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Berlin kauft Wohnungen zum Wucherpreis zurück


Schon in den „Randnotizen“ 19/19 hatte der ES auf den kaufmännischen Irrsinn der Forderung hingewiesen, die hoch verschuldete Stadt Berlin solle von den Konzernen Wohnungen zurückkaufen, um die Mietpreise zu senken.
Im Jahre 2004 verkaufte die rot-rote Berliner Landesregierung ihre Wohnungsbaugesellschaft GSW mit 65.700 Wohn- und Gewerbeeinheiten in mehreren Berliner Bezirken an die als sog. Heuschrecken bekannten Finanzinvestoren Whitehall (Goldman Sachs) und Cerberus. Die 65.000 Wohnungen gingen für 405 Mio. Euro in deren Besitz über, also eine Wohneinheit für 6.231 Euro. Obwohl auf jeder Wohnung umgerechnet noch 24.000 Euro Schulden lasteten, war dies ein glänzendes Geschäft. Schon 2009 verkauften die Fondsgesellschaften davon 15.000 Wohnungen zu einem Durchschnittspreis von je 50.000 Euro. Außerdem plünderten sie die Kasse der Wohnungsbaugesellschaft, die sich durch überdurchschnittliche Mieterhöhungen und nur spärliche Instandhaltungsausgaben schon wieder gut gefüllt hatte. Die neuen Besitzer genehmigten sich u.a. eine Ausschüttung von 447 Mio. Euro. Nach nur fünf Jahren hatten Cerberus und Goldman Sachs den vollen Kaufpreis mit einem Aufschlag von 10 % wieder rein. Außerdem gehörten ihnen über die GSW immer noch 50.000 ehemalige kommunale Wohnungen.
Vom Emissionserlös des Börsengangs der GSW im Jahr 2011 steckten die Heuschrecken nochmals rund 350 Mio. Euro in ihre eigenen Taschen, lediglich 115 Mio. Euro verblieben dem Wohnungsunternehmen selbst. 2013 schließlich wurde die GSW zerlegt, die Immobilien gingen in den Besitz der Deutsche Wohnen über, die einen Teil davon wiederum an andere Investoren weitergereicht, so auch an die luxemburgische ADO Properties. Und von diesem Investor hat nun die rot-rot-grüne Landesregierung in Berlin knapp 6.000 ihrer in den 1960er bis 1990er Jahren ehemals als Sozialwohnungen errichteten Bestände zurückgekauft. Sie zahlte für die beiden kompletten Quartiere in den Stadtteilen Spandau und Reinickendorf stolze 920 Mio. Euro, je Wohneinheit also 153.333 Euro. Der Quadratmeterpreis  soll bei etwa 2.600 Euro liegen und damit 10 % über Buchwert. Bei den Aktionären des Luxemburger Unternehmens, an dem sich die deutsche Adler Real Estate gerade erst 33 % gesichert hat,  kam das Geschäft gut an. Die ADO-Aktien legten zeitweise um 5,6 % zu. Nach Abzug der Schulden verbleiben dem Unternehmen Netto-Einnahmen von noch 580 Mio. Euro.
Da sich die Berliner Landesregierung die Rekommunalisierung (also den Rückkauf ihrer ehemaligen Immobilien) dick auf die Fahne geschrieben hat, wird der Irrsinn weitergehen. In diesem Jahr kaufte sie bereits mehrere Hundert Wohnungen auf der Karl-Marx-Allee im Zentrum Berlins, um eine Übernahme durch den Konzern Deutsche Wohnen zu verhindern. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Weitere 1.800 Wohnungen wurden im Kosmosviertel im Süden der Stadt zurückgekauft. Preis: 250 Mio. Euro. Weil die Stadt damit dem massiven Anstieg der Mieten in der Hauptstadt entgegenwirken will, ist kaum davon auszugehen, dass sich die Investition durch Mieteinnahmen irgendwann rechnen wird. Die Instandhaltung der Wohnungen wird aber auf Dauer für die Stadt auch nicht zu stemmen sein. Dann werden die Immobilien entweder verkommen, oder die nächste Landesregierung verscherbelt sie erneut an geschäftstüchtige Heuschrecken.