft und ob es eventuell noch weitere interne Absprachen gibt. Denn wie zu hören ist, soll der Osram-Chef auch nach der geplanten Übernahme durch Bain Capital und Carlyle das Unternehmen führen, weil man weiterhin auf seine Strategie setze. Nach mehreren Gewinnwarnungen und einem Kurssturz von mehr als 60 % ist dies schon sehr verwunderlich. Berlien selbst betonte: „Ich bin hochmotiviert und habe Spaß daran.“ 

Das können die Aktionäre sicher nicht sagen, doch es dürfte sie freuen, dass AMS mit Beginn der Angebotsfrist der US-Investoren (läuft bis zum 05.09.) am Übernahmetisch zurück ist. Das Unternehmen teilte mit, „eine mögliche Transaktion mit Osram weiter zu prüfen“ und untermauerte diese Aussage gleich mit starken Quartalszahlen. Man sei zudem von möglichen finanziellen Partnern angesprochen worden, die bestätigt hätten, das AMS „eine umsichtig strukturierte Finanzierungszusage für eine derartige potenzielle Transaktion arrangieren kann.“ Es könnte also doch noch zu einem Bieterwettstreit bei Osram kommen. Daran hätten dann auch wieder die Aktionäre Spaß!