„Goldis Schatztruhe“

Dubiose Sparpläne und ein leerer Goldtresor



In Zeiten von Negativzinsen und steigenden Edelmetallpreisen klingt ein Goldsparplan nach einer besonders lukrativen Anlage. Und die 2008 gegründete Firma PIM Gold hatte gleich eine  ganze Serie von Goldprodukten anzubieten, darunter auch einen Sparplan explizit für  Kinder. Unter dem Slogan „Goldis Schatztruhe“ konnten Eltern für ihre Kinder mit kleinen monatlichen Geldbeträgen Gold kaufen, das dann im Goldtresor des Unternehmens bei Geschäftsführer Mesut P. eingelagert wurde – natürlich gebührenfrei. Und für besonders fleißige Sparer gab es dann jedes Jahr einen Zinsbonus von mindestens 3 % oben drauf – nicht in bar, versteht sich, sondern in Gold und auch nur dann, wenn man sich das Gold nicht aushändigen ließ, sondern es in „Goldis“ alias Mesut P. Schatztruhe aufbewahren ließ.  Denn „Kinder sind unsere Zukunft“, so die Werbung von PIM. Doch nun sieht die Zukunft ziemlich düster aus, denn „Goldis Schatztruhen“ sind leer, PIM steht vor der Insolvenz, Mesut P. wurde verhaftet und die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Seit 2008 soll die hessische Firma dieses Schneeballsystem unter dem Radar der Finanzaufsicht BaFin betrieben haben. Obwohl ein ehemaliger PIM-Mitarbeiter mehrfach Strafanzeige gegen die Führungsriege des Goldhändlers gestellt hatte, gab es von den Aufsichtsbehörden keinerlei Sanktionen oder Warnungen. Erst im November 2018 (und damit 10 Jahre später) war der BaFin aufgefallen, dass das seinerzeit angebotene Kinder-Gold-Konto ohne erforderlichen Verkaufsprospekt nach dem Vermögensanlagengesetz angeboten wurde. PIM Gold soll daraufhin die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Produkts kurzerhand so angepasst haben, dass es wieder in Umlauf gebracht werden konnte.
Verkauft wurden die Goldprodukte über eine aufwendige, achtstufige Vertriebsstruktur mit steigenden Vergütungen für die Berater. Und obwohl den Kunden das Gold um bis zu 35 % über Marktwert aufgeschwatzt wurde, brummte das Geschäft. Die etwa 10.000  emsigen Sparer haben fast 3,4 Tonnen Gold mit einem aktuellen Marktwert von etwa 150 Mio. Euro zusammengekauft. Davon sind mindestens
2 Tonnen nicht mehr auffindbar. Doch auch bei dem Rest ist nicht klar, wem das Gold eigentlich gehört. Da den PIM-Kunden die noch vorhandenen Goldbarren nicht zugeordnet werden können, ist rechtlich eine genaue Eigentümerermittlung nicht möglich. Privatanlegern droht damit der Totalverlust, auch wenn sich bereits zahlreiche Anwaltskanzleien für die betrogenen Anleger in Stellung gebracht haben. Doch zunächst wurden über die Vermögenswerte der Gesellschaft ein Arrest angeordnet und die Geschäftskonten eingefroren.
Geschädigten Anlegern bleibt also nur, ihre Schadensersatzansprüche gegen die Gesellschaft und deren Verantwortliche vorsorglich anzumelden und darauf zu hoffen, dass sie irgendwann aus dem Verwertungserlös der beschlagnahmten Vermögenswerte wenigstens noch einen Teil ihrer Verluste erstattet bekommen. Möglicherweise findet die Staatsanwaltschaft im Laufe der Ermittlungen auch noch weiteres Gold, in das etwaige Schadensersatzansprüche vollstreckt werden können.
Unter den sehenden Augen der BaFin ist dies nun schon der zweite große Betrugsfall innerhalb von zwei Jahren, der öffentlich wird. Erst 2018 war der Betrug der Firma P+R Container aufgeflogen. Sie hatte jahrzehntelang Anlegern Container als sichere Altersvorsorge verkauft, die es nie gab. Statt die Unternehmen und sich selbst mit bürokratischen Formalien zu beschäftigen, sollte sich die Finanzaufsicht wieder auf ihre originären Aufgaben konzentrieren, um den Markt und die Anleger vor den wahren Betrügern zu schützen.